Deutsche Botschaft warnt mit Video vor Rechtsruck in Brasilien – und in den Kommentarspalten ist die Hölle los

Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien veröffentlichte die deutsche Botschaft ein kurzes Video, in dem sie vor Nationalsozialismus warnt, und löste damit teils absurde Diskussionen in den sozialen Medien aus.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien veröffentlichte die deutsche Botschaft ein kurzes Video, in dem sie vor Nationalsozialismus warnt, und löste damit teils absurde Diskussionen in den sozialen Medien aus.

Dieses Video der deutschen Botschaft löst in Brasilien gerade heftige Diskussionen aus. Foto: Nelson Almeida / AFP / Getty Images; Screenshot: Twitter; Collage: ze.tt

Im Oktober wählen die Brasilianer*innen. Der rechte Politiker Jair Messias Bolsonaro liegt laut Prognosen mit 26 bis 28 Prozent vorne, ein Rechtsruck im Land wird vermutet. Um zu zeigen, wie man mit Nationalsozialismus umgehen kann, hat die deutsche Botschaft in Brasilien in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt ein Video mit dem Titel „Wie man in Deutschland mit Geschichte umgeht“ erstellt und auf Facebook, Instagram und Twitter geteilt.

In dem knapp einminütigen Video heißt es: „Die Deutschen verstecken ihre Vergangenheit nicht. Ihnen wird beigebracht, sich mit den schrecklichen Taten des Holocaust auseinander zu setzen.“ Dazu sind unter anderem historische Bilder aus der Zeit des Nationalsozialismus zu sehen: Autos fahren am Hakenkreuz beflaggten Brandenburger Tor, Leichen von KZ-Insass*innen sowie der Schriftzug „Arbeit macht frei!“ über dem Tor eines Konzentrationslagers sind zu sehen.

Sich der Geschichte bewusst sein

Man müsse sich der Geschichte bewusst sein, damit sie sich nicht wiederhole, heißt es weiter. Deshalb lerne man in Deutschland in der Schule über die Nazizeit, Stolpersteine in deutschen Städte erinnern an jüdische Familien und Gedenkstätten und Museen, die sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands auseinandersetzen, werden staatlich finanziert. Außerdem steht es in Deutschland unter Strafe, den Holocaust zu verleugnen, Nazi-Symbolik zu verwenden und den Hitlergruß zu zeigen.

[Außerdem auf ze.tt: Ein Überlebender des Holocaust erzählt, was ihm die Hoffnung zurückgab]

Gegen Ende des kurzen Videos wird Heiko Maas, Bundesminister des Auswärtigen, zitiert: „Wenn der Hitlergruß in unsere Straßen zurückkehrt, ist das eine Schande für unser Land. Wir müssen uns gegen die rechten Extremisten stellen und dürfen sie nicht ignorieren. Wir müssen Gesicht zeigen gegen Neonazis und Antisemiten.“ Es sei an der Zeit vom Sofa aufzustehen und den Mund aufzumachen. Dann wird ein Plakat von eine Anti-Nazi Demo in Chemnitz eingeblendet, auf dem „Wer gegen Nazis demonstriert, ist nicht direkt links, sondern normal!“ zu lesen ist.

Holocaust wird in Kommentaren geleugnet

Das am 5. September veröffentlichte Video hat Reaktionen und Diskussionen ausgelöst: Allein auf Facebook wurde das Video bereits mehr als 820.000 Mal aufgerufen und über 20.000 Mal geteilt. In mehr als 4.100 Kommentaren diskutieren User*innen über den Inhalt des Videos und über die bevorstehenden Wahlen. Dabei kommen zum Teil erschreckende Ansichten auf: Einige User*innen leugnen den Holocaust, sprechen sogar vom „Holofraud„, was übersetzt soviel wie „Holocaust-Betrug“ bedeutet, und formulieren Zweifel an der Zahl der Todesopfer des Zweiten Weltkriegs. Ein User behauptet: „Hitler war inspiriert von Stalin. Und der war links.“ Andere pflichten ihm bei und vertreten die Ansicht, Nazideutschland sei links gewesen: „Der Nazi war links. Im Wort Nationalsozialismus steckt Sozialismus.“ Auf derartige Kommentare und Äußerungen reagiert die deutsche Botschaft bestimmt: „Der Holocaust ist ein Fakt, für den es Beweise und Zeugnisse gibt“, antwortet sie.

Zwar zeigt sich die deutsche Botschaft erfreut, mit dem Video eine wichtige Debatte über Nationalsozialismus in Brasilien ausgelöst zu haben. Gleichzeitig fordert sie aber auch die Kommentator*innen auf, eine angemessen Diskussionskultur ohne Beleidigungen und Diffamierungen zu pflegen.