Die Gewalttaten gegen homo- und transsexuelle Menschen nehmen zu

Im Jahr 2018 wurden deutschlandweit über 300 homo- und transfeindliche Straftaten begangen. Die Grünen fordern einen Aktionsplan, um gegen die Hassverbrechen an LGBTI vorzugehen.

Christopher Street Day 2018 in Berlin. Foto: Elif Kücük

313 Mal wurde in Deutschland im Jahr 2018 eine politisch motivierte Straftat gemeldet, die von den Behörden unter „Sexuelle Orientierung / Hasskriminalität“ eingeordnet wurde. Darunter werden alle Straftaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Intersexuelle und Transpersonen gefasst. 91 dieser Straftaten waren Gewalttaten. Dazu zählen beispielsweise gefährliche und schwere Körperverletzungen.

Diese Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Ulle Schauws (Bündnis 90/Die Grünen) hervor. Damit bleibt zwar die Anzahl der Straftaten insgesamt unverändert, jedoch stieg im Vergleich zu 2017 die Anzahl der Gewalttaten von 74 auf 91. Jede dieser Straftaten sei eine zu viel, sagt Schauws. Jede mache sie fassungslos und wütend. 167 Tatverdächtige wurden bisher ermittelt.

Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein

Das Innenministerium verwies darauf, dass die Daten möglicherweise noch nicht vollständig seien, weil es Nachmeldungen geben könne. Die Angaben seien allerdings ohnehin nur bedingt aussagekräftig, zitiert der Tagesspiegel die Bundestagsabgeordnete Schauws. Sie geht von einer „extrem hohen“ Dunkelziffer aus. Viele Betroffene würden die Vorfälle gar nicht zur Anzeige bringen. Zudem gebe es auch zwischen den Bundesländern große Unterschiede bei der Erfassung. So sei Berlin laut Schauws das einzige Land, das überhaupt Daten zu homo- und transfeindlichen Straftaten in seiner Kriminalitätsstatistik explizit veröffentlicht.

Mit eigens eingerichteten Staatsanwaltschaften gilt Berlin als Vorreiter bei der Prävention und Bekämpfung von homo- und transfeindlichen Straftaten. Zudem gibt es eine Ansprechpartnerin für die Betroffenen derartiger Verbrechen.

Die Grünen fordern einen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie

Schauws und die Grünen sehen die Bundesregierung in der Pflicht und fordern einen Aktionsplan, um gegen homo- und transfeindliche Hassverbrechen vorzugehen. Auch Polizist*innen müssten geschult werden, um derartige Straftaten als solche zu erkennen und die Betroffenen mit der nötigen Sensibilität zu betreuen.


Wenn du selbst Betroffene*r einer homo- oder transfeindlichen Straftat geworden bist, kannst du dich in Berlin an die beiden Ansprechpersonen Anne Grießbach-Baerns und Sebastian Stipp unter 030 4664-979444 oder lsbti@polizei.berlin.de wenden. Weitere Andressen und Kontaktmöglichkeiten findest du hier.