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Die älteste Flugbegleiterin der Welt wird 82 Jahre alt

Seit sechs Jahrzehnten betreut Bette Nash Passagier*innen auf Flugreisen. Zu Beginn ihrer Karriere gab es noch Hummer auf Porzellantellern, und ein Ticket kostete zwölf US-Dollar.

Theodor Heuss von der FDP ist Bundespräsident in Deutschland, in Österreich startet die regelmäßige Fernsehausstrahlung und mit dem Sputnik-Satelliten beginnt das Zeitalter der Raumfahrt. Wir schreiben das Jahr 1957 und den Beginn der Karriere von Bette Nash.

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Vor sechs Jahrzehnten, mit 21 Jahren, begann Nash, als Flugbegleiterin zu arbeiten – und tut es immer noch. Sie ist wahrscheinlich die älteste Flugbegleiterin der Welt und liebt ihren Job noch genauso wie an ihrem ersten Arbeitstag im Jahr 1957, damals bei der heute nicht mehr bestehenden Eastern Airlines. Am Silvestertag feiert Nash ihren 82. Geburtstag.

Screenshot: CNN/Youtube

Heute fliegt sie die Route Washington-Boston und zurück mit der Linie American Airlines. „Die erfahrene Veteranin ist immer der Star des American-Airlines-Fluges 2160“, sagt der Pilot Mike Margiotta zur New York Post. „Sie ist sehr professionell, sie arbeitet noch nach der alten Schule.“

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Nash lebt in Virginia, nahe der Grenze zu Washington, D.C. Ihr Tag beginnt nachts um 2.10 Uhr. „Ich habe zwei Wecker, und wenn sie läuten, stehe ich sofort auf“, sagt Nash. Der frühe Start in den Arbeitstag erlaubt ihr, rechtzeitig zum Abendessen wieder zu Hause zu sein. Die alleinerziehende Mutter lebt mit ihrem Sohn zusammen, der eine Trisomie 21 aufweist.

Von Hummern und Hotpants

Auf ihren Flügen trägt Nash ein dunkles Kostüm mit einem bunten Schal, einen schwarzen, knielangen Rock mit schwarzen Strumpfhosen, die Haare zu einem Knoten zurückgebunden. So war das nicht immer. Sie erinnert sich, wie sich die Uniformen der Flugbegleiter*innen über die Jahre verändert haben. Sie gingen von sehr konservativ über elegant bis hin zu „wild“. „Als Präsident John F. Kennedy das Amt übernahm, wurde alles lockerer. Also trugen wir verrückte Uniformen. Über einen kurzen Zeitraum trugen wir sogar Hotpants und solche Stiefel“, sagt sie.

Genauso wie die Uniformen veränderten sich auch das Essen und die Preise. Flugtickets bekam man früher schon für zwölf US-Dollar, das sind umgerechnet zehn Euro. Passagier*innen konnten ein Sandwich für 50 US-Cent und Milch für 15 US-Cent kaufen. First-Class-Passagier*innen aßen noch Hummer oder Ente à l’orange von Porzellantellern und benutzten Tafelsilber. Die Flugbegleiter*innen schnitten das Fleisch persönlich.

Von JFK und Selfies

Nash erinnert sich an viele außergewöhnliche Erlebnisse in ihrer Karriere. Da gab es zum Beispiel diesen einen Flug von Washington nach Miami mit neun Zwischenstopps. Oder das eine Mal, als die Turbulenzen so heftig waren, dass sich die Toilette vom Flugzeugboden löste. Oder als sie mit Jacqueline und John F. Kennedy, Jr. flog.

Heute kennt jede*r in der Branche ihren Namen. Ist Nash auf dem Weg zu ihrem Abfluggate, wird sie nicht selten von jüngeren Flugbegleiter*innen aufgehalten und um Autogramme und Fotos gebeten. Ihre Arbeitskolleg*innen halten oft sogar extra Stifte dafür bereit.

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US-amerikanische Pilot*innen sind dazu verpflichtet, im Alter von 65 Jahren in Rente zu gehen. Da es diese Verbindlichkeit für Flugbegleiter*innen nicht gibt, fliegt Nash weiter. Fragt man sie nach ihrer Pensionierung, antwortet sie: „Darüber möchte ich nicht nachdenken. Aber bis 90 werde ich bestimmt nicht arbeiten.“ Ihr siebtes Jahrzehnt als Flugbegleiterin beginnt zumindest nächste Woche.

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