Diese fünf ekligen Dinge solltest du vor deinem ersten Marathon wissen

Laufen ist trendy, Marathonlaufen die Königsdisziplin. Überlege dir aber gut, ob du dir wirklich eine Startnummer holen möchtest.

Berlin Marathon: 5 Dinge, die du vor dem ersten Lauf wissen solltest

Läuft. Foto: Soeren Stache/dpa

Am Sonntag starten 44.389 Menschen beim 45. Berlin Marathon. 44.389 Personen, die sich die Wochen und Monate zuvor vorbereitet haben, um schnellstmöglich an ihr Ziel zu kommen. Dasselbe wollte auch der Grieche Philippides, nach dem der Marathon heute benannt ist. Er musste allerdings am eigenen Leib erfahren, dass Laufen, vor allem ohne Vorbereitung, nicht gerade der angenehmste Sport ist. Nachdem er 490 v. Chr. die etwa 42 Kilometer von der Gemeinde Marathon ohne Pause nach Athen gelaufen war, um dort den Sieg über die Perser zu verkünden, kollabierte er und starb noch auf der Stelle. So die Legende. Er habe gerade noch die Worte „Wir haben gesiegt“ rausgebracht.

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Heute ist das Laufen quasi Volkssport und der Langstreckenlauf durch Berlin Teil der sogenannten World Marathon Majors. Damit zählt er zu den größten und renommiertesten Marathonläufen der Welt.

Vergangenes Jahr nahmen deutschlandweit mehr als zwei Millionen Menschen an mehr als 3.500 verschiedenen Läufen teil. Im Jahr 1964 waren es 18.000 Teilnehmer*innen an insgesamt zehn Läufen. Auch diesen Sonntag werden wir wieder Bilder von der Ziellinie sehen, wie Läufer*innen jubeln, sich umarmen, zu Boden fallen. Einige werden in Tränen ausbrechen. Ob vor Freude, Erleichterung oder vor Schmerzen sei dahingestellt. Derartige Zusammenbrüche verwundern allerdings nicht, bedenkt man, was auf der Strecke alles passieren kann.

Wenn’s läuft, dann läuft’s

Wenn man ihn am wenigsten braucht, meldet er sich zu Wort: der Darm. Regelmäßigen Läufer*innen ist Runner’s Diarrhea ein Begriff, denn Marathon und Durchfall kommen gerne Hand in Hand. Laufen verstärkt die Darmaktivität und der kann im ungünstigsten Moment auf eine schnellstmögliche Entleerung drängen, in dünnflüssiger Form. Nicht selten müssen Wettkämpfende einen unplanmäßigen Sprung in die Büsche, abseits der Rennstrecke, wagen.

Oder auch nicht. Wer seinen persönlichen Laufrekord nicht riskieren möchte, verzichtet darauf. (Wer sich traut, bitte an dieser Stelle „diarrhea marathon“ in die Bildersuche eingeben.) Warum unser Magen-Darm-Trakt gerade dann nach Aufmerksamkeit schreit, ist nach wie vor nicht vollends geklärt. Wahrscheinlich aber ist die Mischung aus ballaststoffreichem Essen, Nervosität und die Turbulenzen des ständigen Auf und Abs (caecal slap syndrom) an der braunen Misere schuld.

Scharfe Klamotten

Wer zu lange zu Fuß unterwegs ist, kriegt irgendwann Blasen an den Füßen. Für Marathonläufer*innen gilt dasselbe – nur gesamtkörperlich. Durch die monotone Laufbewegung, kann ein T-Shirt schnell zur Rasierklinge werden. Neue oder von Regen oder Schweiß durchnässte Kleidung macht es noch schlimmer. Überwiegend betroffen, weil empfindlicher: Nippel. Ja, diese zwei roten Flecken auf dem T-Shirt mancher Läufer*innen sind aus Blut gemalt. Um das zu verhindern, kleben sich viele Pflaster über die Brustwarzen.

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Foto: seth2dana / Flickr

Bei den Nippeln hört das Gewetze aber nicht auf. Am restlichen Körper schrammt, schabt und scheuert es genauso. Jede Stelle, wo Haut auf Haut oder Haut auf Stoff trifft, ist langfristig ein potenzieller Gefahrenherd. Profis schmieren sich daher gerne Vaseline zwischen die Oberschenkel, in die Achselhöhlen, den Po, an die Ränder des T-Shirts, und so weiter. Je großflächiger, desto besser.

Abkopplung

Langstreckenläufer*innen werden keine Fußmodels, so viel ist sicher. Schließlich sind die Füße das Körperteil, das bei einem Marathon wohl am härtesten abgewirtschaftet wird, mit einer Beinahe-Garantie von mindestens einer Blase pro Fuß. Wer nach 42 Kilometern aus den Schuhen steigt, kann außerdem mit hoher Wahrscheinlichkeit auf bunte Zehennägel blicken. Von blau bis hellrosablassblau, gepaart mit, wie immer, Schmerzen entstehen gerne Blutergüsse unterhalb der Zehennägel. Schuld daran können zu enge Schuhe, zu dicke Zehen oder selbst zu straff gezogene Socken sein.

Sind die Wunden schlimm, verabschiedet sich der ein oder andere Nagel wenige Monate später. Er löst sich ab und hinterlässt ein nagelloses Nagelbett. „Ich verliere auch immer zwei bis vier Nägel pro Jahr“, schreibt jemand in einem Forum für Läufer*innen und gibt den Tipp: Vorsicht beim Handelling mit Socken. Lockere Nägel können dabei mit- und abgerissen werden.

Dreckige Kälte

Da zigtausende Läufer*innen einen logistischen Riesenaufwand bedeuten, lassen gut organisierte Marathons ihre Teilnehmer*innen in zeitlich unterschiedlichen Startwellen auf die Laufstrecke los. Das wiederum kann langes Warten und Frieren bedeuten. Beides kann zum Beispiel der New-York-City-Marathon mit mehr als 50.000 Teilnehmer*innen besonders gut. Er findet für gewöhnlich in einer Zeit im Jahr statt, in der es bereits recht unwarm ist. Nämlich am ersten Sonntag im November. Um fünf Uhr morgens aufstehen, um anschließend stundenlang auf den Start zu warten, ist unangenehm. Zum Glück verteilen allerlei Sponsoren allerlei Merch, den die Läufer später achtlos wieder entsorgen.

Klar, wer nimmt sich bei seinem*ihrem persönlichen Rekordlauf schon die Zeit, um nicht mehr gebrauchtes Equipment säuberlich aus dem Weg zu räumen? Einfach fallen lassen, ist die Devise. Keine Millisekunde vergeuden. Schals, Mützen, Wärmedecken, Stirn- und Schweißbänder, die ersten paar hundert Meter der Laufstrecke sind ein Parkour durch Stoffreste, die restlichen Kilometer dann durch Plastikbecher, Trinkflaschen und Powerbars.

43. Berlin-Marathon
Foto: Gregor Fischer/dpa

Nase zu und durch

Das mag nicht überraschend kommen. Aber die Laufstrecke eines Marathons gleicht einem versifften Tiergehege. Alles stinkt, überall. Die einen spucken, die anderen bluten, alle schwitzen. Wer kein Taschentuch zur Hand hat, rotzt im Fußballer-Style auf den Boden. Die Dixie-Klos geben ihren erwartbaren Duft ab, ein Potpourri aus Urin, Bier, Erbrochenem und Durchfall.

Fazit: Pein

Ein Marathonlauf ist also neben dem persönlichen Anspruch, schnell zu laufen, mit viel Leid verbunden. Zusammengefasst besteht dieses aus überwältigendem Stuhlgang, aufgeschrammten Körperstellen, fliehenden Zehennägeln und Schmerzen. Zumindest wissen wir das heute alles und können uns entsprechend vorbereiten. Philippides wusste all das nicht.

Wer das alles in Kauf nimmt, es trotz der zwischenzeitlichen Qualen ins Ziel schafft, verspürt am Ende wahrscheinlich das beste Gefühl der Welt. Wieder ein Potpourri, aber diesmal aus Euphorie, Stolz und freudigem Triumph, und das völlig zurecht. Jedenfalls ist aber eine große Portion Respekt fällig, auch oder gerade wenn man dem eigenen Körper so eine Distanz im Dauerlauf kaum zutrauen würde.

Am Ende vier Fun-Facts zum Wohlfühlen

  • Im Jahr 1977 rannte Wesley Paul den New-York-City-Marathon in knapp über drei Stunden. Er war acht Jahre alt.
  • Edison Peña war einer der 33 Minenarbeiter, die beim Grubenunglück im Jahr 2010 für 69 Tage in einer Mine in Chile gefangen war. In dieser Zeit trainierte er für den Marathon in New York, den er auch dreieinhalb Wochen nach seiner Befreiung absolvierte.
  • In Wales wird jedes Jahr ein Marathon ausgetragen, bei dem Menschen gegen Pferde antreten. In den vergangenen 38 Jahren gewann erst zweimal ein Mensch.
  • Nasa-Astronautin Sunita Williams rannte 2007 an Bord der International Space Station (ISS) auf einem Laufband den gesamten Boston Marathon mit, während ihre Schwester am Erdboden dasselbe tat.