Die cleversten Antworten auf fünf typische Fragen im Vorstellungsgespräch

Geschafft! Eingeladen. Und jetzt? Auf diese typischen Fragen im Vorstellungsgespräch solltest du dich vorbereiten – eine Karriereberaterin und eine Personalexpertin erklären, wie’s geht.

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Sei du selbst und gut vorbereitet – dann machst du beim Job-Interview einen guten Eindruck. Foto: Christina Morillo / Unsplash | CC0

Hemd oder Bluse sind gebügelt, die Hose ist frei von Flecken und Tierhaaren, die Frisur sitzt – so kann es eigentlich losgehen mit dem Bewerbungsgespräch. Oder dem Job-Interview, wie man im englischsprachigen Raum und in pseudohippen Start-ups sagt. Doch im Vorstellungsgespräch geht es natürlich nicht (nur) um saubere Fingernägel, sondern ums Kennenlernen und um Kompetenz. Deshalb ist Vorbereitung entscheidend.

Oft ähneln sich Vorstellungsgespräche, in denen sich Bewerber*innen und Unternehmen besser kennenlernen sollen, gewisse Fragen werden in Variationen immer wieder gestellt. Und auch, wenn du dich nicht zu 100 Prozent auf jede Eventualität einstellen kannst und das nicht Ziel des Spiels ist, kannst du dir ein gewisses Gerüst zulegen, das dir in Stresssituationen (und nichts anderes sind Bewerbungsgespräche) ein bisschen Halt gibt und dich vor Fettnäpfchen, Flapsigkeit und Fauxpas bewahrt.

Eine Karriereberaterin und eine Personalexpertin verraten kluge Antworten auf die typischsten Fragen im Vorstellungsgespräch.

Mach deine Hausaufgaben

„Beim Vorstellungsgespräch geht es darum, sich als Person mit seinen Kompetenzen, Erfahrungen, Erfolgen und der Persönlichkeitsstruktur gut in Szene zu setzen und zu zeigen, wo man bei dem betreffenden Unternehmen und auf der Position bestmöglich andocken würde“, sagt die Ex-Vorständin und Personalexpertin Wiebke Köhler.

Damit du das auch möglichst elegant und gelassen hinbekommst, rät die Karriereberaterin Katrin Seifarth dazu, quasi Hausaufgaben zu machen. Und zwar gründlich. „Als Bewerber*in sollte man unbedingt vor dem Gespräch noch einmal die Stellenbeschreibung und die Unternehmensleitlinien oder Unternehmenswerte nachlesen und im eigenen Leben nach Beispielen kramen, wo diese geforderten Kriterien oder Werte bereits erfolgreich erfüllt wurden.“ Idealerweise belegbar und praktisch. Das sind Aspekte, die nicht unbedingt in Anschreiben oder Lebenslauf stehen und falls doch, dann werden sie zumeist eher angerissen. Je mehr passende Beispiele du im Kopf hast, desto besser.

Im ersten Schritt der Vorbereitung ist es also wichtig, ganz genau zu verstehen, wer du bist, wie du tickst und was du kannst – und das dann in den Kontext des angepeilten Jobs und dazugehörigen Unternehmens zu setzen. Das kann ein bisschen dauern, aber es lohnt sich. Na, dann mal zu den Fragen!

Frage 1: „Wie würden Sie Ihren Lebenslauf kurz zusammenfassen?“

Auch bekannt als „Stellen Sie sich bitte kurz mit Ihrem Werdegang vor“. Die Frage wird oft gestellt und ist super, weil du damit deinem Gegenüber kurz ins Gedächtnis rufen (oder weiteren Anwesenden klarmachen) kannst, warum er*sie dich überhaupt eingeladen hat.

Ein flotter Überblick reicht, sagt Karriereberaterin Katrin Seifarth: „Welche Stationen im Lebenslauf sind für die Position besonders relevant? Die sollte man hervorheben. Andere Etappen in einem Satz zusammenfassen, zum Beispiel: ‚Nach meinem Studium habe ich zunächst drei Jahre im Unternehmen X gearbeitet und war dort für die Entwicklung von Social-Media-Maßnahmen verantwortlich.'“

Also anstelle eines dreißigminütigen Monologs, an dessen Ende alle leicht betäubt ins Leere starren, lieber dein Arbeitsleben in Stichpunkten zusammenfassen – aber sinnvoll und nicht rein chronologisch. „Es muss der rote Faden erkennbar werden, was hat warum von einer Position zur anderen geführt“, sagt Wiebke Köhler. „Es geht darum, die großen Leitlinien vorzustellen – zum Beispiel die verschiedenen Branchen, die verschiedenen funktionalen Bereiche wie Marketing, Vertrieb, Finanzen.“

Frage 2: „Was hat Sie motiviert, sich für diese Stelle zu bewerben?“

Oder auch: „Warum interessieren Sie sich für unser Unternehmen?“ Hier kannst du im übertragenen Sinne dein sorgsam vorbereitetes Hausaufgabenheft aufblättern und dir einen Bienchenstempel abholen. Deshalb auf gar keinen Fall irgendeine Standardantwort hervorkramen, die auf jedes Unternehmen passt. Dann klingst du nämlich wie alle anderen.

Stattdessen: Zeigen, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast. Wenn du zum Beispiel im Kopf hast, welche Strategie das Unternehmen verfolgt, welche Produkte eingeführt wurden, was für Projekte derzeit laufen oder welche Werte intern hoch im Kurs stehen, kannst du als Antwort auf diese Frage zeigen, warum ausgerechnet du ausgerechnet dieses Unternehmen mit deiner Großartigkeit beglücken kannst. Oder wie Personalexpertin Köhler sagt: „Daran lässt sich erläutern, was an dem Unternehmen begeistert und warum man genau dazu passt.“ Hier reichen wenige, aber passgenaue Punkte.

Von Unternehmensseite aus betrachtet zeigt deine Antwort, dass du passt und dir Mühe gibst. „So ist ein Geben und Nehmen gewährleistet“, erklärt Karriereberaterin Seifarth und gibt ein konkretes Beispiel für eine potenzielle Antwort: „‚Social Media ist mein Herzensthema, ich beschäftige mich vor allem mit Instagram-Marketing – ein Feld, in dem Sie sicher noch Potenzial haben. Gleichzeitig haben Sie Ihre Social-Media-Aktivitäten gut mit der klassischen Werbung verzahnt – ein Feld, in dem ich gern dazulernen möchte.'“

Kleiner Tipp: Falls dir in der Vorbereitung der Fragen im Vorstellungsgespräch allerdings absolut nichts ein- oder auffällt, ist das Unternehmen möglicherweise gar nichts für dich. Tja, das kann passieren.

Frage 3: „Warum sind Sie besonders für diese Stelle geeignet?“

Klingt alternativ auch so: „Was qualifiziert Sie für diese Position?“ Diese Frage ist eine ideale Gelegenheit, um deine serienmäßig eingebauten Extras hervorzuheben. Und zwar vor allem in Hinblick auf drei Aspekte: Was du drauf hast, dass du reinpasst und dass du besser bist als alle anderen Bewerber*innen.

Idealerweise kannst du hier deine Kompetenzen anpreisen. Und zwar die, die zum Stellenprofil passen. Gut mit Menschen können ist bei Sozialarbeiter*innen entscheidend, bei Finanzbuchhalter*innen eher nicht. Zeig, was du kannst. „Selbstbewusst sein, aber nicht eingebildet oder arrogant wirken“, empfiehlt Wiebke Köhler.

Wenn du schlau und gut vorbereitet bist, hast du auch eine Ahnung davon, wo es bei dem Unternehmen aktuell haken könnte und kannst dich als Lösung präsentieren. Wenn du dich bei einer Firma bewirbst, die eine grottige Website hat, können Erfahrungen in Webdesign zum Beispiel ein echter Vorteil sein.

Grundsätzlich ist es eine prima Orientierungshilfe, hier die Knackpunkte aus der Stellenbeschreibung aufzugreifen, meint Katrin Seifarth: „Gern auch ein bis zwei Beispiele nennen, wo diese Kompetenzen unter Beweis gestellt wurden.“

Als Antwort auf diese Frage aber nicht nur deine Fähigkeiten hervorheben, sondern laut Karriereberaterin unbedingt auch einen kulturellen Aspekt erwähnen, der zeigt, dass dein Wertesystem und das deiner*s potenziellen Arbeitgeber*in übereinstimmen.

Frage 4: „Was sind Ihre Schwächen?“

Obacht! Wer jetzt „Perfektionismus“ oder „Ungeduld“ sagt, tut sich damit keinen Gefallen. „Das ist ein absolutes No-Go“, meint auch Personalexpertin Wiebke Köhler. Im Grunde geht es bei dieser Frage darum, herauszufinden, wie ehrlich und reflektiert du bist. Doch da ist Fingerspitzengefühl gefragt. Denn wenn du im Vorstellungsgespräch sagst „Ich kann einfach keine Deadlines einhalten und ich hasse Menschen“, ist das bestimmt ehrlich, aber auch arg unklug.

Cleverer ist es laut Wiebke Köhler, eine Kleinigkeit aus einem vorherigen Feedback- beziehungsweise Personalgespräch oder Entwicklungsdialog zu erwähnen – zum Beispiel, dass du dein Team manchmal überforderst oder dass du noch lernen musst, dich besser zu vernetzen. „Das sind alles Dinge, die man mit gutem Willen beheben kann“, so die Personalexpertin. Alternativ kannst du auch fachliche Defizite erwähnen, wie „Ich muss mich noch mit TikTok / Bilanzbuchhaltung vertraut machen“.

Wer tatsächlich der felsenfesten Überzeugung ist, perfektionistisch zu sein und das trotz allem unbedingt ansprechen möchte, kann versuchen, es zu umschreiben: „Ich halte mich manchmal zu sehr mit Details auf“ – sollte dann aber auch einen möglichen Lösungsansatz hinterherschieben, beispielsweise: „Deshalb teile ich mir meine Aufgaben jetzt klarer ein und organisiere mich besser.“

Grundsätzlich unbedingt eher kurz auf diese Frage im Vorstellungsgespräch antworten – niemand will dir eine halbe Stunde lang dabei zuhören, wie du dich gnadenlos selbst kritisierst.

Frage 5: „Was waren Ihre größten Erfolge?“

Hierzu zählen zwei Aspekte: das Persönliche und das Berufliche. Ersteres kann wichtig sein, wenn es eine große Sache war, die einen integralen Teil deiner Persönlichkeit und deines Charakters ausmacht und zeigt – zum Beispiel – „Ich habe eine schwere Krankheit überstanden und bin anschließend auf eine Weltreise gegangen, die meinen Horizont erheblich erweitert hat“ oder „Ich habe meine Großeltern bis zu ihrem Tod gepflegt“.

Wichtiger ist jedoch das Berufliche. Die Antwort kann in Teilen der auf Frage drei ähneln, aber du solltest im Bewerbungsgespräch hemmungslos jede Gelegenheit nutzen, um auf durchaus bescheidene Weise deine Großartigkeit zu betonen.

Konkret heißt das: „Mit den letzten, aktuellen Jobs beginnen und aufzeigen, was man dort Herausragendes geleistet hat und wie das zu der Position passt, auf die man sich bewirbt“, erklärt Personalexpertin Wiebke Köhler. „Darauf achten, dass es die eigenen Leistungen waren – also von ‚Ich habe … erreicht‘, nicht ‚Wir haben …‘ sprechen.“ Dabei sollten die Erfahrungen, die du herausgreifst, zu der konkreten Position und den geforderten Eigenschaften passen.

Das sind die Don’ts

Die richtigen Antworten auf typische Fragen im Vorstellungsgespräch parat zu haben, ist das Eine, die falschen Dinge nicht zu sagen, das Andere.

„Nicht ungefragt von Gehaltsvorstellungen sprechen, nicht schlecht vom vorherigen Arbeitgeber oder früheren Vorgesetzten sprechen und nicht zu sehr von Freizeitaktivitäten sprechen“, rät Wiebke Köhler.

Weitere Antworten, die du dir verkneifen solltest: „Ich weiß nicht“, „Ich kann das nicht“ und „Ich habe das noch nie gemacht“. All das ist laut Karriereberaterin Katrin Seifarth tabu. „Stattdessen lieber sagen: ‚Ich weiß es nicht genau, aber ich könnte mir vorstellen, dass …‘ Unbedingt einen Lösungsversuch machen, zum Beispiel ‚Das habe ich konkret noch nicht gemacht, aber ich habe etwas Vergleichbares umgesetzt …‘ Hier ist es wichtig, den Fokus nicht unnötig lange auf Defiziten oder Lücken zu lassen“, so die Karriereberaterin.

Auf diese Fragen im Vorstellungsgespräch musst du nicht antworten

Bei aller Selbstverkaufe gibt es durchaus Fragen im Vorstellungsgespräch, auf die du nicht antworten musst. „Alle Fragen, die ins Persönliche gehen oder schlichtweg für die Stelle nicht relevant erscheinen – das heißt Fragen zur sexuellen Orientierung, Familiensituation und so weiter“, sagt Katrin Seifarth.

Hier kannst du mit Gegenfragen kontern: „Mir ist der Hintergrund Ihrer Frage nicht ganz klar. Könnten Sie mir den kurz erklären?“ oder etwas direkter: „Inwieweit ist diese Auskunft für die Stelle relevant?“ Das genügt oft schon, damit der*die Interviewer*in zur nächsten Frage übergeht. „Abraten würde ich von zickigen Antworten wie ‚Das geht Sie nichts an'“, meint Katrin Seifarth. So verständlich eine entsprechende Reaktion auch sein mag.

„Tabu sind Fragen, die rechtlich nicht erlaubt sind, zum Beispiel, ob man schwanger ist“, sagt Personalexpertin Wiebke Köhler. „Genau das würde ich auch antworten ‚Diese Frage ist in einem Bewerbungsgespräch nicht zulässig.'“

Du kannst natürlich trotzdem antworten, wenn du dich damit okay fühlst und das Thema für dich nicht heikel ist. Aber: Du musst nicht.

Sei du selbst

Gute Vorbereitung ist also alles. Deine Antworten auf diese typischen Fragen im Vorstellungsgespräch solltest du laut Wiebke Köhler proben, gegebenenfalls mit Stoppuhr. Aber auch eigene Fragen vorzubereiten, ist wichtig. Und die werden besser und treffsicherer, je mehr du über das Unternehmen weißt.

Letztlich geht es im Bewerbungsgespräch nicht nur darum, dass das Unternehmen dich prüfen und kennenlernen kann – es geht auch darum, dass du deinerseits das Unternehmen kennenlernst. Willst du wirklich jeden Tag mit Menschen zusammenarbeiten, die dich absichtlich stressen, um zu gucken, wie du unter Druck reagierst? Eben.

So abgedroschen es auch klingen mag: Am besten fährst du, wenn du nicht nur gut vorbereitet, sondern bei deinen Antworten auf die Fragen im Vorstellungsgespräch authentisch bist – und nicht versuchst, jemand zu sein, der*die du nicht bist. Das geht auf Dauer selten gut.