Diese Bloggerin zeigt die unschönen Seiten von vermeintlichen Traumstränden

Kristallklares Wasser und makelloser Sand, so sehen die Strände von Bali in unserer Fantasie aus. Eine Bloggerin beweist in einem viralen Facebook-Post, dass die Sehnsuchtsorte in Wahrheit in Plastik ersticken.

Ein Strand voll mit Plastik, das hat die Lifestyle-Bloggerin bislang noch nicht gezeigt.

Ein Strand voll mit Plastik, das hat die Lifestyle-Bloggerin bislang noch nicht gezeigt. Collage ze.tt, Quelle: Facebook

Normalerweise weckt die US-amerikanische Lifestyle-Bloggerin Amelia Whelan mit ihren Fotos vor allem Neid. Inszeniert in vollkommener Instagram-Ästethik zeigt sie sich gerne am Meer posierend, neben Wasserfällen planschend, oder Smoothie-schlürfend in tropischen Paradiesen wie Bali oder Hawaii. Ihr Leben scheint eine Mischung aus Werbespot und Selbstfindungstrip mit ziemlich viel Luxus zu sein.

Aber sie kann auch ernste Töne anschlagen. Mit einem Facebook-Post, der mittlerweile mehr 115.000-mal gelikt und fast 500.000-mal geteilt wurde, rückt sie Umweltprobleme von beliebten Urlaubszielen in den Fokus. Mehrere Bilder und Videos zeigen die angeblichen Traumstrände der indonesischen Insel Bali, wie sie wirklich aussehen: zugemüllt mit Bergen von Plastik.

Keine Bildbearbeitung, nichts geschönt. Auf einem der Fotos kauert Amelia Whelan, ausgestattet mit Sonnenbrille und Pareo, inmitten des Abfalls und hat sichtlich Schwierigkeiten, überhaupt noch eine müllfreie Stelle im Sand zu finden. In einer kurzen Videosequenz sind ihre Füße zu sehen, die sich am Strand den Weg durch haufenweise Plastik bahnen.

This is Bali. This is the Philippines. This is Asia. This is Indonesia. This is Hawaii. This is the real sh*t that…

Gepostet von Amelia Whelan am Sonntag, 8. April 2018

Diese Strände könnten überall auf der Welt sein

In ihrem Post macht sie deutlich, dass die Bilder von den zugemüllten Tourist*innenstränden überall auf der Welt stammen könnten. Strände neben dem berühmten Surfspot, zu dem du schon immer paddeln wolltest. In der Nähe des süßen Hipster-Cafés mit den fancy Acaí-Bowls. Unter dem schönen Infinity-Pool. „Das ist Bali. Das sind die Philippinen. Das ist Asien. (…) Das ist der Scheiß, den du in deinem Newsfeed nicht siehst.“ Amelia Whelan ist nicht die Erste, die auf die immense Plastikverschmutzung aufmerksam macht. Erst kürzlich hat ein Taucher in der Nähe von Bali mit erschreckenden Filmaufnahmen gezeigt, wie er sich unter Wasser durch Unmengen von Müll kämpfen muss.

Die Bloggerin mag bis zu einem gewissen Grad ihre eigene Glaubwürdigkeit untergraben, da sie zu dem Post mit ihrer geschönten Bildsprache dazu beitrug, den Mythos von müllfreier Exotik zu verbreiten. Doch sie scheint es ernst zu meinen und für ihr Anliegen in Kauf zu nehmen, die Follower*innen vor den Kopf zu stoßen. In ihrem Post schreibt sie: „Ich habe geweint, als ich gestern an diesem Strand entlangging und die Aufnahmen machte.“

Dann formuliert sie einen Appell, selbst gegen die Umweltverschmutzung aktiv zu werden. Dazu gibt sie praktische Tipps, die auch jede*r Reisende befolgen kann: zum Beispiel wiederverwendbare Flaschen, Taschen oder Besteck zu verwenden, Proviant in eigenen Behältnissen zu transportieren, in der Bar auf den Strohhalm zu verzichten, Wasser im Restaurant nachfüllen zu lassen, ökologische Unterkünfte auszuwählen und auch im Ausland den eigenen Müll zu recyceln.

Auch wenn Amelia Whelan sicherlich einige Menschen im Netz mit dieser Botschaft erreicht hat: Privates Engagement wird nicht ausreichen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Expert*innen schätzen, dass rund 150 Millionen Tonnen Abfall unsere Meere verschmutzen. Wissenschaftler*innen weisen darauf hin, dass sich vor allem die Primärproduktion von Plastik drastisch verringern muss. Zudem wird unter Hochdruck daran geforscht, wie man den bestehenden Plastikmengen Herr werden kann. Ein vielversprechender Weg könnte sein, das Recycling durch den Einsatz von Bakterien zu perfektionieren, die sich von Plastik ernähren. Wie der Guardian berichtet, ist es Forscher*innen nun zufällig geglückt, das dafür verantwortliche Enzym durch Mutation um 20 Prozent leistungsfähiger zu machen. Diese Methode könnte also in Zukunft tatsächlichen einen wichtigen Beitrag leisten.