Diese Karte zeigt, wo in Deutschland immer noch koloniale Straßennamen existieren

Von Straßen bis U-Bahnhöfen: Viele Orte in Deutschland sind nach Kolonialverbrecher*innen benannt. Das Projekt Tear this down will das ändern.

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Auf der interaktiven Karte sind koloniale Namen im öffentlichen Raum markiert. Screenshots: © @pengcollectiv / Instagram

Deutschlands koloniales Erbe ist auf den Straßen sichtbar. Ob Straßen, Plätze oder U-Bahnhöfe: Viele Orte sind nach Kolonialverbrecher*innen benannt. Andere stehen in direktem Bezug zum deutschen Kolonialismus. Das Projekt Tear this down des Künstler*innenkollektivs Peng! und der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) will das nun ändern. Auf der gleichnamigen Internetseite zeigt eine Landkarte, wo immer noch koloniale Straßennamen, Plätze und Denkmäler zu finden sind. Es handelt sich dabei um ein partizipatives Projekt, das Menschen dazu bewegen soll, mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen und selbst an der Veränderung teilzuhaben.

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Umerinnerung statt nur Umbenennung

„Das Ziel ist nicht Umbenennung, sondern Umerinnerung“, sagt die Künstlerin Simone Dede Ayivi von der ISD im Interview. „Anstelle der Unterdrücker*innen sollen Menschen des Widerstands geehrt werden, wie anti-koloniale Kämpfer*innen oder anti-rassistische Aktivist*innen.“ Als gelungenes Beispiel nennt sie das ehemalige Gröbenufer in Berlin-Kreuzberg, das heute May-Ayim-Ufer heißt – benannt nach der afrodeutschen Poetin, Pädagogin und Aktivistin May Ayim.

So reiche es nicht, einfach die kolonialen Namen zu streichen und sie durch irgendwelche Namen zu ersetzen – wie es gerade in Berlin im Fall der Glinkastraße passiert ist. Forderung der Initiative ist es, die Namen bewusst auszutauschen. Für besagte U-Bahn-Haltestelle wird seit Jahren der Name Anton-W.-Amo-Straße vorgeschlagen. Anton Wilhelm Amo wurde 1703 in Ghana geboren und war der erste Schwarze Akademiker in Deutschland.

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Historischen Kontext bieten

Um an die Geschichte zu erinnern, reiche es nicht, einfach nur Straßen, Plätze und Denkmäler umzubenennen. Hilfreich dabei könnten auch Informationstafeln sein, die den historischen Kontext erklären und Menschen für die Kolonialzeit sensibilisieren würden.

Auf der Internetseite fordert das Projekt die Partizipation in drei Schritten: „Verantwortung übernehmen, Perspektive wechseln, Kämpfer*innen empowern.“ Simone Dede Ayivi sagt: „Die Spuren sollen nicht einfach verschwinden. Wir wollen, dass die Perspektive geändert wird.“ Schließlich gehe es der Initiative darum, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und einen gesellschaftlichen Diskurs über Kolonialgeschichte und Rassismus anzustoßen. Auf der Website heißt es ganz deutlich: „Kolonialismus hat keinen Platz auf unseren Straßen.“


Von Louisa Huttenlocher auf Edition F.

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