Deutschland rutscht im Gay Travel Index 20 Plätze ab

Jährlich erhebt Spartacus die sichersten Reiseländer für queere Menschen. Ein Grund für das schlechte Abschneiden Deutschlands sei die zunehmende Gewalt an Homosexuellen.

Deutschland rutscht im Gay Travel Index 20 Plätze ab

Auf nach Portugal, Schweden und Kanada. Foto: Tayla Kohler / Unsplash | CC0

Jedes Jahr listet die Berliner Redaktion des Blogs Spartacus im Gay Travel Index (GTI) die besten und schlechtesten Reiseziele für die queere Community auf. Für insgesamt 197 Länder und Regionen gibt er an, wie risikoreich eine Reise sein könnte. Wie stark wird diskriminiert? Wird Gewalt gegenüber queeren Menschen ausgeübt? Wie sehen die entsprechenden Bürger*innenrechte aus?

„Insgesamt verbessert sich die Situation für queere Reisende weltweit langsam, aber stetig. Wir beobachten in den Top 40 kleine Verschiebungen auf einem hohen Akzeptanzniveau“, sagt der Autor der Liste Christian Knuth dem Spiegel.

Die sichersten Reiseländer

Portugal führt dieses Jahr erstmals die Rangliste an. Durch gesetzliche Verbesserungen für Trans- und Intersexuelle und Initiativen gegen politisch motivierte Straftaten konnte Portugal von Platz 27 ganz nach oben springen. Das Land teilt sich nun den ersten Platz gemeinsam mit Schweden und Kanada. Generell schneiden europäische Länder tendenziell gut ab.

Die meisten Plätze kann unter anderem Indien gutmachen. Aufgrund der Entkriminalisierung von Homosexualität und einem verbesserten gesellschaftlichen Klima steigt das Land von Platz 104 auf Platz 57. Auch Österreich (Platz 4) und Malta (ebenfalls Platz 4) machen mit der Einführung der Ehe für alle einen großen Sprung nach oben.

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Screenshot: Spartacus Gay Travel Index 2019

Die risikoreichsten Reiseländer

In Brasilien (Platz 68) und den USA (47) hat sich die Situation für LGBTQ-Reisende hingegen verschlechtert. Das liegt zu weiten Teil an den rechtskonservativen Regierungen und deren Vorhaben, bereits bestehende LGBTQ-Rechte zu reduzieren, sowie an dem daraus resultierenden Anstieg homo- und transphober Gewalt. Deutschland verliert im Vergleich zum Vorjahr einen Punkt. Das reicht, um von Platz 3 auf Platz 23 zu fallen. Knuth begründet das mit der gestiegenen Zahl der homo- und transphoben Gewalttaten im Jahr 2018 und dem Fehlen von Maßnahmen, die dagegen wirken sollen.

Wie im vergangenen Jahr zählen auch 2019 Saudi Arabien, Iran, Somalia und die russische Teilrepublik Tschetschenien zu den gefährlichsten Ländern für LGBTQ-Reisende. Homosexuelle werden dort massiv verfolgt und mit dem Tod bedroht.

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Screenshot: Spartacus Gay Travel Index 2019

Wie der Gay Travel Index erhoben wird

Insgesamt wird der Gay Travel Index auf Basis von drei Kategorien und innerhalb derer von 14 Kriterien erstellt. In der ersten Kategorie werden die Bürger*innenrechte bewertet. Dürfen queere Menschen heiraten oder Kinder adoptieren? Existieren Antidiskrimierungsgesetze und besondere Rechte für trans* Menschen? Die zweite Kategorie behandelt verschiedene Diskriminierungsstrukturen. Gibt es Reisebeschränkungen für HIV-positive Menschen? Sind Demonstrationen für die Rechte von LGBTQ-Menschen verboten oder ist Homosexualität gänzlich illegal? Ist die restliche Bevölkerung queeren Menschen gegenüber feindlich gestimmt? In der dritten Kategorie werden Gefährdungen einer Person durch Verfolgung, Gefängnis- oder die Todesstrafe erfasst.

Um diese Fragen zu beantworten, zieht der GTI verschiedene Quellen heran, darunter die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und die UN-Kampagne Free & Equal.