Die Berliner SPD möchte mehr feministische Pornos

Die Berliner SPD findet, dass Jugendliche viel zu häufig ein verzerrtes Bild von Sex haben. Um dem entgegenzuwirken, will die Partei feministische Pornos künftig finanziell fördern.

SPD feministischer Porno

Erika Lust ist eine der bekanntesten Regisseurinnen der feministischen Pornoszene. Screenshot: YouTube/Erika Lust

Pornos sind heutzutage für Internetnutzende nur einen Klick entfernt. Gratis Mainstreampornos sind allzeit verfügbar – auch für Jugendliche, bei denen die Filme dazu beitragen, ein Bild davon zu formen, wie Sex auszusehen hat. Das Problem dabei: Mainstreampornos haben oft wenig damit zu tun, wie Sex tatsächlich aussieht. Viele Filme reproduzieren sexistische und rassistische Stereotype. Sie setzen eine bestimmte Körperform als Norm. Und auch sexueller Konsens spielt oft keine Rolle.

Die Berliner SPD beschloss auf ihrem Landesparteitag am Wochenende, Alternativen zum Mainstreamporno zu fördern: den feministischen Porno. Die SPD versteht unter einem feministischen Porno nicht nur die „Darstellung von Vielfalt an Körperformen, Geschlechtern, ethnischer Herkunft, Sexualität und Sexualpraktiken“. Auch die Arbeitsbedingungen müssten fair sein, die Vielfalt der Gesellschaft sollte auch bei den beteiligten Regisseur*innen und Produzent*innen abgebildet werden, Lust sollte realistisch dargestellt werden und Konsens und Kommunikation explizit dargestellt werden.

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Die SPD versteht die Filmförderung als Bildungsarbeit. Jugendliche hätten viel zu oft völlig unrealistische Vorstellungen von Sexualität und “nicht die Möglichkeit ein selbstbewusstes Verhältnis zu sich, ihrem Körper, ihrer Sexualität und Gesundheit zu entwickeln”, liest man in dem Antrag, den die Jusos eingereicht hatten. Feministische Pornos sollten den Sexualkundeunterricht ergänzen. An Schulen solle auf die Verfügbarkeit feministischer Pornos verwiesen werden.

„Da vor allem im Internet kostenlose Pornografie konsumiert wird“, so die SPD, „muss auch feministischer Porno gebührenfrei, dauerhaft und niedrigschwellig verfügbar sein.“ Aus diesem Grund soll es auch keine Altersbeschränkung für die Filme geben. Wären feministische Pornos für Minderjährige verboten, müsse man damit rechnen, dass ein Großteil der minderjährigen Interessent*innen weiterhin ausschließlich auf das leicht verfügbare, aber teils sexistische Material im Internet zurückgreife, so die SPD. Inspiriert ist der Antrag der Sozialdemokrat*innen von der schwedischen Filmförderung. In Schweden wurde 2009 mit staatlichen Fördergeldern eine feministische Pornoreihe unter dem Titel Dirty Diaries produziert.

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Kritik kommt von der CDU. Laut dem Tagesspiegel hält Katrin Vogel, Gleichstellungsbeauftragte der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, die Politisierung des Themas für unangebracht. Ihrer Meinung nach gehörten Pornos einfach nicht in die öffentlich-rechtlichen Medien, und auch die Bürger*innen seien sicher nicht bereit, durch die Rundfunkgebühren indirekt die Pornoindustrie zu unterstützen.

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