Diese jungen Leute arbeiten an innovativen Cannabis-Produkten

Auf der diesjährigen ICBC in Berlin präsentierten junge Unternehmer*innen neue Cannabis-Produkte. Wir stellen euch drei von ihnen vor.

magu-hanfpflanze

Teilnehmer*innen aus mehr als 60 Ländern trafen sich zur ICBC 2019 in Berlin, Europas größtem Cannabis-Branchentreff. Foto: MAGU

In Deutschland diskutieren derzeit Parteien und Politik über den Umgang mit Cannabis. Was soll mit den Überschüssen von Medizinalcannabis passieren? Wie lassen sich stadteigene Flächen für den Anbau von Medizinalcannabis etablieren, um Importabhängigkeit und Lieferengpässe in Deutschland zu reduzieren? Einige Unternehmen haben das Potential von Cannabis bereits erkannt. Auf der diesjährigen Fachkonferenz International Cannabis Business Conference (ICBC) in Berlin trafen sich Forscher*innen und Unternehmer*innen, um sich über die neuesten Entwicklungen und Innovationen der Cannabis-Branche auszutauschen. Wir stellen euch drei junge Unternehmer*innen vor.

Cannabisblüten, Hanftees und CBD-Öle

Sebastian Riessland (l.) und Juri Scotland (r.). Foto: Jacqueline Haddadian/zett

2017 gründeten Juri Scotland, Sofie Sagmeister und Sebastian Riessland das österreichische Start-Up MAGU. Online und in zwei Shops in Wien verkaufen sie legal Cannabisblüten, Hanftees und CBD-Öle. Um nicht gegen das österreichische Gesetz zu verstoßen, bieten sie ihre Produkte offiziell als „Aromaprodukte“ an. Einnahmeempfehlungen und Informationen zu etwaigen Wirkungen dürfen sie aus diesem Grund keine geben. Um das Werbeverbot für Rauchprodukte nicht zu verletzen, bieten die drei Österreicher*innen ihre beliebten Cannabisblüten zum Rauchen mit ihrem zweiten Unternehmen, MAWU, an.

Sofie Sagmeister / MAGU
Sofie Sagmeister, eine der drei Gründer*innen von MAGU/MAWU. Foto: MAGU

„Wir setzen uns dafür ein, dass endlich standardisierte Qualitätskontrollen bei Cannabisprodukten eingeführt werden. Konsument*innen- und Jugendschutz sind uns wichtige Anliegen“, sagt Sofie Sagmeister. Da sie und ihre beiden Mitbegründer mit dem auf dem Markt vertriebenen Cannabis nicht zufrieden waren, bauen MAGU und MAWU Hanf in ihrem eigenen Hanfwerk in Wien an. Schließlich sollen ihre Produkte stets unter dem gesetzlichen Limit bleiben: In Österreich liegt der Höchstwert für THC (Tetrahydrocannabinol) bei 0,3 Prozent, in Deutschland bei 0,2 Prozent. Die in Cannabis enthaltenen Wirkstoffe THC und CBD sind die zwei häufigsten Cannabinoide, welche sehr unterschiedlich wirken. Während THC psychoaktiv wirken und das „High“-Gefühl verursachen soll, soll CBD bei der Muskelentspannung helfen und wird in der Medizin bei der Behandlungen von Krankheiten wie Multipler Sklerose eingesetzt. Das heißt, dass MAGU-Produkte zwar keinen Rausch verursachen, aber aufgrund eines anderen Cannabis-Wirkstoffs, nämlich CBD (Cannabidiol), einen Effekt auf den Körper haben sollen.

Gepresstes, reines Hash-Öl

Zach Peyser (l.), Vizepräsident, und Andres Libreros (r.), Products Sales Europe von Rosin Tech Products. Foto: Jacqueline Haddadian/zett

Zach Peyser ist 29 Jahre alt und Vizepräsident von Rosin Tech Products. Vor vier Jahren entwickelte er zusammen mit seinem Partner seine erste Cannabis-Presse in einer Garage in New York. „Von da ging es ganz schnell“, sagt Peyser. Heute sitzt das Unternehmen in Los Angeles, ist der Marktführer unter den Cannabis-Pressen und beliefert seine Kund*innen weltweit von seinem Logistikzentrum in Prag aus. Mittlerweile hat es elf verschiedene Cannabis-Pressen in seinem Sortiment – für den privaten Gebrauch und für kommerzielle Zwecke. Mit einer Cannabis-Presse werden unter einem enormen Hitze- und Druckaufwand die Cannabis-Blüten gepresst. Schon die kleinste Presse übt 317 Kilogramm Druck und über 200 Grad Celsius auf die Blüten aus. Da die Pressen ohne den Zusatz von Lösungsmitteln funktionieren, bekommt man als fertiges Produkt reines Hash-Öl. Dieses Öl kann dann in Pfeifen, Joints oder Bongs geraucht werden.

Beratung beim Marihuana-Anbau

Ivan Gregorc mit dem CannaForce-Stand auf der ICBC 2019 in Berlin. Foto: Jacqueline Haddadian/zett

Vor fünf Jahren fing der Schweizer Ivan Gregorc damit an, sich intensiv mit Cannabis auseinanderzusetzen. Um die Pflanze besser kennenzulernen, reiste er um die ganze Welt. In der niederländischen Hauptstadt besuchte Gregorc nahezu alle Coffeeshops. „Ich stellte fest, dass die Qualität des Cannabis in Amsterdam sehr schlecht ist“, sagt Gregorc. Die beste Qualität gibt es ihm zufolge in den USA. Diese Qualität nahm er sich mit seinem Team als Ziel für ihren eigenen Anbau. „Wir versuchten, Marihuana genauso wie die Züchter in Kalifornien anzubauen“, sagt Gregorc. Dabei lernte er Expert*innen aus der Branche kennen. Den Marihuana-Anbau ließ der Schweizer jedoch bald wieder bleiben und gründete stattdessen die Firma CannaForce.

Das Schweizer Start-Up unterstützt und berät andere Unternehmen in jedem Schritt des Marihuana-Anbaus. „Im Grunde können wir den Kunden mit allem beliefern, was er für die Cannabis-Produktion braucht“, sagt Gregorc. Sucht ein Unternehmen etwa nach erfahrenen Züchter*innen, Vermarkter*innen, anderen Mitarbeiter*innen oder möchte mit Produkten wie Pflanzenlampen für den Anbau ausgestattet werden, stellt CannaForce den Kontakt zwischen Kund*innen und den geeigneten Personen und Lieferant*innen her. Die Dienstleistungen von CannaForce sind kostenlos. „Wir finanzieren uns lediglich über den Mengenrabatt, den unsere Kunden wiederum von den Lieferanten bekommen“, sagt Gregorc.