Diese 5 Fragen solltet ihr euch stellen, bevor ihr ein Kind bekommt

Es klingt unromantisch, ist aber notwendig: Die Kinderplanung will gut durchdacht sein. Um die folgenden Fragen kommen du und dein*e Partner*in nicht herum.

Bevor man ein Kind bekommt, sollte man mit dem*der Partner*in ein paar wichtige Fragen besprechen.

Bevor man ein Kind bekommt, sollte man mit dem*r Partner*in ein paar wichtige Fragen besprechen. Daria Shevtsova/Pexels | CC0

Es ist absolut wichtig, dass sich beide Partner*innen bewusst Gedanken darüber machen, wie sie ihr Leben mit einem Kind gestalten möchten, bevor sie eines bekommen. Folgende fünf Fragen, solltet ihr euch zusammen mit dem*r Partner*in stellen, wenn es um das Thema Kinderwunsch und die damit einhergehende Fürsorgearbeit – also die Erziehung und den Haushalt – geht:

1. Wie wird die Fürsorgearbeit aufgeteilt?

Dafür gibt es keine allgemeingültige Regel. Es ist jedoch ganz wichtig, sich generell bewusst zu machen, dass Fürsorgearbeit wirklich Arbeit ist und sich an keine festen Zeiten hält. Sich um euer Kind und den Haushalt zu kümmern, bedeutet selbst und ständig verantwortlich zu sein, 24/7, ohne Anspruch auf Urlaub oder die Möglichkeit, bei Krankheit in Ruhe wieder gesund zu werden. Die Kinderkrippe kann eine Entlastung sein, aber auch die beste Krippe oder Kita kann und soll nicht die Familie ersetzen.

Gerade Paare, die sich für eine klassische Rollenaufteilung entscheiden (selbst wenn es nur während des Elterngeldbezugs ist), müssen sich also die Frage stellen, wie die Fürsorgearbeit im Alltag aufgeteilt wird. Auch der*die überwiegend erwerbstätige Partner*in muss sich zu Hause in alle Tätigkeiten rund um Haushalt und Kindererziehung einbringen. Die Fürsorge auf eine Person abzuwälzen, funktioniert in der Praxis nicht und führt zu Stress.

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Die Aufteilung der Fürsorgearbeit könntet ihr ganz konkret in einem schriftlichen Wochenplan festhalten, in den auch zum Beispiel die Auszeiten für beide Elternteile bewusst integriert sind. Das ist ganz wichtig, denn auch Mütter und Väter müssen einmal Kraft tanken. Eine ausschließlich mündliche Absprache ist nicht zu empfehlen. Es kann hier zu viele Missverständnisse geben.

2. Auf welche Personen können wir zurückgreifen?

Eine afrikanische Weisheit sagt alles über diesen Punkt aus: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Um dieses Dorf solltet ihr euch als Paar schon kümmern, bevor euer Kinder da ist. Die Idee, alles alleine machen zu wollen, auch mit dem*der Partner*in zusammen, ist natürlich löblich – sie kann aber schnell in Überforderung münden, vor allem wenn Schicksalsschläge hinzukommen, wie schwere Krankheiten oder der Verlust des Arbeitsplatzes.

Wie kann so ein Dorf aussehen? Strickt euch ein Netz aus Familie und Freund*innen! Sucht am besten das offene Gespräch mit naheliegenden Personen – also den Großeltern, euren Eltern, Geschwistern, Onkeln und Tanten. Fragt, ob sie euch mit der Kinderbetreuung helfen würden und in welchem zeitlichen Umfang sie sich dies vorstellen könnten. Integriert sie in euren Wochenplan.

3. Wie werden die finanziellen Nachteile ausgeglichen?

Wenn Liebe im Spiel ist, wird nicht gerne über Geld gesprochen. Das ist verständlich, dennoch muss unbedingt bewusst überlegt werden, wie das Leben finanziell abgesichert ist, damit die Kindererziehung weder heute (beispielsweise durch Trennung), noch im Alter (zum Beispiel wegen langer Erziehungszeiten) in die Armut führt.

Eine Möglichkeit, finanzielle Nachteile durch die vermehrte Fürsorgearbeit auszugleichen, ist, einen Ausgleichsbetrag festzulegen, der zum Teil in eine private Altersvorsorge eingezahlt werden kann. Dies kann im Elterngeldbezug zum Beispiel die Differenz zum vorherigen Gehalt sein und später die Differenz zwischen Teilzeit- und Vollzeitgehalt. Alle Absprachen diesbezüglich solltet ihr im Idealfall in einem notariell beglaubigten Partnerschafts- oder Ehevertrag festhalten. Nur dann ist die Sache ganz sicher und für beide Partner*innen verbindlich.

4. Wie soll die Fürsorgearbeit im Fall einer Trennung aufgeteilt werden?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn nach einer Trennung muss das Leben ganz neu gestaltet werden. Wie dies dann in groben Zügen aussehen soll, solltet ihr möglichst in Zeiten festlegen, in denen ihr euch gut versteht. Eine Trennung ist immer mit viel Schmerz verbunden und Absprachen sind dann oft, aufgrund von Konflikten, erst einmal schwer zu treffen – ja, manchmal sogar unmöglich.

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Zu den gängigsten Möglichkeiten zählt das Residenzmodell. Dabei fällt die Betreuung nur einem Elternteil zu, mit Umgangsrecht des anderen Elternteils. Alternativ gibt es das Wechselmodell: Das Kind lebt zu gleichen Teilen abwechselnd bei beiden Elternteilen.

Wichtig ist an diesem Punkt wirklich, dass ihr euch ehrlich mit der Frage auseinandersetzt, wie ihr mit euren Kindern nach einer möglichen Trennung leben wollt. Zum Beispiel: Wie könnten sich die Wohnverhältnisse oder gar der Wohnort ändern?

Das Ergebnis eures Gesprächs sollte unbedingt in einem schriftlichen, notariell beglaubigten Partnerschaftsvertrag oder Ehevertrag festgehalten werden – vor allem auch vor dem Hintergrund, dass das geänderte Unterhaltsrecht von 2008 besagt, dass dem*r, der*die die Kinder im Residenzmodell hauptsächlich erzieht, ab dem dritten Lebensjahr des Kindes Vollzeitarbeit zuzumuten ist. Wenn ihr eine andere Regelung möchtet, müsst ihr dies schriftlich und notariell beglaubigt festlegen.

5. Wie wäre die Fürsorgearbeit im Todesfall abgesichert?

Der frühe, plötzliche Tod eines*r Partner*in ist eine große persönliche Herausforderung, vor allem auch deshalb, weil die Kinder nun noch mehr umsorgt werden müssen, damit sie den Verlust bewältigen können. Wenn dann noch finanzielle Sorgen hinzukommen, wird die Lage ganz schnell prekär.

Es ist daher wichtig, sich die Frage zu stellen, wie das Leben bei einem frühen Tod des*r Partner*in in finanzieller Hinsicht abgesichert ist. Wenn sich zum Beispiel Lücken auftun bei der Bezahlung der Rate für das Eigenheim, müsste hier vorgesorgt werden, da Wohnraum kein Luxus ist, sondern schlichtweg lebensnotwendig.

Fürsorgefalle – Nein, danke

Fürsorgearbeit wird zur Falle, wenn Partner*innen alles dem Zufall überlassen, getreu dem Motto: Wird schon gut gehen. Da Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen politisch als Privatsache unsichtbar gemacht werden und nicht abgesichert sind, müssen Partner*innen in höchstem Maße verantwortlich handeln und alle Fragen rund um die Fürsorgearbeit bewusst angehen. Am besten geht das durch Vorsorge mit einem notariell beglaubigten Partnerschaftsvertrag. Dieser kann alles regeln rund um das Zusammenleben, die Kindererziehung, eine eventuelle Trennung, den Tod, Vermögen und Eigentum.

[Außerdem auf ze.tt: Wie man aufrichtig zuhört]

Partner*innen, die diese Fragen für sich bewusst und ehrlich beantworten, werden durch den in Gang gesetzten Prozess mehr Sicherheit als vorher haben, ob ihr Gegenüber wirklich der*die ideale Partner*in ist, um eine Familie zu gründen. Wenn ihr bei den Diskussionen nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt, zieht auch immer eine Möglichkeit in Betracht: Streik. Geburtenstreik.