Diese Fotos zeigen Alltagssituationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Egal, ob in der Wanne baden oder auf der Couch lümmeln: Das Projekt Set In The Street inszeniert Alltagssituationen und zeigt, was die Perspektive ausmachen kann.

Nah oder fern, halbvoll oder halbleer, klein oder platzsparend – manchmal ist es nur eine Frage der Perspektive. Das dachte sich auch der in New York City lebende Fotograf Justin Bettman und zeigt mit seinem Foto-Projekt Set In The Street, was die Perspektive ausmachen kann und dass es sich manchmal lohnt, ein bisschen genauer hinzusehen. Die Fotos zeigen Alltägliches, Situationen, die wir aus unserem Leben so oder so ähnlich kennen: Zeitung lesen in der Badewanne, selbstkritisch im Frisiersalon sitzen, gelangweilt beim Essen oder im Wohnzimmer hocken … Justin inszeniert in diesem Projekt keine außergewöhnlichen Situationen und arbeitet auch nicht mit weltbekannten Models zusammen.

[Außerdem bei ze.tt: Dieser Künstler zeigt, wie es auf bekannten CD-Covern weitergehen könnte]

Doch tritt man einen Schritt zurück und zoomt aus den Fotos heraus, wird plötzlich klar: Das, was wir beim ersten Betrachten ganz eindeutig für ein Badezimmer, ein Wohnzimmer oder ein Büro gehalten haben, ist nicht viel mehr als eine riesige, bunte Fotokulisse, die der Fotograf inmitten einer Straße aufgestellt hat. Auf einmal befindet sich die gemütliche Leseecke an der Londoner Themse, den Big Ben im Hintergrund; das Wohnzimmer im Stil der 1950er Jahre steht am belebten New Yorker Times Square und der Coiffeur schneidet Haare offenbar mit Blick auf die Überreste der Berliner Mauer. Die Kulissen bestehen aus alten, nicht mehr benötigten Materialien und ausgesonderten Möbeln. Doch auch nachdem Justin seine Fotos gemacht hat, verzichtet Justin darauf die Kulissen sofort abzubauen: „Nachdem ich fotografiert habe, lasse ich die Kulisse stehen, damit andere darin ihre eigenen Fotos machen können.“

Der kleine Teil eines großen Bildes

Und tatsächlich: Wer auf Instagram nach dem Hashtag #SetInTheStreet sucht, findet fast 1.500 Einträge und jede Menge Fotos von Menschen, die in Justins alten Fotokulissen posieren. Zu Beginn baute Justin die Sets noch selbst, doch als das Projekt immer größer und bekannter wurde, suchte er sich eine Prager Produktionsfirma, die nun für den Kulissenbau verantwortlich ist.

Eigentlich fing das Ganze damit an, dass Justin gerne aufwendige Innenkulissen fotografieren wollte, aber kein Geld hatte, um sich ein Studio zu leisten. „Deshalb beschloss ich, die Sets draußen zu bauen“, gibt er zu.

Ich spiele mit der Vorstellung von Perspektive und wie wir manchmal nur den kleinen Teil eines großen Bildes sehen.“

Justin veröffentlicht die Fotos immer in zwei Versionen: Einmal die beschnittene Aufnahme, in der ausschließlich die Kulisse zu sehen ist und einmal das komplette Foto: „Ich spiele mit der Vorstellung von Perspektive und wie wir manchmal nur den kleinen Teil eines großen Bildes sehen“, erklärt er gegenüber ze.tt. Mittlerweile hat sich Set In The Street zu einer Herzensangelegenheit für Justin entwickelt, welche er unbedingt weiterverfolgen möchte: „Es ist natürlich sehr zeitintensiv und ich habe noch andere laufende Projekte, daher mache ich nur ein bis zwei Kulissen im Jahr, aber ich möchte das Projekt auf jeden Fall fortführen.“

Weitere Arbeiten von Justin findet ihr auf seiner Webseite, der Projekt-Webseite seinem Instagram-Account.