Hunde mit Handicap sind mindestens genauso liebenswert

Eine Fotografin lichtet Hunde mit kleinen Handicaps ab und zeigt damit deren unzerstörbaren Frohmut. Was wir vom Projekt lernen können: Positiv denken und nicht aufgeben!

„Eines meiner wichtigsten Ziele als Tierfotografin ist es, die niedlichen Feinheiten einzufangen, die alle Tiere wertvoll und einzigartig machen“, sagt Alex Cearns. Und das gilt für alle Tiere. Egal, welche Handicaps sie haben oder wie anders sie sind. Auch Hunde müssen manchmal unter Bedingungen leben, die ihr Dasein auf bestimmte Weise behindern.

Tierärzt*innen diagnostizierten bei manchen Hunden in der Vergangenheit Krebs und sie verloren im Zuge einer lebensrettenden Operation Gliedmaßen oder Augen. Manche leiden unter einer Milbenerkrankung, an anderen sind wiederum die Narben ihres früheren Lebens zu sehen. Ihre Besitzer*innen hatten sie misshandelt oder verletzt.

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Diese Hunde mit Handicap sind nicht weniger liebenswert als andere. Für ihr neuestes Projekt Perfect Imperfection setzte daher die 43-jährige Fotografin vollkommen unvollkommene Hunde vor ihre Kameralinse und zeigt, wie süß sie trotz oder gerade wegen ihrer Fehlerchen sind. Viele der Hunde wurden von ihren heutigen Besitzer*innen für Cearns neues Projekt angemeldet, andere fotografierte sie in einem Tierheim.

Jeder Hund hat eine Persönlichkeit

Vor den Fotoshootings lernt Cearns die Hunde erst in ihrem ruhigen Studio kennen. Sie spielt mit ihnen, lässt sich beschnüffeln und belohnt sie ab und zu mit einem Leckerli. So kann sie sicherstellen, dass die Models während der Shootings entspannt sind und keine Angst vor der Kamera haben. Ist das Vertrauen erst mal aufgebaut, setzt sie sich in 30 Zentimetern Entfernung vor deren Schnauzen. „Ich nehme mir für jedes Fotoshooting maximal eine Stunde Zeit“, sagt Cearns. „In dieser Zeit mache ich so viele Fotos wie möglich. Es liegt dann an mir, so gut wie möglich ihre Persönlichkeiten einzufangen.“

Hunde mit Behinderung sind mindestens genauso liebenswert
Quelle: Houndstooth Studio/Youtube

Die teils schrecklichen Erfahrungen seien den Hunden nur selten anzumerken, sagt Cearns. Das ist auch genau das, was die Fotografin an ihren Motiven so beeindruckt. „Die meisten Hunde halten sich mit ihren Fehlern nicht auf. Sie passen ihre Körper und Leben an die neuen Umstände an, ohne sich zu beschweren. Sie sind entschlossen zu überleben, sie kämpfen immer weiter und bleiben immer frohmütig. Sie wollen bei allem so viel wie möglich involviert sein, genauso wie andere gesunde Vierbeiner.“ Diese Beharrlichkeit, Widrigkeiten zu überstehen, würde Cearns immer wieder zum Staunen bringen. Mehr noch, könnten Hunde uns Menschen eine Lektion lehren: Denk positiv und gib nicht auf!

Tierlieb von Kindheit an

Das britische Dogs Today Magazine bezeichnete Alex Cearns als eine der besten Hundefotograf*innen der Welt. Seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet sie als professionelle Tierfotografin, für ihre Arbeit gewann sie mehr als 250 Preise. Als einzige Tochter eines australischen Schafscherers wurde ihr die Tierliebe bereits in die Wiege gelegt. „In meiner Kindheit waren Hunde, Meerschweinchen, Pferde, Hasen und Schafe meine ständigen Begleiter“, erzählt sie. Letztere zog sie manchmal sogar eigenhändig mit der Flasche auf. Oft half sie, verletzte Kängurus, Vögel und andere Wildtiere gesund zu pflegen, um sie anschließend wieder in die Natur zu entlassen.

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Heute lebt sie mit ihrem Partner, zwei geretteten Hunden und einer geretteten Katze in Perth im Westen Australiens. Die Botschaft, die sie mit Perfect Imperfections vermitteln möchte, ist klar: Hunde mit Handicap sind genauso wertvoll wie gesunde Hunde und haben dieselben Möglichkeiten verdient, ein schönes Leben zu führen.