Die schwedische Kirche will geschlechtsneutraler predigen

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Schweden bemüht sich um eine inklusive und geschlechtsneutrale Sprache. Das stößt auch auf Kritik.

Auch in dieser Kirche in Kladesholmen wird Gott wohl bald geschlechtslos sein. © David Ramos/Getty Images

Aktualisiert um 14:07 Uhr

Im Deutschen ist es schwierig von Gott zu sprechen, ohne einen Mann zu meinen. Dabei ist der Ursprung des Worts geschlechtsneutral. Es stammt aus der germanischen Sprache und ist abgeleitet von g(h)uda, was so viel bedeutet wie: Gott anrufen. Und zwar weibliche und männliche Gottheiten. Erst mit dem Einzug des Christentums bekam der Allmächtige männliche Züge zugeschrieben.

Die schwedische Kirche will sich künftig um geschlechtsneutrale Sprache bemühen, wie The Guardian berichtet. Sie werde daher auf das Personalpronomen „er“ und auf das Wort „Herr“ verzichten. Das hatte das 251-köpfige Entscheidungsgremium in Uppsala am Donnerstag entschieden. „Aus der Theologie wissen wir, dass Gott jenseits unserer menschlichen Geschlechterunterscheidung ist. Gott ist kein Mensch“, sagte Antje Jackelén, die die Evangelisch-Lutherische Kirche leitet.

Seit 1986 sei eine inklusivere Sprache in Diskussion, so die Erzbischöfin gegenüber dem schwedischen Fernsehsender TT News. Dieser Schritt sei Teil einer Überarbeitung des 31-Jahre alten Handbuchs, das empfiehlt, wie Gottesdienste begangen werden sollen.

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Die Entscheidung traf auf Kritik. Für Christer Pahlmblad, Theologe der Lund Universität, beispielsweise untergrabe sie die Lehre der Dreifaltigkeit und gefährde die Gemeinschaft mit den anderen christlichen Kirchen. „Man kann nicht 2.000 Jahre der Theologie ersetzen“, sagte er dem Kristeligt Dagblad.

Die Regelung wird nichtsdestotrotz ab Pfingsten 2018 in Kraft treten. Anstatt „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ wird es dann heißen: „Im Namen Gottes: der Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ oder „Im Namen Gottes, der Dreifaltigkeit“.


Aktualisierung: Die Kirchenleitung widersprach Teilen der Meldung. Geschlechtsneutrale Alternativen wurden in einigen Gebeten umgesetzt, „traditionelle christliche Ausdrücke“ blieben allerdings erhalten, so die Vorsitzende des Gottesdienstausschusses Sofija Pedersen Videke.