Die Bilderreihe „About Meat“ zeigt, wie absurd unser Verhältnis zu Fleisch ist

Mit einigen Tieren wird gekuschelt, andere landen auf dem Teller und werden gegessen. Die Berliner Illustratorin Caroletta macht mit ihrer Bilderreihe About Meat deutlich, wie absurd das ist. Ein Interview

Caroletta hat schon seit über 30 Jahren kein Fleisch mehr gegessen. Sie ist Malerin, Illustratorin und Bloggerin in Berlin und lebt vegetarisch. Öffnet man die Website ihres Projekts About Meat, läuft am Rand eine Art Liveticker mit: Zahlen steigen rasend in die Höhe. Was harmlos und trocken aussieht, hat einen erschreckenden Hintergrund: Jede Zahl steht für ein Tier, das weltweit für die Lebensmittelindustrie sterben musste – und zwar seitdem man auf der Website ist. Mit ihrer Bilderreihe About Meat möchte sie zeigen, wie befremdlich unser Fleischkonsum eigentlich ist.

About Meat
Die Illustratorin bei der Arbeit © Caroletta

ze.tt: Kannst du dich an das letzte Mal erinnern, als du Fleisch gegessen hast?

Caroletta: Das letzte Mal Fleisch essen musste ich im Kindergarten. Es gab Leber zum Mittag. Als mich meine Mutter an diesem Nachmittag abholte und wir gemeinsam nach Hause liefen, fragte sie mich auf halber Strecke, was ich da im Mund hätte. Ich hatte das halbe Mittagessen über Stunden wie ein Hamster in meinen Backen aufbewahrt, weil ich mich so ekelte, es runterzuschlucken und mich gleichzeitig nicht getraut hatte, es auszuspucken. Meine Mutter hat dann im Kindergarten und später in der Schule Bescheid gesagt, dass ich kein Fleisch essen muss, wenn ich nicht möchte. Und ich mochte nie wieder.

Es hat mir nicht wirklich etwas ausgemacht, Fleisch zu malen. Ich musste es ja nicht essen.“ – Caroletta

Du bist seit 30 Jahren Vegetarierin. In deiner Bilderreihe About Meat sind zahlreiche Fleischstücke präsent. Wie hat es sich angefühlt, das zu malen?

Es hat mir nicht wirklich etwas ausgemacht, Fleisch zu malen. Ich musste es ja nicht essen. Um mich dem Thema gestalterisch zu nähern, habe ich mir Fleischwerbung in den Prospekten der einschlägigen Discounter angesehen. Die Bilder waren viel leichter zu ertragen als die Preise, die daneben standen. Das Kilo Tomaten war teilweise teurer als das Kilo Schweinefleisch.

[Außerdem bei ze.tt: Würdest du weiter Fleisch essen, wenn Tiere sprechen könnten?]

Was möchtest du mit deinen Zeichnungen bei den Betrachter*innen auslösen?

Ich möchte die Leute dazu anregen, mehr über das Thema Fleisch und den eigenen Fleischkonsum nachzudenken. Der Hase, der in zwei Teilen über eine Wiese hüpft, zum Beispiel, der ziert meine Handtasche. Einmal stand ich damit beim Bäcker in der Schlange, und hinter mir versuchte eine Mutter, ihrem Kind verzweifelt zu erklären, warum der Hase tot ist. Sie fand die Tasche „einfach ganz furchtbar“. Wenig später klingelte ihr Telefon. Es war ihr Mann. Nach kurzem Hin und Her, sagte sie zu ihm, sie kämen gleich nach Hause, sie müssten nur noch kurz beim Fleischer die Rouladen abholen. Das fand ich schon sehr schräg. Da bricht sie sich fast einen ab beim Versuch, ihrem Kind den zweigeteilten Hasen auf meiner Tasche zu erklären, und im nächsten Moment redet sie über tote Tiere auf ihrem Teller.

Wieso hast du florale Elemente in deine Bilder integriert?

Die floralen Elemente bilden den Rahmen für die eigentlichen Motive. Außerdem dienen sie als Gegengewicht zum Fleisch. Ein stilvolles Bouquet macht sich gut neben einem zerhackten Schwein.

Wie sprichst du selbst mit deinen Kindern über Fleisch?

Meine Kinder wissen, dass für Fleisch Tiere sterben müssen. Sie kennen die Theorie. Das hält sie allerdings nicht davon ab, in einen Hotdog zu beißen, wenn ihnen jemand einen hinhält. Sie wollen eigentlich keine Tiere essen, können die Verbindung zwischen dem toten Tier und der leckeren Wurst aber nicht herstellen. Ich persönlich fände es gut, wenn alle Kinder frühzeitig mal eine richtige Schlachtung sehen, riechen und auch hören würden. Das ist eine Erfahrung, die heute kaum noch jemand macht. Auch die meisten Erwachsenen haben keine Ahnung, was da eigentlich passiert. Niemand mag ein Tier leiden oder sterben sehen. Da wenden alle den Blick ab. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass vielen der nächste Burger im Halse stecken bleiben würde, wenn sie wüssten, was beziehungsweise wer da eigentlich drin steckt.

Mehr von Caroletta findet ihr auf ihrem Blog und auf der Website von About Meat.