Dating: Wie viel muss die Liebe kosten?

Keine Kohle, keine Liebe – eine Untersuchung zeigt, dass Millennials nicht genug Geld fürs Dating haben und sich deshalb zurückhalten. Woran das liegt und was sich dagegen tun lässt.

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Viele Millennials daten nicht, weil sie glauben, zu wenig Kohle zu haben. Foto: Davidpradoperucha / Photocase

Finanzen sollten Romanzen nicht im Weg stehen – tun sie aber oft genug. Die jährliche Umfrage einer Datingplattform unter mehr als 5.000 US-Singles zwischen 18 und über 70 Jahren hat ergeben: Millennials daten weniger, weil sie nicht genug Geld dafür haben.

Demnach hat ein Fünftel das Gefühl, erst ein gewisses Einkommensniveau erreicht haben zu müssen, um überhaupt ernsthaft potenzielle Partner*innen treffen zu können. Und ein Drittel der jungen Singles gibt an, dass die finanzielle Situation sie vom Dating abgehalten hat – mehr als in den anderen befragten Generationen.

Schon klar, die Studie bezieht sich auf die USA, wo die Datingkultur mit mehr unausgesprochenen Regeln gespickt und grundsätzlich anders gelagert ist als bei uns. Trotzdem ist das Problem auch hierzulande kein seltenes.

Grob überschlagen kann ein Standarddate mit Pizza, Gläschen Wein und Kino von ungefähr 17 Euro in der günstigeren Version bis zu 37 Euro pro Person kosten – nicht gerade wenig. Und wenn man das ab und zu machen möchte, weil man gern jemanden kennenlernen will, dann geht das echt ins Geld. Auch, wenn jede*r für sich zahlt. Doch leere Taschen müssen nicht das Ende des Liebeslebens bedeuten.

Scham und Armut als Liebesbremse

Warum dieses Problem vor allem jüngere Menschen betrifft, dürfte kein großes Mysterium sein: geringe Ausbildungsvergütung, Studium und BAföG, erster Job und niedriges Einstiegsgehalt oder Arbeitslosigkeit einerseits plus hohe Lebenshaltungskosten für Miete, Mobilität und Essen andererseits.

Zu einem ähnlichen Schluss ist auch eine Untersuchung der US-Zentralbank gekommen: „Millennials sind schlechter dran als vorangehende Generationen in ihrer Jugend; sie haben niedrigere Einkommen, weniger Anlagen und geringeren Wohlstand.“

Deshalb finden Dates gar nicht statt oder werden abgesagt; eine wesentliche Rolle dabei spielt Scham. Auf Twitter erklärt @katkaesk, warum sie mal ein Treffen gecancelt hat: „Weil der Typ echt reich war und schick essen gehen wollte, der Abend hätte mindestens 100 Euro gekostet und ich wollte nicht eingeladen werden. Ich schämte mich für die Armut erstmals, obwohl ich mich nie als arm begriff.“

Auch @koffeinfusion schreibt: „Was will man ohne Geld machen? Daneben sitzen und zugucken? Ist peinlich für alle irgendwie. Und ja auch Angst, dass das Gegenüber dann schlecht über einen denkt oder sich gezwungen fühlt, was zu leihen/schenken.“

Aber es kann – bei aller Tragik – auch gut ausgehen: „Ich war mal Blutspenden, weil ich nicht genug Geld fürs Date hatte. Bin dann auf dem Bahnhof ohnmächtig geworden (vor dem Date). War aber pünktlich. Lief ganz gut das Date. Wir waren dann 2 Jahre lang zusammen“, schreibt @hungry_freaks.

Das Problem Geldmangel betrifft aber natürlich nicht nur Dates, sondern auch Verabredungen mit Freund*innen. So hat @AcAische schon mal Treffen abgesagt: „Aber ich habe mich noch nie dafür geschämt weniger Geld zu haben, als meine Freunde manchmal zur Verfügung haben. Es ist wie es ist. Und wenn ein Freund das nicht verstehen kann, dann war er/sie kein Freund.“

Und genau das gilt eben auch beim Dating. Denn bei Erwartungen und beim Thema Geld können sich unterschiedliche Wertevorstellungen offenbaren. Und die beeinflussen durchaus, wie gut oder schlecht zwei Leute zusammenpassen.

So offenbart Dating Werte und Erwartungen

„Beim ersten Date geht es zunächst darum, zu entscheiden, ob man diesen Menschen überhaupt besser kennen lernen möchte, ob Sympathie oder sogar Anziehung entsteht, ob man ähnliche Werte und einen kompatiblen Humor hat“, erklärt die Datingexpertin Nina Deißler. „Wo das Date stattfindet, hat nur mittelbar Einfluss – ist aber natürlich Teil dessen, was den ersten Eindruck ausmacht und die Werte kommuniziert.“

Anders gesagt: Wenn für eine*n von beiden edel essen gehen zu einem guten ersten Date dazugehört und der*die andere eher Fischbrötchen und Bier bevorzugt, dann kann das auf grundsätzliche Inkompatibilität hindeuten.

Umgekehrt werden zwei Menschen, die beide mit Kaffee am Flussufer happy sind, sich auch mit höherer Wahrscheinlichkeit auf anderen Ebenen besser verstehen und eher mögen – weil sie einen ähnlichen Wertekosmos haben. Es kommt also darauf an, was beide von einem Date und einer möglichen Beziehung erwarten.

„Wenn die Datevorstellungen sehr weit auseinander gehen, kann das durchaus zeigen, dass man unterschiedliche Werte hat“, meint Nina Deißler. „Letztlich sollte im ersten Schritt der Mensch im Mittelpunkt stehen, nicht das Event.“ Entscheidend ist also, wer sich trifft und wie sich die zwei miteinander fühlen und nicht so sehr, was sie dabei tun. „Wir suchen am meisten nach Sympathie, Vertrauenswürdigkeit, Aufgeschlossenheit, Interesse und nach einer freundlichen, heiteren Ausstrahlung, die uns zeigt, dass es Spaß macht, mit diesem Menschen zusammen zu sein“, sagt auch Nina Deißler.

Außerdem nicht zu vergessen: Das Problem Geldmangel betrifft viele Menschen in der Altersgruppe. Da sitzen also möglicherweise ohnehin zwei im selben Boot.

Ein Date muss nicht die Welt kosten

Gut, okay: Eine Flasche Portugieser Weißherbst beim Discounter kaufen, Slow Jams anschmeißen und auf der Couch knutschen kostet weniger, als im Restaurant Pizza essen gehen – aber vielleicht will man (noch) Fremde nicht unbedingt direkt zu sich nach Hause holen oder sie in ihren eigenen vier Wänden besuchen.

Trotzdem braucht ein erstes Treffen, bei dem man sich außerhalb von Apps oder Bars beschnuppern kann, keinen exklusiven Rahmen und kein großes Brimborium. „Als erstes Date eine Runde im Park spazieren gehen, dann muss erst mal keiner über Geld sprechen“, sagt Datingexpertin Nina Deißler.

Manchmal kann ein offener Umgang mit dem Thema aber auch hilfreich sein, meint @gluckeundso, die eigentlich eine Verabredung aus finanziellen Gründen absagen wollte: „Mein Date (mein jetziger Mann) hat gesagt, das kommt nicht in die Tüte und er hilft mir. Hab es dann gemacht, mich geschämt, darüber geredet und Dates ohne Geld ausgeben gemacht.“

Da gibt es Möglichkeiten. Ein Spaziergang durch ein schönes Stadtviertel, am Fluss entlang oder in einem Park kostet zum Beispiel nichts. Und anders als im Kino kann man sich hierbei auch tatsächlich unterhalten.

Wer ein bisschen Geld zur Verfügung hat, kann fürs erste Kennenlernen auch unkompliziert Kaffee trinken gehen – ein Klassiker. Außerdem sind auch kleine Fahrradtouren, kostenlose Stadtfeste oder Museen, die an bestimmten Tagen freien oder vergünstigten Eintritt anbieten, gute Gelegenheiten, um sich besser kennenzulernen. Und wer unbedingt ins Kino will, kann Karten für die Sneak Preview oder Überraschungspremiere besorgen; die sind meistens am günstigsten.

Ja, diese Generation hat weniger Geld als ihre Eltern und mangelnde Teilhabe durch relative Armut ist ein Problem, das gelöst gehört. Aber das sollte der Liebe nicht im Weg stehen. Denn wer sich wirklich gern hat, braucht beim Dating kein pralles Portemonnaie.