Diese Fotos zeigen Irans widerständige Jugend

Einen Monat reiste der Fotograf David Tesinsky durch Iran. Über Couchsurfing lernte er Gleichaltrige kennen, die ihn auf illegale Partys mitnahmen. Immer mit dabei: die Kamera.

Seine erste Nacht in Iran verbrachte der Fotograf David Tesinsky bei einem Couchsurfing-Host. Der lebt zusammen mit seiner Familie in einem großen Haus ein wenig außerhalb Teherans. Zur Begrüßung bot die Familie Tesinsky verschiedene Sorten selbstgemachten Alkohols an. Später kamen Freund*innen zu einer Maskenparty vorbei, es gab noch mehr Alkohol, es wurde getanzt und geknutscht. Es war eine Nacht, die Tesinsky in Erinnerung bleiben sollte.

Über Iran wusste Tesinsky vor seiner Reise hauptsächlich, dass man dort eine Menge Dinge nicht tun darf. Zum Beispiel Alkohol trinken. Oder jemanden in der Öffentlichkeit küssen. Gleichzeitig wusste Tesinsky, dass dies nur eine Seite Irans ist: die offizielle. Aktuelle Filme wie Raving Iran zeigen, dass junge Iraner*innen genauso tanzen, trinken und knutschen wie andere Jugendliche. Nur eben privat.

„Sie leben geheime Leben in ihren Häusern“, sagt der Fotograf. Das war der Grund, weshalb er sich ein Flugticket buchte. Er wollte dieses geheime Leben Irans kennenlernen. Bereits seine erste Nacht im Land war ein Volltreffer.

Von knutschenden Männern und rauchenden Frauen

Während seiner Zeit in Iran fotografierte er Männer, die sich küssen, Frauen, die Lippenstift tragen und Shisha rauchen, Frauen, die den Mittelfinger zeigen, und Männer, die Breakdance tanzen. „Ich war beeindruckt, dass mir viele erlaubt haben, sie zu fotografieren. Denn das kann ein Risiko für sie sein“, sagt Tesinsky. Zum Schutz seiner Protagonist*innen sind viele Bilder zensiert, man erkennt die Gesichter der Abgebildeten nicht vollständig.

Die revolutionäre Untergrundbewegung der iranischen Jugend hat Tesinsky sein Fotoprojekt genannt. „Das Revolutionäre ist meistens symbolisch: zum Beispiel, eine Pistole in den Farben der US-Flagge zu küssen, oder jemand anderen zu küssen, während man den Koran hochhält“, sagt Tesinsky. „Damit zeigt die Jugend, dass ihr die Regeln egal sind und sie ihre Leben frei leben wollen.“

David Tesinsky ist ein Dokumentarfotograf, der sich besonders für Subkulturen in den verschiedensten Ländern interessiert. Dieses Interesse führt den gebürtige Tschechen rund um die Welt, er fotografierte schon Frauen, die in den ostukrainischen Regionen Donetsk und Luhansk kämpfen, Punks in Berlin, die LGBTQIA-Community in Weißrussland, Dragqueens in Kuba – und eben jetzt die widerständige Jugend Irans.


Mehr über die Arbeit von David Tesinsky erfährt man auf seiner Homepage oder seinem Instagram-Account.