Die neue Werbung der FPÖ ist so sexistisch, dass es wehtut

Eine Kampagne der oberösterreichischen FPÖ sorgt für Wirbel. Durch halbnackte Körper sollen sich Bürger*innen dem Patriotismus hingeben. Dafür erntet die Partei viel Kritik.

Die neue Werbung der FPÖ ist so sexistisch, dass es wehtut.

"Ich finde es nicht sexistisch. Ich bin im Bikini auf dem Foto, das sieht man in jedem Schwimmbad", sagt das Model. Screenshot: FPÖ

In Linz plakatiert die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreich (FPÖ) seit Neuestem mit einer sexistischen Kampagne. Darauf ist eine Frau in Bikinitop zu sehen, ihr Kopf ist abgeschnitten. Stattdessen prangt gut lesbar „Stolz auf Linz“ in großen Lettern über ihrer Brust. Statt des „i“ erstreckt sich das Stadtwappen der Landeshauptstadt, die Dreifaltigkeitssäule, empor. Im Hintergrund fließt die Donau. Ein ähnliches Motiv gibt es in kleinerer Fassung auch mit einem männlichen Model.

Kein Parteilogo ist auf dem Plakat zu sehen, bloß ein Link. Wer ihm folgt, landet bei fünf Gründen, warum Linz eine lebenswerte Stadt sei, einer Studie dazu und den Steckbriefen von Personen, die angeblich für diese Stadt kämpfen. Dieses Team besteht allerdings nur aus freiheitlichen Politikern, wie dem Vizebürgermeister der Stadt Detlef Wimmer (FPÖ), dem freiheitlichen Infrastrukturstadtrat Markus Hein und zwei ebenfalls männlichen Vertretern der FPÖ-Jugendpartei (RFJ).

Spätestens an dieser Stelle ist klar: Hier handelt es sich um ungekennzeichnete Parteiwerbung von Österreichs Rechtspopulist*innen.

Vorwurf  „Offener Sexismus“

Frau und Mann auf dem Plakat wurden nach verbreiteten Schönheitsidealen drastisch in Szene gesetzt und ihre Gesichter einfach abgeschnitten. Klar im Mittelpunkt: Körper und nicht Menschen. Die Personen erfüllen auch noch die klassischen sexistischen Klischees: Der Mann aufgepumpt und den Bizeps anspannend, die Frau schlank und die Brüste gepusht.

Die Grünen sehen in der Kampagne laut Salzburger Nachrichten „offenen Sexismus“. Der Bürgermeister von Linz, Klaus Luger (Sozialdemokratische Partei Österreichs, SPÖ), distanzierte sich am Montag im Namen der Stadt von dem Bild und sagte, dass „die Sujets in keinem Zusammenhang mit der Landeshauptstadt oder einer ihrer Einrichtungen stehen. Vielmehr handelt es sich dabei um die Kampagne der Freiheitlichen Partei.“

Was sagt die Frau auf dem Plakat dazu?

Diana Seyr trägt den Titel Vize-Miss-Oberösterreich 2018 und studiert in Wien Wirtschaftsrecht und Politikwissenschaften. Als damals die Anfrage hereinkam, sagte sie zu, da sie stolz auf ihre Heimatstadt Linz sei, wie sie ze.tt erzählt. Der große Wirbel und die Debatte über das Plakat haben sie überrascht. „Ob es mich stört oder nicht, ist nicht relevant. Ich wusste über die Kampagne Bescheid und habe es vor der Veröffentlichung abgesegnet“, erklärt die 20-Jährige.

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Screenshot: FPÖ

Ich finde es nicht sexistisch. Ich bin im Bikini auf dem Foto, das sieht man in jedem Schwimmbad.“ – Diana Seyr

Die Kritik des Sexismus kann Diana Seyr nicht nachvollziehen. „Ich finde es nicht sexistisch. Ich bin im Bikini auf dem Foto, das sieht man in jedem Schwimmbad auch“, erklärt sie. Das Umfeld sei professionell gewesen und schließlich gebe es auch einen männlichen Part des Motivs. Auf die Frage, ob sie stolz auf das Plakat sei, antwortet sie diplomatisch: „Ich bin stolz auf Linz.“ Und auf das Plakat? Sie lacht, darauf möchte sie lieber nicht antworten.

Starke Rechte in Oberösterreich

„Plakat-Sujets, die mit offenem Sexismus arbeiten, können nicht im Sinne der Stadt sein“, kritisierte die Klubobfrau, die Fraktionsvorsitzende, der Linzer Grünen, Ursula Roschger. Grundsätzlich darf das offizielle Stadtwappen verwendet werden, doch der Rahmen dafür müsse angemessen sein.

Plakat-Sujets, die mit offenem Sexismus arbeiten, können nicht im Sinne der Stadt sein.“ – Ursula Roschger

Linz ist die drittgrößte Stadt in Österreich. Bei der Landtagswahl 2015 wählten über 30 Prozent in Oberösterreich die FPÖ – und damit über 15 Prozent mehr als bei der Wahl zuvor. Seit den Gemeinderatswahlen im selben Jahr hat Linz einen freiheitlichen Vizebürgermeister, sowie 16 Sitze im Gemeinderat. Die FPÖ in Linz machte in der Vergangenheit immer wieder Schlagzeilen: unter anderem mit der Forderung, „Ausgangssperren für Asylwerber“ einzuführen; einem Plakat, das eine Frau mit Niqab zeigte und hetzte, dass 2041 „mehr Zuwanderer als Einheimische“ in Linz leben könnten; und einem Fraktionsobmann, der zurücktreten musste, weil Aufnahmen von ihm bei NS-Wiederbetätigung auftauchten.

Abgesehen von den lokalen Fehltritten ist die FPÖ keine Oppositionspartei mehr, sondern Teil der österreichischen Regierung, und stellt den Vizekanzler. Auch dort verweist man gerne auf den angeblich gesunden Patriotismus. Immer wieder schmückt sich die Partei mit dem Begriff. Wie nun auch in der Stolz-auf-Linz-Kampagne. FPÖ-Stadtparteichef Detlef Wimmer hält jegliche Kritik für unangebracht. „Der Sexismus-Vorwurf ist unpassend“, sagt er. „Wir haben Plakate mit Fotos von einem Mann und von einer Frau. Muss sie etwa einen Burkini tragen, dass sich niemand aufregt?“


„Was geht mit Österreich?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich unsere Korrespondentin und Exil-Österreicherin Eva Reisinger in ihrer Kolumne. Sie lebt halb in Berlin und halb in Wien und erzählt euch, was ihr jeden Monat über Österreich mitbekommen müsst, worüber das Land streitet oder was typisch österreichisch ist.