Diese 12 Begriffe aus Ostwestfalen-Lippe solltest du in deinen Wortschatz aufnehmen

Ostwestfalen-Lippe ist vielen kein Begriff. Dabei stammen aus der Region spannende Wortkreationen, die jede*r kennen sollte.

Flötepiepen? Schasskermoos? Pillepoppen? Wir erklären, was diese ostwestfälischen Wörter bedeuten.

Flötepiepen? Schasskermoos? Pillepoppen? Wir erklären, was diese ostwestfälischen Wörter bedeuten. Illustration: Gerlinde Schrön / ze.tt

Wer als Bielefelder*in auf einer Party über die Heimat spricht, erntet mit hundertprozentiger Gewissheit folgende Reaktion: „Bielefeld gibt’s doch gar nicht!“ Diese sogenannte Bielefeld-Verschwörung kennt jede*r. Ein Kieler Student hat sie wohl in den Urzeiten des Internets online verbreitet. Und mit den Jahren verfestigte sich der Mythos, Bielefeld und sogar die weitere Umgebung – die Region Ostwestfalen-Lippe –, wären ein Ödland, ein blinder Fleck auf der Landkarte. Aber flötepiepen! Ostwestfalen-Lippe, mit Bielefeld als Melting Pot, ist durchaus einen ausgiebigen Kultururlaub wert. Das beweist allein die Sprache: Das Ostwestfälische ist ein Dialekt mit vielen Einflüssen und wunderschönen kreativen Wortschöpfungen. Nur was bedeuten sie?

Da nur wenige noch weniger von der deutschen Sprache verstehen als die Österreicher*innen, muss wieder unser österreichischer Kollege ran. Ein ostwestfälischer Kollege (OWLK) fragt Wörter aus der wundersamen Dialektwelt Ostwestfalen-Lippes ab, der österreichische Kollege (ÖK) muss die Begriffe erraten.

Pillepoppen

Österreichischer Kollege (ÖK): Ganz klar! Wenn ich krank bin, muss ich Medikamente (Pillen) einwerfen (poppen), um gesund zu werden. Ur leicht.
Ostwestfälischer Kollege (OWLK): Thematisch ganz falsch! Ein großzügiger Tipp: Der Pillepoppen ist die OWL-Bezeichnung für ein nachembryonales Entwicklungsstadium einer der drei rezenten Ordnungen aus der Wirbeltierklasse der Amphibien. Jetzt ist es wirklich ur leicht!
OWLK: Also bitte! Lass mich doch in Ruhe!
ÖK: Pillepoppen sind Kaulquappen.

ramentern

ÖK: Das ist das ostwestfalen-lippische Äquivalent zu hangry. Jemand der Hunger und deswegen schlechte Laune hat. Oder vielleicht kann man auch ohne Hunger ramentern. Also einfach: jammern, beschweren.
OWLK: War ja nicht anders zu erwarten: Als Wiener erkennst du auf Anhieb ein Wort, das mit dem Sich-Beschweren artverwandt ist. Lasse ich gelten! Ramentern bedeutet lärmen oder rumoren.

Schasskermoos

ÖK: So nennt man Wasserablagerungen in der Wand oder sehr alte Tapeten. In Notfällen muss dann der Schasskermooser angerufen werden, eine Art Klempner*in, der*die alles wieder hinbiegt.
OWLK: Wunderschön zwar, aber nichts davon stimmt. Schasskermoos ist übrigens mein Lieblings-OWL-Wort. Ich bilde mal einen Satz als Tipp: „He, Philipp, hast du auch genug Schasskermoos auf Tasche? Sonst wird das ein kurzer Abend.“
ÖK: Aah, ich glaube, du hast es verraten. Es ist die Kohle! Moneten, Piepen, Kröten, Knete, Zaster … einfach Geld!
OWLK: Richtig! Noch ein Mü konkreter: Schasskermoos ist das Geld, das du einzig und allein zu dem Zweck einsteckst, es für Alkohol auszugeben.

püttkern

ÖK: So isst man, eher nebenbei, wenn man keinen Hunger hat. „Bist du hungrig?“ „Ne, aber ich würde vielleicht ein paar Nüsse püttkern.“
OWLK: Ich wünschte, es hätte diese Bedeutung. Aber die Realität ist auch ganz hübsch, hier kommt ein weiterer Hilfssatz: „Wenn wir genug Schasskermoos dabei haben, dann können wir ordentlich püttkern.“ Alternativ sagt man bei uns auch picheln.
ÖK: Saufeeen!
OWLK: Rüüchtüüch!

döppen

ÖK: Wer döppt, gibt undurchdachte, recht dumme, vielleicht betrunkene Aussagen von sich. Gestern beim Stammtisch hast du aber wieder richtig gedöppt.
OWLK: Wenn der Stammtisch im Schwimmbad stattfindet, dann könnte man auch bei einem Stammtisch vom Döppen sprechen. Mit Dummheit hat das Ganze allerdings wenig zu tun. Es handelt sich dabei um eine sehr zielgerichtete, durchdachte und freche Tat.
ÖK: Dann bedeutet döppen, jemanden nass zu spritzen oder jemanden ins Wasser zu werfen?
OWLK: Das lasse ich gelten. Wenn ich dich döppe, dann tauche ich dich unter Wasser.

auf der Schlür sein

ÖK: Das kann nur „auf der Hut sein“ bedeuten, oder? Was allerdings eine Schlür sein soll … keine Ahnung.
OWLK: Das Gegenteil ist der Fall. Wenn man auf die Schlür geht, dann ist man meist nicht mehr dazu im Stande, auf der Hut zu sein.
ÖK: Party machen? Oder wie ich in Berlin gelernt habe: steil gehen?
OWLK: Ur richtig! Du kannst aber auch in einem Buchladen auf Schlür sein oder in einer fernen Stadt. Wenn du vergnügungssuchend umherstreunst, dann bist du auf der Schlür.

flötepiepen

ÖK: Ich glaube, ich habe vergangenes Wochenende ziemlich oft flötegepiept. Flötepiepen heißt nämlich sich schneuzen.
OWLK: Flötepiepen!
ÖK: Würde ich in Wien Schmarrn sagen? Steht es also für Unsinn/Blödsinn?
OWLK: Ja, ist nah dran. Flötepiepen bedeutet „Von wegen!“.

inne Fissen sein

ÖK: Neben sich stehen. Wenn man nicht ganz klar im Kopf ist, ist man tief in den Fissen. Gegen Fissen hilft nur Ablenkung und Urlaub.
OWLK: Du bist nah dran und gleichzeitig weit weg. Wenn ich sage „Philipp is inne Fissen!“, dann meine ich, dass du vollkommen klar im Kopf bist und schwer in Ordnung.

Köttelkram

ÖK: Make-up, Cremen, Deos, Duschgel, et cetera. Im Rossmann und DM in Ostwestfalen-Lippe findet man im Gang zwei nicht Hygieneartikel, sondern Köttelkram.
OWLK: Falsch, in Gang zwei findet man bei uns immer den Pickert, ist doch klar. Viel Köttelkram gibt’s zum Beispiel bei der Arbeit.
ÖK: Zettelwirtschaft? E-Mails? Ich rate blind.
OWLK: Köttelkram ist der vernachlässigbare Haufen Arbeit, den man immer weiter vor sich herschiebt.

sich beömmeln

ÖK: Masturbieren, muss sein.
OWLK: Über diese Antwort kann ich mich nur beömmeln!
ÖK: Sich amüsieren, aber ironisch und hinterrücks hart verurteilen?
OWLK: Das hart verurteilen stimmt nur individuell, aber Amüsement ist in jedem Fall dabei!

Pölter

ÖK: Die Pölter ist eine richtig große Party. „Hey Jens, lass am Wochenende zur Pölter von Jochen gehen und richtig abdöppen, statt uns andauernd nur zu beömmeln.“
OWLK: Hahaha! Nein! Das Gespräch über den Pölter (maskulin) würde eher so ablaufen: „Hey Jens, gehen wir heute Abend auf die Schlür, ein bisschen was püttkern?“ – „Lass mal, Heiner, ich habe kein Schasskermoos mehr. Ich zieh lieber den Pölter an und gucke eine Doku über Pillepoppen.“
ÖK: Das erfindest du doch, ich versteh nix. Aber gut. Wenn man also einen Pölter anziehen kann, dann ist es die Jogginghose.
OWLK: Es ist der Schlafanzug, der Pyjama.

Knötterpott

ÖK: Der Knötterpott ist ein Wanderrucksack oder ein Rucksack, mit dem ich auf Weltreise gehen kann. Multifunktional, wetterfest, viele Fächer.
OWLK: Flötepiepen! Als ich dich zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich: „Mann, der Typ guckt aber grimmig und lustlos, das ist so ein richtiger Knötterpott.“
ÖK: Ah klar: Ein Adonis, eine Wucht von einem Mann.
OWLK: Ähm … naja … belassen wir es dabei.