Diese Fotografin lässt die Schmerzen von Frauen glitzern

Die Fotografin Hannah Altman ersetzt Erbrochenes, Tränen und Blut von Frauen durch Glitzer. Damit möchte sie zeigen, wie hoch der gesellschaftliche Druck auf Frauen ist, immer schön zu sein.

Mädchen sind aus Zucker und Gewürz und allem Schönen gemacht, Jungs aus Schnipseln und Schnecken. So sagt es ein Gedicht aus dem frühen 19. Jahrhundert und vermittelt damit klare Rollenbilder. Männer sind die mutigen, starken Abenteurer und Frauen sind süß, nett und sollen hübsch aussehen. Heute, im Jahre 2018, sind die Erwartungen an Frauen, immer schön aussehen zu müssen, immer noch aktuell.

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Zeitschriften und Blogs zeigen vorwiegend Frauen mit Modelmaßen: lange Beine, schlanke Taille, volle Lippen. Damit erhöhen sie den Druck auf Frauen, diesem unrealistischen Schönheitsideal zu entsprechen.

Die Welt scheint sehr interessiert daran, Frauen zu kontrollieren.“ – Hannah Altman

Die Art, wie sie aussehen, sich verhalten und ihre Körper verwenden, werde ständig angegriffen und verurteilt. „Die Welt scheint sehr interessiert daran, Frauen zu kontrollieren“, sagt Fotografin Hannah Altman. Sich als Frau die Knie aufzuschlagen werde in der Gesellschaft nicht als mutig oder abenteuerlustig gesehen, sondern als schwach und ungeschickt. Zu oft geht es nicht mehr um den Schmerz, sondern nur darum, ihn zu kaschieren, damit Frauen nicht an Schönheit einbüßen müssten.

Mit ihrer Arbeit widersetzt sie sich den gesellschaftlichen Vorstellungen, wie Frauen auszusehen haben und spielt mit den Erwartungen der Betrachtenden. In ihrer Fotoserie And everything nice (auf deutsch: Und alles Schöne) zeigt die damals 19-Jährige Frauen, die leiden.

Die Tränen, das Blut oder das Erbrochene ersetzt sie allerdings durch bunten Glitzer. Denn: „Niemand ist von Glitzer angewidert, aber Glitzer ist schwer zu verstecken. Blut kann weggewischt werden, aber roter Glitzer hinterlässt Rückstände und erinnert so an den Schmerz“, sagt Hannah Altmann. Damit verharmlost sie das, was eigentlich Ekel hervorruft, mit etwas Schönem und Ästhetischem. Ihre Arrangements verdeutlichen, dass der Druck attraktiv zu sein für Frauen nicht aufhört, wenn sie leiden.

Niemand ist von Glitzer angewidert.“ – Hannah Altman

Auf einem Foto sieht man etwa eine junge Frau, die sich übergeben hat. Statt Erbrochenem ist aber eine Pfütze aus grünem Glitzer in der Toilette. Ein anderes Foto zeigt roten Glitzer in einem Schlüpfer statt Menstruationsblut. Die heute 22-Jährige aus Pittsburgh, Pennsylvania möchte damit aufzeigen, wie absurd die gesellschaftliche Erwartungshaltung an Frauen ist: Auch wenn es ihr schlecht geht, muss sie schön und vorzeigbar aussehen.

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Mit dem Titel ihrer Serie And everything nice bezieht sich Hannah Altman auf das Gedicht, nach dem Frauen aus allem Hübschen gemacht seien. Dass dem nicht so ist, nicht so sein kann und nicht so sein sollte, wird durch ihre Fotos deutlich.