Diese Fotos zeigen das komplizierte Verhältnis zwischen Tieren und Menschen

Pferde auf brennenden Ölfeldern und schlafende Kühe in den Straßen Indiens: Fotograf Steve McCurry hat weltweit die Beziehung zwischen Menschen und Tieren dokumentiert.

Der Boden ist schwarz von Öl und durchfurcht von kurvigen Schlieren, die schwere Autos hineingedrückt haben. Die Sicht ist beschränkt, Rauch hängt in der Luft. Im Hintergrund brennen die Ölfeuer Kuweits – während des Golfkrieges 1991 setzten irakische Streitkräfte sechs- bis siebenhundert Erdölquellen in Brand. Durch diese apokalyptische Szenerie schreitet ein mageres, schwarzes Pferd mit struppigem Fell.

„Es war nachtdunkel, als wir durch die Ölfelder fuhren“, erinnert sich der Fotograf Steve McCurry an die Szenerie. „Dieses Pferd war eines von vielen verwaisten Tieren, die während der Kämpfe zurückgelassen wurden. Während wir durch die Wüste fuhren, saß ich auf der Motorhaube des Autos, etwa zehn Meter von den Feuern entfernt.“

Fotos von Kriegen und Tieren

Steve McCurry ist einer der bekanntesten Kriegsfotografen und Fotojournalisten der Welt. Bekannt wurde er durch seine Fotos der sowjetischen Besatzung Afghanistans in den 1980er-Jahren. 1984 fotografierte er ein afghanisches Mädchens mit stechend grünen Augen, das weltweit auf Zeitungen und Magazinen abgedruckt wurde.

35 Jahre später hat McCurry ein für ihn eher ungewöhnliches Fotobuch veröffentlicht. Es handelt von den Beziehungen zwischen Menschen und Tieren, die McCurry auf der ganzen Welt beobachtet hat. Die farbigen Fotos zeigen Tiere als Gefährten, Mitarbeiter, Transportmittel, Trophäen oder einfach nur als zufällige Begegnung.

Das Leben von Tieren an Kriegsschauplätzen hat McCurry besonders getroffen: „Es bricht einem das Herz, diese Tiere zu sehen, deren Wächter wir eigentlich sein sollten. Diese Tiere sind dem Gemetzel des Krieges entkommen, sie wurden zurückgelassen und wandern auf der Suche nach Essen und Schutz über die Straßen.“

Zeitungslesende Hunde

McCurrys Fotografien zeigen aber auch glücklichere Momente: Einen Römer mit Zigarette, der zusammen mit seinem Hund auf der Stufe vor einem Café die Zeitung La Repubblica liest. Oder einen jungen Inder, der eine Kuh als Kissen für einen gemeinsam Mittagsschlaf nutzt. Andere Fotos regen zur kritischen Reflexion an, beispielsweise das Bild von Rennpferden auf einem Dach von Hongkong oder das von Elefanten neben sonnenbadenden Touristinnen in Sri Lanka.

Schon früh in seiner Karriere begeisterte sich McCurry für Tierfotografie. Sein erstes Fotobuch schenkte ihm seine Schwester: Son of Bitch von Elliott Erwitt. Es zeigt Bilder von Hunden und ihren Besitzer*innen. „Das war das erste Mal, dass ich ein Tierbuch mit Humor, Pathos und wunderbarem Storytelling sah“, sagte McCurry CNN.

Für seine Dokumentationen von Kriegen und Konflikten reiste McCurry durch die ganze Welt – und fotografierte dabei immer auch Tiere. Eine Auswahl seiner Tierfotografien sind nun in dem Bildband Animals veröffentlicht.


Taschen-Verlag, Steve McCurry: Animals, Hardcover, 252 Seiten, 50 Euro

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