Designerin findet heraus, wie Glück aussieht

Die Designerin Ingrid Fetell Lee hat sich auf die Suche nach dem Ursprung von Freude gemacht. Das sind ihre Ergebnisse.

Glück-Freude

Was ist der Ursprung von Freude? Foto: Paulette Wooten / Unsplash | CC0

Als ihr Professor der Designerin Ingrid Fetell Lee 2008 bei der Abschlussprüfung mitteilte, dass ihre Arbeit ihm Freude bereiten würde, ahnte er wohl nicht, dass seine Worte Fetell Lee auf eine zehnjährige Suche schicken würden: Der nach dem Ursprung von Freude. Die Designerin fragte sich, warum uns manche Momente große Freude bereiten – und wie wir es schaffen, diese öfter herzustellen. Fetell Lee wollte das Verhältnis zwischen greifbaren Objekten und dem Gefühl von Freude erkunden. Ein Jahrzehnt später präsentiert sie ihre Ergebnisse in ihrem TED-Talk Where Joy hides and how to find it.

Glück, das sind Seifenblasen und Eis mit Streuseln

Um Antworten zu finden, fragte Fetell Lee bei Freund*innen, Kolleg*innen und Fremden nach, was ihnen Freude bereiten würde. Außerdem wollte sie wissen, in welcher Situation sie das letzte Mal Freude verspürt hätten. Oft fielen die Antworten sehr ähnlich aus: „Kirschblüten und Seifenblasen … Schwimmbäder und Baumhäuser … Heißluftballons und Kulleraugen und Eistüten, besonders die mit Streuseln.“ Diese vermeintlich kleinen Dinge im Leben lösten bei den Befragten Zufriedenheit aus und ließen sich nicht auf ein bestimmtes Alter oder Geschlecht zurückführen.

„Ich meine, wenn Sie darüber nachdenken, halten wir alle inne und drehen unseren Kopf zum Himmel, wenn dort ein Regenbogen zu sehen ist. Und ein Feuerwerk – wir müssen nicht einmal wissen, wofür es bestimmt ist, und trotzdem ist uns nach Feiern zumute. Diese Dinge sind nicht nur für einige, wenige Menschen erfreulich; Sie lösen bei uns allen Freude aus.“ Für Fetell Lee sind es diese Momente, die uns in unserer Menschlichkeit vereinen und Hoffnung auf eine bessere Welt machen.

Es sind die Kleinigkeiten

Ingrid Fetell Lee wollte wissen, warum es diese vermeintlichen Kleinigkeiten sind, die uns Menschen so viel Freude bereiten. Im Zuge ihrer Recherche wurde ihr bewusst, dass sich diese Momente der Freude überall im Alltag finden. Freude, so Fetell Lee, lässt sich durch Farben und Formen hervorrufen, durch verspielte Designs und durch lustige Muster. Unter Designer*innen wird hierbei von Aesthetics gesprochen. Fetell Lee geht noch einen Schritt weiter und nennt sie Aesthetics of Joy. Greifbare, physische Objekte, die unermessliche Freude auslösen können.

Mit dieser Erkenntnis änderte sich das Lebensgefühl der Designerin radikal: „Ich fing an, überall kleine Momente der Freude zu entdecken. In einem gelben Oldtimer oder cleverer Straßenkunst. Es war, als hätte ich eine rosarote Brille auf, und jetzt, wo ich wusste, wonach ich suchen sollte, sah ich es überall.“

Es war, als hätte ich eine rosarote Brille auf, und jetzt, wo ich wusste, wonach ich suchen sollte, sah ich es überall.

Ingrid Fetell Lee

Bunt macht froh

In ihrem TED-Talk erklärt Fetell Lee, dass es vor allem bunte, helle Farben und asymmetrische Objekte sind, die bei Menschen Freude auslösen. Trotzdem scheint es in Politik und Gesellschaft den Konsens zu geben, so wenig Farben und möglichst unauffällige Designs zu benutzen –vor allem in offiziellen Institutionen und bei der Städteplanung.

Fetell Lee fragt, warum wir eine graue und leblose Welt geschaffen haben, wenn doch in der Psychologie und Soziologie allgemein bekannt ist, dass genau das Gegenteil unser Wohlbefinden verbessert. Die Designerin glaubt, dass das daran liegt, dass wir im Laufe unseres Lebens unseren Sinn für Freude verlieren.

Wir fangen alle mit Freude an, aber wenn wir älter werden, werden wir für Farbenfreude und Überschwänglichkeit kritisiert.

Ingrid Fetell Lee

„Wir fangen alle mit Freude an, aber wenn wir älter werden, werden wir für Farbenfreude und Überschwänglichkeit kritisiert. Erwachsene, die echte Freude zeigen, werden oft als kindisch oder zu weiblich, unseriös oder selbstsüchtig abgetan.“ Ingrid Fetell Lee ist davon überzeugt, dass wir aufhören sollten, nach dem großen Glück zu jagen. Stattdessen sollen wir uns darauf konzentrieren, Freude in unserer Umgebung zu finden. „Freude ist kein überflüssiges Extra. Sie ist direkt mit unserem grundlegenden Überlebensinstinkt verbunden. Im Grunde ist der Antrieb zur Freude der Antrieb zum Leben.“


Von Celia Parbey auf EDITION F.

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Den gesamten TED-Talk von Ingrid Fetell Lee könnt ihr im Original auf Englisch hier anschauen.