Die Joyn-Serie „Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers“ holt dich aus deiner Sinnkrise

Ein Uber-Fahrer in der Lebenskrise löst die Probleme seiner Fahrgäste: Die Joyn-Serie Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers ist ideal für alle, die sich von ihrem Ballast ablenken wollen. Eine Kritik

Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers
Ben (Kostja Ullmann) fährt Labradoodle Hendrik, der auf Grönemeyer beim Autofahren steht. Foto: © Joyn / Manju Sawhney

Ben (Kostja Ullmann) sucht mit Mitte dreißig noch nach seinem Platz im Leben. Um herauszufinden, wohin seine Reise gehen soll und fürs Geld fährt er für Uber durch die Straßen Hamburgs. Vom schicken Eppendorf über den Szenebezirk Schanze in den Hamburger Hafen bis ins Villenviertel Blankenese. So unterschiedlich wie die Orte, die Ben abfährt, sind auch die Probleme seiner Fahrgäste, in die er verwickelt wird.

Mohammed (Edin Hasanović) kommt gerade von seinem ersten Vorstellungsgespräch, und Ben muss kurzerhand die Referenzperson am Telefon mimen. Julia (Susanne Wolff) ist Kauffrau für Tourismus, Mutter zweier Kinder, hat in ihren Zwanzigern mal mit einem traurigen Clown geschlafen und sinniert vor Ben über ihr Leben. Und dann ist da noch Hendrik, ein weißer Labradoodle: Ben soll ihn von einem Frauchen zum Nächsten transportieren, denn das Paar lebt in Trennung, und der Labradoodle winselt permanent, außer wenn Grönemeyers Flugzeuge im Bauch spielt.

Die Joyn-Produktion Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers wirft Ben in jeder der sechs Episoden in eine neue Problemsituation. Das größte Problem hat Ben aber eigentlich selbst. Er wird Vater, mehr als ein One-Night-Stand verbindet ihn mit der Mutter seines Kindes allerdings nicht. Das möchte Ben schon des Babys wegen ändern, stößt aber bei Nadja (Claudia Eisinger) nicht wirklich auf Interesse.

Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers: Kammerspiel ähnlich dem Tatortreiniger

Die Serie basiert auf den Erfahrungen des Australiers Ben Phillips, der früher selbst Uber-Fahrer war. Seine Berichte gab’s zunächst auf dem Blog und anschließend in dem Buchbestseller Diary of an Uber Driver. Er schreibt: „Ich sah die Menschen von ihrer besten und schwächsten Seite und erlebte vor allem ganz außergewöhnliche Charaktere, die eine große Metropole ausmachen.“ Vergangenes Jahr lief eine Serienadaption von Phillips‘ Geschichten beim australischen Fernsehsender ABC.

Was im Original in Sydney spielt, funktioniert auch in Hamburg: Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers schafft liebevolle Porträts einzelner Menschen, deren Leben sich in einer Großstadt nur marginal berühren. Durch Ben als zentrale Figur und die kammerspielartige Inszenierung auf engem Raum erinnert die Serie ein wenig an den Tatortreiniger, wenngleich die Dialoge nicht ganz so pointiert sind. Auch ist Ben nicht schlagfertig genug, um mit der Kultfigur Schotty (verkörpert von Bjarne Mädel) mithalten zu können.

Seine stoische Gutmütigkeit, die Kostja Ullmann gekonnt mimt, lässt dafür den anderen starbesetzten Figuren Raum. Neben Hasanović, Wolff und Eisinger steigen auch Timur Bartels (Der Club der roten Bänder), Pheline Roggan und Fahri Yardim zu Ullmann alias Ben ins Auto. Hier schließt sich der Joyn-Kreis mit einem Pseudo-Crossover: Als promiskuitives Paar erinnern Roggan und Yardim entfernt an das Gespann, das sie in der Joyn-Serie Jerks geben.

Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers ist kurzweilige Unterhaltung für alle, die nach dem Tatortreiniger neuen Stoff suchen. Und für die, die ihren Problemballast für ein paar Episoden vergessen möchten.

Die Kommentarfunktion ist ausschließlich unseren Leser*innen von ze.tt gr.een vorbehalten.

Noch keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Dein Kommentar ist nur für andere Abonnenten sichtbar. Du erscheinst mit deinem bei Steady hinterlegten Namen und Profilbild. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Es kann ein paar Minuten dauern, bis dein Kommentar erscheint.

Außerdem auf ze.tt