Diese feministischen Pornoregisseurinnen solltest du kennen

Die männerdominierte Mainstream-Pornografie macht es Frauen schwer, Pornos nach ihrem Geschmack zu finden. Aber es gibt sie. Ein Überblick

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Viele Menschen lieben Sex. Und einige lieben es, anderen dabei zuzusehen – zum Beispiel auf dem Bildschirm. Pornografie eben. Die männerdominierte Mainstream-Pornografie funktioniert jedoch oft darüber, dass Frauen als Objekte dargestellt werden, mit denen Sex gehabt wird, statt als Subjekte mit eigenen sexuellen Wünschen. Der sogenannte male gaze, der männliche Blick, ist allgegenwärtig. Dabei werden Frauen durch die Augen eines stereotypischen heterosexuellen Mannes gesehen, der mit ihnen tut, was ihm gefällt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele Filmemacher im Pornogeschäft männlich sind.

Doch dieser Art von Pornografie stellen sich feministische Regisseur*innen entgegen, die sich mit den Wünschen und der Lust von Frauen und LGBTQI auseinandersetzen. In ihren Filmen haben Frauen und LGBTQI eine Stimme und werden dazu angeregt, sich mit ihrer eigenen Sexualität und ihren Wünschen auseinanderzusetzen und diese zu kommunizieren. Und auch Männer bekommen so die Möglichkeit, ihre Sexualität und Rolle zu reflektieren.

Seit 2006 gibt es die Feminist Porn Awards, eine Art Oscar für feministische Pornografie. Ein Sexfilm ist demnach feministisch, wenn er ethisch vertretbar ist. Das heißt, dass alle involvierten Personen zu fairen Konditionen an dem Film gearbeitet haben. Die Diversität von Gender, Ethnie und sozialer Klasse stehen an oberster Stelle und die Stilrichtungen reichen von kinematografischer Pornografie bis zu BDSM. Alles kann feministisch sein, solange es mit gegenseitigem Respekt und zu fairen Bedingungen entsteht. Wir haben eine Liste von feministischen Filmemacherinnen zusammengestellt, die ihr kennen solltet.

Courtney Trouble

Diese preisgekrönte Pornodarstellerin, Regisseurin und – nicht zu vergessen – Mutter ist ein krasses Beispiel für Geschäftstüchtigkeit. Bereits als 19-Jährige gründete sie NoFauxxx.com mit dem Ziel, eine alternative Onlineplattform zu schaffen, die inklusiv und authentisch ist. Die Webseite gilt als die erste Queer-Porno-Plattform. Troubles Pornografie ist ehrlich, authentisch und spricht Liebhaber*innen der harten Pornografie besonders an. Ihr wohl bekanntester Film ist Seven Minutes in Heaven: Coming Out, ein queerer Gonzo-Film. Das ist eine Filmart, bei der der*die Regisseur*in aktiv in das Geschehen eingreift, indem Anweisungen gegeben werden und die Person selbst am sexuellen Akt teilnimmt. Neben dieser erfolgreichen Onlineplattform ist Trouble die Gründerin der Produktionsfirma TROUBLEfilms und der auf sogenannte queer und kinky Pornografie fokussierte Onlineplattform QueerPorn.TV, für die sie 2011 den Feminist Porn Award in der Kategorie Honored Website erhielt.

Erika Lust

Taucht ihr in feministische Pornografie ein, kommt ihr um diese Frau aus Schweden nicht herum: Erika Lust ist wohl die derzeit bekannteste feministische Pornoregisseurin – und das zu Recht. Mit ihrem Projekt xconfessions gibt sie Menschen die Möglichkeit, ihre eigenen Sexfantasien in einem Film umzusetzen. Ihre Filme heizen euch nicht nur ein, sondern sind künstlerisch ausgereift und wunderschön anzusehen. Besonders ans Herz zu legen sind die Filme Meanwhile in a parellel universe (Co-Regisseur Hadas Hinkis) und Pouring Pleasure mit Darstellerin und Aktivistin Lina Bembe. Weitere Filme von Erika Lust findet ihr auf ihrer Webseite.

Shine Louise Houston

Für Shine Louise Houston steht Diversität im Fokus ihrer filmischen Arbeit. Als Schwarze und queere Filmemacherin möchte sie mit der Repräsentation von Minderheiten der männerdominierten, weißen Mainstream-Pornografie etwas entgegensetzen. In ihren Filmen werden Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Gender und sexueller Präferenzen gezeigt. Diese Diversität ist wohl in keiner ihrer Arbeiten so anschaulich zu sehen wie in der Filmreihe Crash Pad Series. In Episode 172: Lyric Seal and Joey Minx Houston verführt eine Frau im Rollstuhl ihre Mitbewohnerin – ein 24-minütiges Prachtstück alternativer, inklusiver Pornografie. In Episode 182: Chocolate Chip and Tastee Treasures haben zwei Frauen nach einer Comic Con Spaß miteinander, zu Beginn noch in ihren Outfits. Houston hebt Pornografie auf eine für jede*n zugängliche Bühne – keine Scham, nur Lust und Raum für sexuelle Offenheit. Houston ist auch die Gründerin von Pink and White Productions, einer etablierten US-amerikanischen Porno-Produktionsfirma.

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Foto: Pink and White Productions

Jennifer Lyon Bell

Wer es gerne etwas kinematografischer mag, ist bei Jennifer Lyon Bell bestens aufgehoben. Die Harvard-Absolventin kombiniert in ihrer Arbeit Arthouse Cinema mit Sex. Mit ihrer Produktionsfirma Blue Artichoke Films zielt sie darauf, sexuelle Intimität als ein qualitativ hochwertiges Filmprodukt darzustellen. Eines ihrer progressivsten und womöglich genre-definierendsten Projekte ist der Film Second Date: ein 360-Grad-Virtual-Reality-Erlebnis sexueller Intimität zwischen zwei Menschen. Ihre Arbeit ist geprägt von der Spontanität und der Freiheit der schauspielenden Künstler*innen. Außerdem legt Bell Wert darauf, unterschiedliche Ethnien in jeden Aspekt des Filmemachens einzubinden. Für ihre Arbeit wurde sie bereits bei den Feminist Porn Awards ausgezeichnet.

Ms Naughty

„Die Zelebrierung von Sex“, so leitet die Onlineplattform Bright Desire ihr Angebot an alternativer Pornografie ein. Und was zuallererst auf der Seite auffällt, ist, dass fast in jedem Thumbnail der angebotenen Videos gelacht und Spaß gehabt wird. Die australische Gründerin und ehemalige Journalistin Ms Naughty will mit ihrer Darstellung von smart porn die Freude, Intimität und echte Befriedigung, die bei Mainstream-Pornografie oft unter den Tisch fällt, in ein neues Licht rücken. Die Webseite verfügt über selbstgedrehte Videos von Paaren („Taste“) und Selbstbefriedigungs-Filme („Fists are for fucking, not fighting“) sowie Gruppensex-Angebote. Ganz egal, wer Sex hat, es wird gelacht, Spaß gehabt und die Ekstase genossen. Genau das, was beim Sex eigentlich ganz selbstverständlich sein sollte. Neben der Onlineplattform spricht Ms Naughty auch offen auf ihrem Blog über Entwicklungen in der feministischen Pornografie.

Ganz egal, wer Sex hat, es wird gelacht, Spaß gehabt und die Ekstase genossen.

Madison Young

Für Madison Young ist Pornografie nicht nur Sex vor der Kamera. „In meiner künstlerischen Arbeit setze ich mich mit mir selbst und den Teilen meiner Identität auseinander, die aus Mutter, Queer, sexuellem Wesen, Feministin, Sexarbeiterin und Künstlerin bestehen“, schreibt sie auf ihrer Webseite. Young hat bei über 40 Filmen Regie geführt und in über 100 Filmen selbst vor der Kamera gestanden. Sie ist eine Vorreiterin in feministischer Bondage-Pornografie. Besonders zu empfehlen sind Bondage Boob Tube und The Tail of a Bondage Model. In diesen Filmen steht einer ihrer Kernwerte im Fokus: die eigene sexuelle Ermächtigung. Young legt großen Wert darauf, jungen Menschen ein neues Verständnis von Pornografie und Sexualität zu vermitteln. Mit ihrer Serie University of Pleasure, die Workshops, Vorlesungen und Diskussionen enthält, tritt Young seit 2006 an Universitäten auf und spricht mit Studierenden über Sexualität und Stigmata.

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