Diese 10 Begriffe aus dem Bergischen solltest du in deinen Wortschatz aufnehmen

Die Bergische Mundart hat einige besondere, aber schwer verständliche Begriffe parat. Bevor du also dahin fährst, mach dich besser mit diesen zehn Begriffen vertraut.

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Deutsch ist nicht gleich Deutsch. Illustration: Elif Kücük/ze.tt

Das Bergische Land ist unter den nahegelegenen Großstädter*innen Kölns maximal als Urwald bekannt, in dem man in seinem Wochenendhäuschen Erholung vom stressigen Stadtleben findet. Bewaldete Hügel, so weit das Auge blickt, nur gelegentlich von Häusersammlungen und Talsperren unterbrochen. Kennt man die Kölner*innen als Frohnaturen, sind wir Leute aus dem Bergischen Land eher etwas grummelig. Aber genau so mögen wir uns auch. Kein anstrengend-fröhliches Begrüßen am frühen Morgen, unser größtes Glück bereiten uns stattdessen die Kölner Autos im Winter, wenn sie vergeblich versuchen, im Schneematsch am Berg anzufahren. Wer im Bergischen Land ernsthaft mit dem Fahrrad irgendwohin will, kann nur ein Tünnes sein.

Tünnes? Ja, ganz genau. Natürlich ist auch unser Dialekt von gelegentlichen Ausflügen nach Köln beeinflusst, aber wir haben auch ganz eigene Kreationen vorzuweisen. Was in Radevormwald so und in Kürten so gesagt wird, sagt man in Gummersbach schon wieder ganz anders. Hier sind einige Begriffe, die unsere deutsche Kollegin (DK) aus dem Oberbergischen mitgebracht hat und selbst nicht so genau weiß, woher exakt sie eigentlich kommen. Aber das weiß ihr österreichischer Kollege (ÖK) ja nicht und deswegen lässt sie ihn raten, was unter anderem mit Knotte, Klößchen und vor allem Ääpelschloot gemeint sein könnte:

Sicken

Österreichischer Kollege (ÖK): Sicken bedeutet, jemanden zu korrigieren. Redet jemand Blödsinn, verbreitet Unwahrheiten oder verspricht sich auch nur, wird er*sie von einer anderen Person gesickt, also korrigiert.

Deutsche Kollegin (DK): Nicht wirklich. Also eigentlich gar nicht. Aber wenn jemand Unsinn redet, dann kannst du sickig sein.

ÖK: Ist es einfach ein faul ausgesprochenes Zickig?

DK: Sicken heißt pissen. Deswegen kannst du auch angesickt oder sickig sein.

Ääpelschloot

ÖK: Auf Hochdeutsch übersetzt, bedeutet das wortwörtlich Apfelschleim. Das ist der frühere Aggregatzustand des Apfelmus, bevor es zu Mus wird.

DK: Es hat auf jeden Fall mit Essen zu tun. Auch mit Äpfeln. Aber anders, als du jetzt denkst. Es ist kompliziert.

ÖK: Vielleicht ist es so etwas wie Most?

DK: Ääpel kommt von Äädappel, dem Erdapfel oder auch Kartoffel genannt. Und Schloot heißt Salat. Es handelt sich also um Kartoffelsalat.

Usselig

ÖK: Usselig ist jemand, der*die höchstgradig verwirrt ist, Dinge verliert und vergisst und generell nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.

DK: Du hast jetzt einfach das sch- von schusselig weggenommen. So geht das nicht. Usselig beschreibt einen Zustand oder eine Empfindung.

ÖK: Deine Tipps sind aber auch nur mittelgut. Ist usselig vor Nervosität zittern?

DK: Sorry, ich kann ja nicht alles verraten. Usselig bedeutet so viel wie ungemütlich. Also würdest du Dinge wie „Nä, wat is dat usselig draußen“ oder „Ich habbet usselig“ sagen, wenn et dir im Nacken zieht und der Schorsch mal die Heizung wat mehr aufdrehen soll.

Tünnes/Tünnemännchen

ÖK: Ein Tünnemännchen ist der Held einer rheinischen Sage, das heimlich kommt und Dinge auf- oder wegräumt. Das Tünnemännchen wird heute noch erwähnt, wenn zum Beispiel ein Kind sein Zimmer plötzlich aufgeräumt wiederfindet und Mama/Papa dann tadelt: Tja, Karl-Heinz, jetzt hast du dem Tünnemännchen wieder einen Haufen Arbeit hinterlassen.

DK: Du meinst die Heinzelmännchen oder Mainzelmännchen oder wie sie auch heißen. Aber Mama wird dich bestimmt hin und wieder mal Tünnes nennen.

ÖK: Teufel?

DK: Tünnes kommt von Anton(ius) und ist mit Schäl eine bekannte Figur aus dem Kölner Puppentheater. Er ist ein bisschen, sagen wir mal, einfacher gestrickt. Im Alltag verwendet man Tünnes oder Tünnemännchen also liebevoll-verärgert, wenn sich jemand blöd anstellt: Du Tünnes, wir hätten eben schon abbiegen müssen!

Plumeau  

ÖK: Das klingt wie ein sehr elitärer Pflaumenschnaps, den sich nur äußerst reiche Menschen leisten können. Er ist quasi der Champagner unter den Schnäpsen.

DK: Mit guter Qualität hat das Plumeau schon etwas zu tun. Dafür weniger mit Alkohol. Ich muss auch ehrlich sagen, dass die Duden-Schreibweise zum edlen Klang beiträgt. Ausgesprochen wird es aber eher Plümmo und es ist besonders gut zu gebrauchen in kalten Winternächten.

ÖK: Ah, flauschige Daunenhandschuhe, klar.

DK: Oh, die will ich haben. Nee, Plumeau ist eine dicke Federbettdecke. Und an dieser umständlichen Übersetzung kann man auch direkt erkennen, wie unfassbar nützlich das Wort Plumeau ist: so schön kurz, ohne große Beschreibung.

Schnucken

ÖK: Jemanden zu schnucken bedeutet, jemanden liebevoll zu ärgern ohne böse Absichten. Kinder schnucken gerne ihre Freund*innen, weil sie heimlich in sie verliebt sind.

DK: Wie süß! Mit Süßem hat das Wort tatsächlich zu tun. Aber es wär ganz schrecklich, wenn du jemanden schnucken würdest.

ÖK: Jemanden mit etwas Süßem bespucken

DK: Bah, du Rüpel. Nee, wenn du was zu schnucken holst, kramst du Süßigkeiten raus. Man könnte auch naschen sagen, aber das wär ja langweilig.

Schlabbern

ÖK: Jemand schlabbert, wenn er keinen Bock hat, sich kleidungstechnisch Mühe zu geben. Dreckige Jeans oder Jogginghose, Kapuzenpulli mit den Fettflecken von gestern, heute schlabber ich richtig

DK: Du beschreibst gerade den Schlabber-Look und das ist auf jeden Fall nicht falsch. Beim Verb geht es aber um etwas anderes. Ich gebe dir mal einen richtig guten Tipp: Man schlabbert vor allem beim Genießen von Flüssigspeisen.

ÖK: Ich würde patzen sagen, also beim Essen kleckern.

DK: Sehr richtig. Ich war sehr schockiert, als ich erfahren musste, dass schlabbern kein allgemein bekannter Begriff ist. Herausgefunden habe ich es, als ich für meine Nichte ein Schlabberlätzchen kaufen wollte und die Suche keine Treffer hatte. Schockierend!

Knotte

ÖK: Knotte ist eine richtig derbe Beschimpfung für eine eklig betrunkene Person, die sich nicht mehr unter Kontrolle hat, wild grölend, schwankend und andere belästigend.

DK: Mit Beschimpfung liegst du ganz richtig. Mit der Beschreibung nicht ganz. Es ist auf jeden Fall abwertend. Die Hempels zum Beispiel würde man als Knotten bezeichnen.

ÖK: Wenn ich wüsste, was Hempels sind … Prolet*innen?

DK: Ja, genau. Asi, Prolet*in, so was. Nicht sehr nett. Wer jemanden so beschimpft, ist selbst sehr knottig, würde ich sagen.

Büdchen

ÖK: Das ist die bergische Form des Berliner Spätis. In einem Büdchen gibt es Alkohol, Zigaretten und Chips, manchmal auf frische Bratwurst und im seltenen Fall Leberkäse.

DK: Goldrichtig mit der Bedeutung, aber Leberkäse gibt es dort ganz sicher nicht. Dafür aber eine*n charismatische Verkäufer*in und Kölsch. So sehr ich Spätis mag, das Büdchen gewinnt als sehr viel niedlicherer Ausdruck für dieselbe Bedeutung. Sorry, Berlin.

Klößchen

ÖK: Ihr mögt die -chens am Ende, oder? Das ist der Stoffbommel auf manchen Wintermützen.

DK: Nein, Kollegchen. Ganz falsch. Es ist eher sehr spitz. Nach einem Klößchen fragst du, wenn du mit deinen Händen nicht mehr weiterkommst, um mal kryptisch zu bleiben.

ÖK: Aha! Eine Art Werkzeug. Eine Nadel, Gabel, Zange oder Stange?

DK: Werkzeug stimmt schon mal. Gabel geht auch in die richtige Richtung. Klößchen ist das kleine, scharfe Messer, mit dem man zum Beispiel die Tomaten schneidet.


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