Die Sieger des Superbowls verweigern Trump die Gratulation

Auf die Frage, ob er vorhätte, dem Weißen Haus einen Besuch abzustatten, antwortet Eagles-Verteidiger Chris Long: „Ist das dein Ernst?“

Chris Long (links) hat keinen Bock auf Trump.

Chris Long (links) hat keinen Bock auf Trump. © Gettyimages

Vergangenen Sonntag gewannen die Philadelphia Eagles den 52. Superbowl, das Endspiel der US-amerikanischen Football-Saison 2017. Mehr als 100 Millionen US-Amerikaner*innen und weltweit fast eine Milliarde Menschen sahen ihnen dabei zu, wie sie die gegnerische Mannschaft, die New England Patriots, besiegten.

Eigentlich ist es Tradition, dass die Sieger des Superbowls jedes Jahr dem amtierenden Präsidenten einen Besuch im Weißen Haus abstatten. Das gilt nicht nur für die Gewinner der National Football League (NFL), sondern auch für die der Basketball-Profiliga (NBA), der Eishockey- (NHL) wie auch der Baseball-Profiliga (MLB). Sie alle besuchen traditionsgemäß einige Wochen nach ihrem Sieg das Weiße Haus, um dort Glückwünsche und nette Worte des mächtigsten Mannes im Land zu empfangen. Das Problem ist allerdings, dass dort seit mehr als einem Jahr Donald Trump sitzt und sich nicht unbedingt in einer Politik übt, mit der alle einverstanden sind.

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Viele Profis meiden das Weiße Haus ob Trumps nicht gerade inklusiver Politik, lieber verzichten sie auf diese zweifelhafte Ehre. So auch einige Spieler der Philadelphia Eagles. Obwohl sie viel zu feiern hätten, schließlich gewannen sie zum ersten Mal in der Geschichte ihres Bestehens das weltweit größte Sportevent des Jahres.

Malcolm Jenkins, Safety-Spieler bei den Egales, sagte zu CNN: „Nö, ich persönlich habe nicht vor dahinzugehen.“ Er wolle Veränderungen im Strafjustizsystem sehen sowie wirtschaftliche und pädagogische Fortschritte für Schwarze und Geringverdienende. Jenkins kritisierte Trump bereits in der Vergangenheit öffentlich. Bei mehreren Spielen hielt er während der Nationalhymne aus Protest die Faust in die Höhe.

© Andy Lyons/Getty Images

Wide Receiver Torrey Smith, auch er streckte eine Faust in die Höhe, um sich mit der Protestbewegung Black Lives Matter solidarisch zu zeigen, lehnt einen Besuch beim Präsidenten ab. „Auch wir lesen Zeitung. Wir sehen genauso wie jeder andere auch, was er tweetet, und wir reden in der Kabine darüber, wie es auch andere am Arbeitsplatz machen. Wir sind informiert und wir werden nicht aufhören, uns weiterzubilden“, sagt Smith.

Chris Long hingegen verzichtet dieses Jahr bereits zum zweiten Mal auf einen Besuch. Vergangenes Jahr gewann er mit seinem damaligen Team, den New England Patriots, den Superbowl, aber hatte keine Lust auf Trump. Auf die Frage, ob er denn dieses Mal hingehen würde, sagte er in einem Podcast-Interview: „Nein, ich gehe nicht ins Weiße Haus. Ist das dein Ernst?“

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Donald Trump brach ebenso mit einer Tradition – und zwar mit der, vor dem Superbowl ein Fernsehinterview zu geben. Stattdessen tweetete er hinterher: