Diese drei Denkansätze bauen dich wieder auf, wenn du gerade gescheitert bist

Ihr habt eine Prüfung verhauen oder müsst mit einem Misserfolg im Job klarkommen? Diese drei Lektionen können euch helfen, den Mut nicht zu verlieren und wieder aufzustehen.

Hinfallen gehört zum Erfolg dazu. dreidreieins fotografie / photocase.de

Was ist eigentlich so schlimm am Scheitern? Man setzt sich ein Ziel und erreicht es nicht. Das gehört zum Leben wie Käse auf die Pizza. Für die meisten Menschen ist Scheitern aber immer noch ein No-Go. Es passt nicht zum positiven Bild, das wir gerne von uns präsentieren. Erfolge vorzeigen, das ist relativ leicht. Selbstbewusst mit Niederlagen umgehen? Das machen die wenigsten. Diese drei Denkanstöße helfen euch, reflektiert mit dem Scheitern umzugehen und wieder auf die Erfolgsspur zu kommen:

1. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren

Axel ist 39 und hat sein Ziel auf Umwegen erreicht. Eine nicht bestandene Physikprüfung war sein Schlüsselmoment. Zweimal war er schon durchgerasselt, darum bereitete er sich dieses Mal nächtelang vor: „Ich musste unbedingt im dritten Anlauf in der Physik-Klausur bestehen, damit ich den Bachelor in Medientechnik machen kann. Nur diese eine Prüfung noch! Dann hatte ich leider einen Blackout. Ich hatte so einen Druck, dass ich gar nichts mehr wusste. Schnell war mir klar – das habe ich verkackt!“

Axel wusste, dass er von der Uni fliegen würde, das Studium durfte er in Deutschland nicht fortsetzen. „Ich war am Boden zerstört, fiel ins Bett und habe erst mal 1,5 Tage durchgeschlafen. Dann musste schnell eine Ablenkung her. Bei mir war es das Fliegenfischen, da hatte ich genügend Zeit wieder klarzukommen.“ Erst mal Abstand nehmen, weg aus der Welt und von den erfolgreichen Kommiliton*innen. Aber auch schnell weiterschauen – wie soll es weitergehen?

[Auch auf ze.tt: Scheitern kann euch voranbringen – wenn ihr richtig damit umgeht]

„Ich hatte schon eine Ausbildung als Tontechniker, also beschloss ich erst mal wieder freiberuflich zu arbeiten. Ich wollte unbedingt in dem Bereich weiterkommen, daher überlegte ich, was eine Alternative sein könnte. Da entschloss ich, den Meister in Tontechnik zu machen. Ich wollte 100 Prozent geben und der Beste sein!“

Aus der Exmatrikulation entwickelte Alex eine neue Perspektive. Er hat sich ein Ziel gesetzt und es über Umwege erreicht. Die Motivationsforschung spricht von einer selbstverpflichtenden Zielbindung: das Ziel trotz Widrigkeiten nicht aus den Augen zu verlieren. „Wer für ein Ziel brennt, der nimmt ein Scheitern und Misserfolge eben mal hin, wichtig ist nur, nicht zu lange beim Jammern und Klagen hängen zu bleiben, sonst verpasst man den Moment wieder aufzustehen“, sagt die Psychologin Lilo Endriss, zu deren Spezialgebiet ein kreativer Umgang mit dem Scheitern gehört.

„Man sollte darauf achten, den Misserfolg nicht persönlich zu nehmen und womöglich deswegen zu verbittern.“

2. Ohne Rückschläge kein Vorankommen

Für Skateboarder*innen sind Bails und Slams, wie es im Fachjargon heißt, ständige Begleiter. Sie nehmen Stürze und Schmerzen in Kauf, um ihr Ziel zu erreichen: einen Trick zu schaffen. Einer, der Auskunft darüber geben kann, ist Yannick. Der 29-jährige Profiskater aus Berlin sagt: „Man verbringt erst mal viel Zeit auf dem dreckigen Boden – das frustriert schon ganz schön und man muss sich schnell eine Technik überlegen, wie man den Trick schafft.“

Niederlagen sind Teil des Prinzips beim Skaten, das Aufstehen gehört einfach dazu. Es ist normal, dass ein Trick mal nicht klappt. „Wenn Kopf, Beine und Board einfach nicht wollen, denn rege ich mich schon mal mega über mich selbst auf. Denn Slams verursachen am ganzen Körper heftige Schmerzen. Ich versuche dann trotzdem einen klaren Kopf zu bewahren und meine Fehler zu analysieren. Man muss sich selbst positiv zureden, dass man jeden Trick eigentlich schaffen könnte. Wenn es nichts wird – das können auch schon einmal hundert Fehlversuche sein – dann gehe ich einfach nach Hause. Am nächsten Tag komme ich dann wieder zum Spot und arbeite weiter an dem Trick.“

Um erfolgreich mit dem Hinfallen umzugehen, rät die Psychologin Lilo Endriss, müsse man seine Fehler analysieren – und zwar ohne Selbstvorwürfe. „Was brauche ich, um mein Ziel in einem zweiten oder auch vierten Anlauf doch noch zu erreichen?“

3. Das Selbstwertgefühl vom Misserfolg abkoppeln

Mit einer Beziehung zu scheitern, kann sehr schmerzhaft sein. Sina, 30, hat ihre Erfahrung damit gesammelt. Die Lehrerin lernte einen Typen kennen und stellte schnell fest, dass beide viele gemeinsame Interesse haben. „Ich dachte, das wäre die große Nummer, ich habe mich richtig in ihn verguckt, es war einfach perfekt! Nur ging er dann nach ein paar Monaten auf Distanz. Er sagte zwar immer, er wolle eine Beziehung, aber ich spürte, dass da nicht so viel von ihm kam. Ich fühlte mich schon komisch, aber hatte einfach die Hoffnung, dass es was werden könnte. An meinem 30. Geburtstag beendete er dann endgültig die Beziehung.“

[Auch auf ze.tt: Warum gerade clevere Menschen so oft im Job scheitern]

Um wieder auf die Beine zu kommen, versuchte sie die schmerzhafte Erfahrung mit Alkohol runterzuspülen. Sie flirtete mit anderen Typen ließ sich ihr Ego von Freundinnen wieder aufbauen: „Ich brauchte dringend Selbstbestätigung!” Mit Party, Alkohol und Drogen auf solche Situationen zu reagieren, ist ein gängiges Mittel, allerdings lindert es nur die Symptome. Für ein gesundes Selbstmanagement braucht es mehr Einsicht. Sina sagt: „Ich merkte, jetzt war es Zeit, einiges zu ändern: erst mein Referendariat abschließen und dann meinem Leben einen kompletten Neuanstrich geben. Da kam das Stellengesuch für eine Lehrerin in Spanien gerade richtig.” Sie ging ein Jahr nach Spanien, um dort zu arbeiten.

Gerade nach einer gescheiterten Beziehung muss man sich auf seine Stärken und Selbstzweifel ausblenden. Die Psychologin Lilo Endriss meint: „Man muss sein Selbstwertgefühl vom Misserfolg einer gescheiterten Beziehung abkoppeln.“

Wer über sein Scheitern reflektiert, der kommt zu neuen Erkenntnissen, die einem klar machen, das ist wirklich mein Ziel oder die Beziehung war nicht gut für mich. Wer das kann, der ist auf einem guten Weg und kann Misserfolge wegstecken. „Seid stolz auf das, was ihr bisher geschafft habt – und holt euch Unterstützung, das gehört auch zu einem guten Selbstmanagement,“ sagt Lilo Endriss. Also traut euch zu scheitern!