Diese Bilder zeigen, dass es viel mehr Hautfarben gibt, als du denkst

Die brasilianische Künstlerin Angélica Dass fotografierte mehr als 4.000 Menschen in 13 Ländern. Mit ihrem Projekt zeigt sie, wie naiv es ist, die Menschheit in schwarz und weiß einzuteilen.

Angélica Dass wuchs in einer Familie auf, in der Hautfarben keine Rolle spielten. Ihre Großeltern, Eltern, Geschwister, Onkel und Tanten, sie alle unterschieden sich, sahen anders aus, doch zur Sprache kam das nie. Das änderte sich für Angélica, als sie in die Schule kam, ihren ersten festen Freund hatte.

Die Brasilianerin erlebte in ihren jungen Jahren, wie Menschen andere anhand ihrer Hautfarben einordnen, sich abgrenzen, Vorstellungen und Vorurteile damit verbinden. Dabei empfindet sie bereits die Fixierung auf nur zwei Farben als völlig falsch: Bis heute wundert sich Angélica, warum immer noch so viele Menschen derart vereinfacht von schwarz und weiß sprechen, wenn sie Hautfarben meinen. Also startete die Fotografin 2016 das Projekt Humanae, um aus ihrer persönlichen Geschichte eine weltweite zu machen und unsere Codes und Vorurteile auf die Probe zu stellen, wie sie in einem Ted-Talk sagt.

Es gibt abertausende verschiedene Hautfarben auf der Welt

Für dieses bis heute andauernde Open-End-Projekt reiste Angélica bereits durch mehr als 13 Länder, fotografierte mehr als 4.000 verschiedene Menschen völlig unabhängig ihrer Namen, Herkunft, ihres Glaubens, sexueller Orientierung oder ihres Alters.

Um zu zeigen, wie vielfältig das Spektrum unserer Hautfarben – oder besser: Hauttöne – ist, entnahm sie den Fotos ein Quadrat aus zehn Pixeln von der Nase, färbte den Hintergrund dementsprechend ein und benannte ihn nach der Pantone-Industriebezeichnung des Farbtons. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Mosaik über die abertausenden verschiedenen Hautfarben auf der Welt.

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Für den Hintergrund der Porträts nutzt Dass ein Quadrat aus elf Pixeln von der Nase, färbt ihn ein und schreibt die Industriebezeichnung des Farbtons dazu. Collage: © Angélica Dass

Angélica möchte ihr Projekt als ein wichtiges Statement verstanden wissen: Jeder Mensch hat seine eigene, individuelle Hautfarbe. Sie möchte zeigen, wie problematisch und naiv es ist, Leute aufgrund dieser zu kategorisieren. Wenn Menschen noch immer mit dem Gedanken erzogen würden, es gäbe etwa schwarze und weiße Menschen auf der Welt, sei das ähnlich absurd, als würde man ihnen erklären, die Erde sei flach.

Was heißt eigentlich schwarz oder weiß? Legt mein lockiges Haar mich fest? Ist es der Ton meiner Haut?

Angélica Dass

Im Gespräch mit dem Mint Magazine erklärt sie, dass viele Menschen den exakt selben Hautton haben, und doch unterschiedlich behandelt würden. Ein blonder Mann mit blauen Augen und eine Frau mit einem lockigen Afro teilen sich im Projekt etwa den gleichen Farbton. „Ich kann versichern, dass sie in den USA als afro-amerikanisch gelten würde und anders behandelt werden würde als er. Aber der Hautton ist genau der gleiche“, sagt sie. Sie selbst sei eine Person mit völlig durchmischtem Erbgut und wolle nicht eine Farbe auswählen müssen, um sich darzustellen. „Was ist es genau, das mich als schwarz oder weiß einstufen könnte? Was heißt eigentlich schwarz oder weiß? Legt mein lockiges Haar mich fest? Ist es der Ton meiner Haut?“

„Ich weiß genau, was in der Farbpalette für schwarz oder weiß steht. Und ich bin mir sicher, unter all meinen Porträts gibt es kein einziges schwarzes oder weißes.“ Die wichtigste Botschaft ihrer Arbeit sei, was die Betrachtenden sehen könnten und was nicht. „Da man niemandem die Nationalität ansehen kann, kann man auch nicht sehen, wer Migrant ist oder nicht. Man kann nicht sehen, wer arm ist oder reich“, sagt Angélica. Die Menschen sind unterschiedlich. Und doch alle gleich.

Mit ihrer Arbeit möchte sie eine fortlaufende Debatte vorantreiben. Nämlich darüber, wie viel Gewicht wir unseren falschen Definitionen von Hautfarben verleihen – und wie nichtssagend sie am Ende bleibt.