Die Polizei schoss Jacob Blake in den Rücken – nun hält seine Schwester eine eindringliche Rede

Vor den Augen seiner Kinder schossen Polizisten in den USA dem Afroamerikaner Jacob Blake in den Rücken. Jetzt äußert sich seine Schwester und fordert Gerechtigkeit für ihren Bruder.

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Jacob Blakes Schwester Letetra Widman fordert Gerechtigkeit für ihren Bruder und alle Schwarzen Menschen. Screenshot: © The Guardian / YouTube

Wieder war es ein Handyvideo, wieder trafen Kugeln aus einer Polizeiwaffe eine Schwarze Person. In einem Video, das derzeit in den sozialen Medien zirkuliert, ist zu sehen, wie der Schwarze Amerikaner Jacob Blake in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin um sein Auto auf die Fahrer*innentür zugeht. Ihm folgen zwei Polizisten mit gezogener Waffe. Als der 29-Jährige die Autotür öffnet, schießen die Polizisten ihm aus nächster Nähe sieben Mal in den Rücken. Jacob Blakes drei Kinder sitzen im Fahrzeug auf der Rückbank.

In Kenosha kam es daraufhin zu Protesten gegen Polizeigewalt und zu Ausschreitungen zwischen den Demonstrierenden und der Polizei. Seit drei Tagen protestieren die Menschen ununterbrochen. Inzwischen hat Gouverneur Tony Evers den Notstand ausgerufen und eine Ausgangssperre verhängt.

„Ich will euer Mitleid nicht, ich will Veränderung“.

Letetra Widman, Schwester von Jacob Blake

Jacob Blake befindet sich im Krankenhaus. Sein Zustand ist immer noch kritisch. Laut Berichten des Spiegel erklärte Blakes Anwalt, dass die Kugeln die Wirbelsäule, den Magen, die Leber und einen Arm des jungen Mannes durchschlagen hätten. Nach aktuellem Stand werde Jacob Blake von nun an von der Taille abwärts gelähmt sein. Es sei unwahrscheinlich, dass er jemals wieder laufen könne.

„Das passiert meiner Familie seit Langem“

Zwei Tage nach den Schüssen auf Jacob Blake traten seine Angehörigen und Familienmitglieder vor die Presse, um ihre Wut und ihren Schmerz mit der Öffentlichkeit zu teilen. Sie forderten Gerechtigkeit für den 29-Jährigen und Aufklärung der Taten. Seine Schwester Letetra Widman erklärte in einem Statement, dass sie über ihren Bruder wache. Wenn der Name Jacob Blake falle, sollten Leute sicherstellen, dass ihn als Vater, Cousin, Sohn, Onkel benennen, in erster Linie sollten sie ihn aber als Menschen sehen, ein menschliches Leben. „Genau wie jeder einzelne von euch“, erklärte sie den versammelten Journalist*innen. Sie seien alle Menschen, genau wie Jacob Blake.

Letetra Widman erklärte weiter, dass sich in den letzten Tagen viele Menschen an sie gewandt hätten, um ihr zu sagen, dass ihnen leidtäte, was mit ihrer Familie passiert sei. Jacob Blakes Schwester brauche diese Solidaritätsbekundungen aber nicht. Es solle den Leuten jetzt nicht leidtun, da diese Dinge ihrer Familie schon seit Langem passierten. Länger als sie es erklären könne. An dieser Stelle erwähnte sie Emmett Till, den Schwarzen Amerikaner, der 1955 im Alter von 14 Jahren von Rassisten ermordet worden war, weil er angeblich einer weißen Frau hinterhergepfiffen hatte. Auch Emmett Till sei Teil von Widmans Familie, genauso wie Philando Castile, Mike Brown und Sandra Bland. Drei weitere Schwarze Menschen, die in jüngeren Fällen von Polizeieinsätzen getötet wurden.

„Das ist meiner Familie passiert und ich habe für jeden einzelnen dieser Menschen Tränen geweint“, erklärte Letetra Widman weiter. Sie stellte klar, dass sie nicht traurig sei über das, was passiert sei, dass es ihr nicht leidtäte: „Ich bin wütend und müde. Ich habe kein einziges Mal geweint. Ich habe vor Jahren aufgehört zu weinen. Ich bin taub. Ich habe beobachtet, wie die Polizei seit Jahren Leute ermordet, die aussehen wie ich „, sagte sie. „Ich will euer Mitleid nicht, ich will Veränderung.“

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