Die Netflix-Serie „Space Force“ soll ein zweites „The Office“ sein, aber scheitert schon beim Start

Steve Carell spielt in Space Force erneut einen dusseligen Chef mit einer noch dusseligeren Mission: Die USA sollen zurück auf den Mond. Eine Kritik

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Steve Carell spielt in "Space Force" erneut einen dusseligen Chef mit einem dusseligen Team. Filmstill: Netflix

„Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken, der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken, die Mannschaft lauter meineidige Halunken, der Funker zu feige, um SOS zu funken. Klabautermann für das Narrenschiff, volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff.“

So beginnt Das Narrenschiff vom deutschen Liedermacher Reinhard Mey, ein Song, in dem er vor allem korrupte Politiker*innen kritisiert. In der neuen Netflix-Serie Space Force sehen wir, wie dieses Narrenschiff gebaut wird, nur soll es diesmal nicht aufs Riff gehen, sondern auf den Mond – schon wieder.

Der korrupte Politiker, auf dessen Mist die Mission gewachsen ist, wird in der Serie nur POTUS genannt, es ist klar, dass der dauergolfende Gorilla aus dem Weißen Haus gemeint ist. Per Tweet hatte Trump entschieden, dass die USA ihre Vormachtstellung auch im Weltall ausbauen sollen, dazu wird eine neue Sektion in der US-Army gegründet: Space Force. Das Motto: „Boots on the moon by 2024.

„Wäre das nicht eine witzige Idee für eine Comedy-Serie?“, haben sich Steve Carell und The Office-Autor Greg Daniels gedacht. Ja, die Idee ist wirklich witzig. Warum ist die Serie nur so schlecht geworden?

Space Force teilt das Problem politischer Satire: Die Realität ist bescheuert genug

Wir begleiten Steve Carell als General Naird, ein Army-Veteran, der eher zufällig den Auftrag erhält, Space Force zu leiten. Zusammen mit einer Gruppe Wissenschaftler*innen (angeführt von John Malcovich), Berater*innen und immer im Konflikt mit seiner Tochter und Ehefrau (Lisa Kudrow) versucht Naird, irgendwie seine Mondrakete in die Umlaufbahn zu bekommen. Denn China schläft nicht, und der US-Präsident möchte auch in Zukunft ungestört twittern können. Die Satelliten müssen sicher sein.

Netflix nennt das selbst eine Workplace Comedy in ganz klarer Referenz zur Serie The Office, die diesen Ausdruck berühmt gemacht hat. Und es ist schon interessant, Steve Carrell wieder in der Rolle des dusseligen Chefs zu sehen, ist er ja inzwischen eigentlich zum renommierten Schauspieler mit Oscar-Nominierung (Foxcatcher) geworden.

Leider zeigt sich an Space Force das große Problem aktueller, politischer Satire: Die Wirklichkeit ist schon so bescheuert, dass es nicht einfach ist, sich darüber lustig zu machen. Und: Man kann Comedy nicht behaupten, man muss sie machen.

Das Problem zeigt sich am besten im direkten Vergleich mit The Office. Schon in der ersten Folge wurde vor 15 Jahren glasklar: Der von Steve Carrell gespielte Michael Scott ist der schlechteste Chef der Welt. Wir sehen das sofort. In seiner überheblichen Art, in seinem anrüchigen Verhalten, seiner Übergriffigkeit, seinen grauenhaften Witzen. Aber hier ist der Unterschied zu Space Force: Niemand spricht das aus. Wir wissen das, weil das Verhalten so unangenehm und übertrieben ist.

In Space Force hingegen muss John Malcovich alle 15 Minuten erklären, dass er Wissenschaftler sei, Steve Carrell muss immer wieder forcieren, dass er General sei und sein Social-Media-Berater muss wirklich in jedem Satz irgendwas von Facebook und Twitter erzählen. Es wirkt so, als hätten die einzelnen Schauspieler*innen zwar ihre Rollen gelernt, aber nicht daran gedacht, dass sie ja irgendwann miteinander interagieren müssen.

Der Kurs steht auf Absetzung

Space Force ist Comedy im luftleeren Raum. Während The Office – wie auch Stromberg übrigens – immer wusste, wie lange man einen Gag halten muss, damit er in dem mottigen Minibüro hin- und hergeschossen werden und sich ständig vergrößern kann, verhallt in Space Force jeder Witz in den unendlichen Hallen der Army-Basis.

Um es deutlich zu machen: Die Schauspieler*innen sind da. Die gute Idee ist da. Woran es fehlt, sind, erstens, gut geschriebene Witze, die am laufenden Band weggeschmissen werden können, und zweitens eine Regie, die diese Witze verstärkt und unterstreicht. Space Force hätte hingegen ein 1990er-Sitcom-Gelächter im Hintergrund gut getan, denn manchmal weiß man nicht, ob eine Äußerung überhaupt witzig sein sollte oder nicht.

Klar: Man kann sich das schon anschauen, das Setting ist was Neues und die politische Implikation, dass eine neue Weltraummission zwar bescheuert ist, aber wissenschaftlich gewinnbringend sein kann, wird in einigen Folgen schön erläutert.

Leider ist Space Force so schlecht geschrieben und lahm inszeniert, dass man das Gefühl bekommt, die dödelige Space Force selbst hätte die Serie produziert. Nur heißt das Narrenschiff Netflix und der Kurs steht auf Absetzung.


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