Diese Künstlerin zeigt Frauen in intimen Momenten – abseits von Körperidealen

Shona McAndrews Skulpturen sind ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Photoshop, Instagramglattheit und hypersexualisierter Nacktheit von Frauen.

Shona McAndrew fertigt Skulpturen und malt Bilder, die mit weiblichen Schönheitsidealen brechen.

Shona McAndrew fertigt Skulpturen und malt Bilder, die mit weiblichen Schönheitsidealen brechen. Screenshot: Instagram/Shona McAndrew

Norah sitzt in einem Sessel mit Blümchenbezug, der so aussieht, als stamme er aus einem staubigen Antiquariat. Sie trägt einen schwarzen Schlüpfer, dicke Socken und ein weißes T-Shirt mit dem Aufdruck „I <3 NY“. Ein Bein hat Norah lässig über die Stuhllehne gehängt, eine Hand verschwindet im Saum ihrer Unterhose. Die junge Frau sieht aus, als befinde sie sich gerade ganz bei sich selbst, keinem fremden Blick ausgesetzt, ein intimer Moment.

Norah ist eine Pappmaschee-Skulptur. Angefertigt wurde sie von der Künstlerin Shona McAndrew aus Philadelphia. In ihrer Arbeit beschäftigt sich McAndrew ausschließlich mit Frauen und dem weiblichen Körper. Ihre Skulpturen befinden sich in Situationen, die in der Realität meist ohne Zuschauer*innen stattfinden: zähneputzend auf der Toilette, mit geschlossenen Augen in der Badewanne, beim Betasten des eigenen Körpers, nackt vor sich hindösend.

Die Skulpturen sind überwiegend nackt oder lediglich mit Socken oder einem BH bekleidet. Doch mithilfe der alltäglichen, intimen Posen schafft McAndrew ein Bild von Nacktheit, das weit entfernt ist von der hypersexualisierten Art und Weise, mit der weibliche Nacktheit sonst überwiegend dargestellt wird. Die Frauen posieren nicht, verstellen sich nicht für ein Publikum. Stattdessen wirken sie entspannt und befreit von dem Performancedruck, den der Blick anderer Menschen auslösen kann.

Die Körper der Skulpturen entsprechen nicht dem, was westliche Modezeitschriften oder Werbeclips als Körperideale suggerieren. Gezeigt werden keine waschbrettbäuchigen, körperhaarbefreiten Vogue-Models. Gezeigt werden Körper abseits von Normen oder Idealen, die zwar in der Realität überall anzutreffen sind, aber in Medien häufig nicht gezeigt werden.

Sensible Gegenwartskunst

Für McAndrew haben Frauenkörpern, die nicht dem suggerierten Ideal entsprechen, eine zeitliche Komponente. „Plus-size Körper werden nie in der Gegenwart gezeigt, es geht immer um einen Wandel“, erklärt McAndrew der CNN. Vorher: der Körper, der nicht dem Ideal entspricht. Hinterher: der perfektionierte Körper, ein Lächeln, das Posieren mit Klamotten, die nicht mehr passen. McAndrew will mit diesem Muster brechen. Ihr Ziel ist es, Frauen in der Gegenwart darzustellen. In Momenten, die über keine Zukunft oder Vergangenheit spekulieren lassen.

Mit ihrer Kunst möchte McAndrew erreichen, dass Frauen, deren Körper nicht aussehen wie die vermeintliche Norm, sich wohl in ihrer Haut fühlen. „Wenn ich Brüste sehe, die so schlaff und groß sind wie ihre, habe ich auch das Gefühl, dass meine eigenen schön sind“, sagt McAndrew der CNN über ihre badende Skulptur Elizabeth. „Und ich glaube, das ist, was passiert, wenn Frauen meine Skulpturen sehen: Du siehst eine Repräsentation von dir selbst, und es erlaubt dir, die Luft auszuatmen, die du eingezogen hattest.“

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