In diesen intimen Bildern zeigen Frauen* ihr Leben während der Corona-Krise

Das Coronavirus hat unser Leben mehr ins Private verlagert. Wie gehen fotografierende Frauen und trans Menschen mit dieser Entwicklung um? Diese eindrucksstarken Bilder zeigen es.

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Wie geht das hier weiter? Screenshots: © @wpthejournal / Instagram

Ein Schwarzweißfoto einer Frau. Sie sitzt an einem Tisch, den Kopf in die Hand gestützt. Neben ihr steht eine Tasse, sie schaut auf einen Laptop vor sich. Ihr Blick: irgendwas zwischen verträumt und gelangweilt. Ihr Selbstporträt beschreibt die in New York wohnende Italienerin Gaia Squarci so: „Ich sitze jeden Tag unzählige Stunden an meinem Tisch. Ich arbeite, trainiere zu Technomusik, niemand unterbricht mich, niemand stört meine Stille. Egal, was ich tue, es läuft zu meinen Bedingungen.“

Ihr Foto ist Teil eines Projekts, das zeigt, wie Frauen und trans Menschen mit der Corona-Krise und der damit einhergehenden Selbstisolation umgehen. WP the journal nennt es sich, wobei WP für Women Photograph steht. Hinter WP steht Daniella Zalcman, eine vietnamesisch-US-amerikanische Dokumentarfotografin. Women Photograph soll die Arbeit von fotografierenden Frauen und trans Menschen sichtbarer machen. WP the journal ist eine Art Spin-off von WP, das die besondere aktuelle Lage aufgreift. Die Idee dazu hatte die Berliner Fotografin Charlotte Schmitz. Sie hatte die WP-Community auf Facebook gefragt: „Was, wenn hunderte kreative, weibliche Fotograf*innen aus mehr als hundert Ländern ihre privaten Räume und ihre tägliches Leben während der Pandemie dokumentierten?“ Sofort fanden sich hunderte Teilnehmer*innen aus vielen Teilen der Welt zusammen. „Mit so viel Rückmeldung hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet“, sagt Charlotte zu ze.tt. Gemeinsam mit Hannah Yoon aus Philadelphia kümmert sie sich nun um WP the journal.

Hinweis: Die Galerie besteht aus Instagram-Posts mit Carousel-Funktion (erkennbar an den Pfeilen innerhalb der Bilder).

Selbstporträts, leere Straßen, sparsames Licht

„Private Räume sind das Zentrum unseres Lebens geworden“, heißt es auf der dazugehörigen Website. „Beziehungen zu anderen sind reduziert, verstärkt, digitalisiert.“ Die Beziehung zu sich selbst sei gleichzeitig quälend und eine Entdeckungsreise. „Wir sind mehr als 400 fotografierende Frauen und trans Menschen aus der ganzen Welt, die unsere Leben während der Pandemie dokumentieren und uns über unser geliebtes Medium verbinden.“

Die Kunstwebsite artsy.net schreibt: „Das Journal hilft dabei, dass die Stimmen marginalisierter Fotograf*innen während der Krise nicht verloren gehen.“ Tatsächlich stammen die Fotos aus vielen unterschiedlichen Gegenden der Welt und zeigen auf intime Art und Weise, wie Frauen und trans Menschen rund um die Welt die aktuelle Situation wahrnehmen. Es sind verträumte Bilder, häufig in verwaschener Optik und sparsamem Licht, Silhouetten im Gegenlicht, menschenleere Straßen. Und immer wieder Blicke aus dem Fenster oder auf Bildschirme von Smartphones oder Tablets – oft als Selbstporträts geschossen. Ob Belgien, Mali, Saudi Arabien oder Chile: Der Rückzug ins Private erscheint überall auf der Welt mit ähnlichen Gefühlen und Gedanken einherzugehen.

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