Diese 7 Filme der Festspiele von Venedig müsst ihr unbedingt auf eure Watchlist setzen

Merkt euch diese Filme vor!

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Bei den Filmfestspielen Venedig gab es viele interessante Filme zu sehen. Unter anderem diese. Screenshots: Und morgen die ganze Welt, The World to Come, Notturno, New Order / YouTube

Wer dieses Jahr das Gelände des Filmfestivals Venedig betreten wollte, dem*der wurde zunächst eine lilafarbene „Pistole“ an den Kopf gehalten. Zum Fiebermessen. Wenn das Gerät eine Temperatur von mehr als 37,5 Grad anzeigte, durfte man nicht aufs Gelände.

Auch sonst war dieses Jahr vieles anders beim ältesten Filmfestival der Welt. Da es das erste war, das seit der Corona-Krise durchgeführt wurde, herrschten große Vorsicht und strenge Sicherheitsvorkehrungen: Sowohl auf dem Gelände als auch im Kino musste ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die Ticketbuchung für Filme fand ausschließlich im Internet statt. Nur die Hälfte des Kinos durfte ausgelastet sein.

Und das Programm war weit weniger glamourös als im vergangenen Jahr. Hollywood-Blockbuster wie Joker suchte man bei den diesjährigen Filmfestspielen Venedig vergebens. Auch Netflix, vergangenes Jahr noch mit Marriage Story im Rennen, zeigte keinen Beitrag. Spannende und relevante Filme gab es dennoch zu entdecken. Hier kommen die interessantesten, die ihr euch jetzt schon mal vormerken könnt.

The World to Come

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The World to Come erweitert das Genre lesbischer Historienfilm um einen weiteren tollen Beitrag. Nach Carol, Portrait einer jungen Frau in Flammen und dem bald erscheinenden Ammonite erzählt auch The World to Come von Liebe und Verlangen über gesellschaftliche Normen hinweg. Vanessa Kirby und Katherine Waterston spielen zwei Bäuerinnnen, die sich im 19. Jahrhundert an der US-amerikanischen Frontier erst anfreunden und dann verlieben. Der Film ist so phänomenal reduziert gespielt und wunderschön geschrieben, dass er eine ganz eigene Qualität erhält. So verhalten, so innig, so überwältigend, war die Liebe selten.

Nomadland

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Chloé Zhaos Nomadland war sicherlich der am meisten erwartete Film des Festivals. Francis McDormand (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) spielt darin die Nomadin Fern. Sie lebt in ihrem Van und fährt von Ort zu Ort, meist auf der Such nach Arbeit oder einem Parkplatz. Während wir mit ihr durch die wunderschöne Landschaft der USA streifen, sehen wir, wie die großen Firmen unser Leben umgraben: Fern steht bei Amazon am Band oder belegt bei einer Kette Burger, während die Unternehmen nichts Gutes anrichten, sondern Familien zerstören und Furchen in die Gesellschaft schlagen. Diese Tragik schlachtet der Film aber nie aus. Niemand brüllt sich an, niemand ergreift wutentbrannt die Flucht. Die Größe des Films besteht darin, dass die wichtigen Themen sachte im Fahrtwind von Ferns Van mitschwingt, während der Klavierpop von Ludovico Einaudi anschwillt. Nomadland ist wunderschön und tut sehr weh. Er ist das Highlight des Festivals und ein Oscar-Kandidat.

Final Account

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Die Premiere seines eigenen Films konnte der britische Filmemacher Luke Holland leider nicht mehr erleben. Im vergangenen Jahr ist er an Krebs gestorben. Final Account ist gerade für Deutsche ein sehr interessanter Film. 2008 hat Holland, der selbst Jude ist, angefangen, mit Ex-Mitgliedern der Wehrmacht und SS Interviews über ihre Nazivergangenheit zu führen. Nachdem sie lange erzählen und verharmlosen, grätscht Holland irgendwann selbst dazwischen und stellt die Schuldfrage. Es ist gruselig, anzusehen, wie Menschen sich auch noch so viele Jahre nach ihren Taten selbst belügen.

Und morgen die ganze Welt

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Julia von Heinze, die unter anderem das Hape-Kerkeling-Biopic Ich bin dann mal weg gemacht hat, verfilmt in Und morgen die ganze Welt ihre eigene Antifa-Vergangenheit. Eine junge Jura-Studentin zieht in ein autonomes Zentrum, will was gegen den Rechtsruck in Deutschland tun. Erst werden nur AfD-Veranstaltungen gestört, dann ein paar Naziautos kaputtgeschlagen, schließlich wird sich auch geprügelt. Von Heinze will zeigen, wie einfach politische Radikalisierung vonstattengehen kann, schafft es aber nicht, uns zu vermitteln, wieso ihre Hauptfigur so abdriftet, und findet deshalb nur zu der sehr schwachen Beobachtung: „Auch bei der Antifa gibt es ein paar Spinner, die nur auf Gewalt aus sind.“ Danke, das wussten wir schon. Als erster Spielfilm, der sich intensiv des Themas Antifa annimmt, ist Und morgen die ganze Welt dennoch einen Blick wert.

New Order

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Wenn ein Film einen Klassenkampf zum Thema hat, applaudieren viele Kritiker*innen. Zuletzt so geschehen bei Der letzte Mieter und natürlich Parasite. Auch der mexikanische Film New Order nimmt sich des Motivs an: Bei einer Hochzeit in einem reichen Haushalt begehren die Angestellten auf und rauben ihre Bosse aus. Da wird nicht lang gefackelt, wer nicht spurt, wird abgeknallt. Schließlich verwandelt der Film sich aber in ein Geiseldrama, das aufzeigt, dass eine gewaltsame Revolution des Proletariats wahrscheinlich nicht zum Kommunismus führen wird. Ein schriller, unterhaltsamer Film, ohne leichte Antworten. Und auch hier kann man nur applaudieren.

Pieces of a Woman

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Vanessa Kirby war in Venedig in The World to Come zu sehen und auch in Pieces of a Woman ist sie dabei. Hier spielt Kirby die Ehefrau von Shia LaBouf, die beiden erwarten ihr erstes Kind. Doch die Geburt zu Hause läuft schief, das Kind stirbt. Regisseur Kornél Mundruczó erzählt das in einem unfassbaren, halbstündigen Longtake, der mit ein paar Witzeleien in der Küche beginnt und dem toten Kind auf dem Arm endet. Vielleicht die beeindruckendste Szene des Festivals. Danach versucht er, abzubilden, was mit einer Frau und ihrer Familie nach so einer Tragödie passiert, wie man den Mut zum Leben wiederfinden kann. Ein wichtiges Thema und ein liebevoller Film.

Notturno

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Welche Wunden hinterlässt der Krieg? Diese Frage beantwortet eines der Highlights der diesjährigen Biennale: die Dokumentation Notturno. In sehr stillen Einstellungen, von denen jede so aussieht, als hätte sie gerade einen internationalen Pressefotopreis gewonnen, widmet sich Gianfranco Rosi dem Krieg in Syrien und seinen Auswirkungen. Wir sehen Kinder, die von Folterlagern erzählen, einen Sechsjährigen, der seine Familie ernähren muss, Mütter, die ihre Söhne verloren haben. Erklärt wird nichts, man kann lediglich am Schmerz in den Gesichtern fern erahnen, welche Verbrechen hier begangen worden sind. Gerade in Zeiten, in denen Moria brennt, ein eindrucksvolles Zeugnis aus der syrischen Grenzregion.