Diese Landschaften verstecken sich im Inneren unserer Körper

Fotograf Chan Dick zeigt mit Fotos anatomischer Präparate, wie mehr als 300 Knochen, 600 Muskeln und Milliarden von Nervenzellen wie Landschaften aussehen können.

Der menschliche Organismus ist ein kleines, komplexes Uhrwerk. Mehr als 300 Knochen und Knorpel, mehr als 600 Muskeln, Milliarden von Nervenzellen, das Herz-Kreislauf-, Verdauungs- und Atemwegssystem, Hormone, Sinnesorgane – ihr perfektes Zusammenspiel bestimmt unser Leben. Und obwohl wir jeden Tag davon abhängig sind, kriegen wir es im besten Falle nie zu Gesicht. Dabei besitzt unser Innerstes eine gewisse befremdliche Ästhetik.

Die innere Schönheit – Fotograf Chan Dick versteht das buchstäblich. Mit seinen Fotos von anatomischen Präparaten macht er sichtbar, was in uns steckt: ein kleines Universum, dessen Bestandteile bei näherer Betrachtung eher an Berge, Bäume, Blumen oder Flussbetten erinnern, als dass man sie im Inneren des Menschen verortet. So von ihrer ursprünglichen Umgebung losgelöst und mit ein wenig Fantasie kann dann ein Querschnitt des Fersenknochens einer Bergkette oder der große Gesäßmuskel einem vom Weltraum betrachteten Flussdelta gleichen. „Ich war schockiert, wie ähnlich manche Teile des Körpers der natürlichen Umwelt sind“, sagt Dick.

Abstraktes greifbar machen

Für seine Fotoserie The Trek arbeitete der Fotograf aus Hongkong mit der dortigen Universität zusammen. Dr. Chan Lap Ki, Professor für Anatomie an der Universität Hongkong, stellte Dick die gesamte menschliche Präparatsammlung der medizinischen Fakultät zur Verfügung und ließ ihn selbst auswählen, welches Exemplar Teil von The Trek werden sollte. Ziel war es, die menschliche Anatomie weniger abstrakt darzustellen. Weg von den perfekten Abbildungen, wie sie Medizinstudent*innen aus ihren Lehrbüchern kennen, hin zu stilvollen Fotos, welche die Rädchen der Maschine Mensch greifbar machen. Die Fotos schoss Dick im Laufe mehrerer Tag noch vor Ort in der medizinischen Fakultät.

„Es war eines meiner herausforderndsten und emotionalsten Projekte“, sagt Dick. Denn obwohl er vorher eine gewisse Vorstellung hatte, wie die Fotos am Ende aussehen sollten, entwickelte er erst während der Shootings eine Art von Neugier und Bewunderung. „Mir wurde bewusst, wie perfekt und effizient jeder noch so kleine Teil des Körper entwickelt und auf die jeweilige Funktion abgestimmt ist.“

„Obwohl die Präparate seit vielen Jahren tot sind, entdeckte ich unglaubliche Landschaften, die mit Leben erfüllt sind. In jedem von uns steckt ein kleines Universum, unabhängig unserer Hautfarbe, Sprache, Religion oder Erziehung“, sagt Dick. Denn unten drunter sehen wir alle gleich aus. Wir sind nämlich nichts weiter als ein evolutionäres Wunderwerk der Natur.

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