Diese Frau kämpft für das Ende des Kapitalismus

Lucy Redler will etwas verändern – und zwar alles: Das Ende des Kapitalismus soll der Anfang des Sozialismus sein. Ein Interview mit der politischen Aktivistin.

Wir treffen Lucy Redler an einem warmen Sommertag am Landwehrkanal in Berlin-Neukölln. „Ich muss pünktlich wieder weg und die Babysitterin ablösen“, sagt sie gleich zu Beginn des Interviews. Lucy ist vor einigen Wochen zum ersten Mal Mutter geworden. Ihr Wochenbett hält die 39-jährige nicht davon ab, Interviews zu geben und ihre politische Arbeit weiter zu verfolgen. Sie ist Mitglied im Parteivorstand der Linken, eine von fünf Sprecher*innen der innerparteilichen Strömung Antikapitalistische Linke, SAV-Bundessprecherin und setzt sich für mehr Personal im Krankenhaus ein.

Lucy Redler kämpft gegen den Kapitalismus und für eine sozialistische Gesellschaft – beides seit den 1990er Jahren, in denen sie durch rassistische Angriffe auf Migrant*innen politisiert wurde. Seitdem möchte sie die Gesellschaft verändern und ist dabei nicht immer bequem. 2008 beantragte sie die Aufnahme in die Linkspartei, wogegen der damalige Parteichef wegen ihrer Mitgliedschaft in der Sozialistischen Alternative Einspruch erhob. 2010 wurde Lucy Redler der Parteieintritt gewährt. Jetzt wurde sie zum zweiten Mal in den Parteivorstand gewählt.

„Sozialismus ist für mich mehr als eine Utopie“, sagt Lucy Redler im Interview. Für die politische Aktivistin ist eine sozialistische Demokratie ein konkretes Ziel. Eine Gesellschaft, die sich nach den Bedürfnissen von Mensch und Natur richtet. Lucy Redler hält die Abschaffung des Kapitalismus und die Einführung einer sozialistischen Demokratie für die einzige Möglichkeit, um dauerhaft mit Krieg, Armut und Klimazerstörung Schluss zu machen.

Sozialismus ist für mich mehr als eine Utopie.“ – Lucy Redler

Vorteile sieht sie auch für die Arbeitswelt: „Wir hätten alle viel mehr Zeit.“ Mit weniger Überstunden und einer größeren Auswahl an Möglichkeiten, auch im Job. Mal Bademeisterin sein, mal Journalistin. Mit fließenderen Übergängen zwischen Familienleben, Arbeit und Freizeit. „Die Menschen hätten Jobs, auf die sie Lust haben – und nicht die entfremdete Arbeit, die wir aus dem Kapitalismus gewohnt sind“, so Lucy Redler.

[Außerdem auf ze.tt: Zehn Zwänge, die uns der Kapitalismus einbrockt]

Wie sie ihrer kleinen Tochter Roya mal die Motivation für ihre politischen Kämpfe erklären will? Lucy Redler muss nicht lange überlegen: „Ich möchte, dass alle so tolles Spielzeug haben wie du, ich möchte, dass alle in so eine tolle Kita gehen können. Ich möchte, dass alle nachmittags ein Stück Kuchen kriegen und alle ein schönes warmes Bett haben und die Möglichkeit, bei ihrer Mutter und ihrem Vater aufzuwachsen.“

Glück bedeutet Auflehnung“, zitierte Lucy Redler in einer Rede Mary Burns. Ob das für sie wirklich so sei? Ihre Antwort darauf ist so prägnant wie kurz: „Ja.“