Diese Menschen zeigen ihr ganzes Leben in nur einem Bild

Die Porträtierten versuchten, all die Dinge in ein Foto zu packen, die ihr Leben am besten beschreiben. Für manche waren das Reisekoffer, für andere die Familie, für wieder andere Weinflaschen oder Schuhe.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – nie hat dieses überstrapazierte Sprichwort besser gepasst als hier. Anstatt sich stundenlang Lebensgeschichten erzählen zu lassen, bittet die Fotografin Mami Kiyoshi nur um ein einziges Foto. Dieses Foto soll alles enthalten, was das Leben der Teilnehmer*innen oder zumindest den wichtigsten Aspekt ihres Lebens am besten repräsentiert.

Ich möchte die ganze Diversität der Menschen und deren Leben entdecken.“

Dazu lernt sie die Teilnehmer*innen vor dem Fotoshooting so gut wie möglich kennen. „Es ist wichtig, mit den Personen viel Zeit zu verbringen. Ich führe daher lange Gespräche mit ihnen, erfahre mehr über ihre Vergangenheit und Leidenschaften und erkunde so ihre Welt“, sagt Kiyoshi. Diese privaten Lebensgeschichten schmückt sie dann auf den Fotos mit Gegenständen aus dem Besitz der Protagonist*innen.

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Da ist zum Beispiel Filip aus Belgien. Er arbeitet als Rezeptionist und Touristenführer in Le Grand Hornu, einem Ortsteil der Stadt Mons. Er spricht mehr als fünf Sprachen, liebt Van Goghs Bilder und beteiligte sich sogar an der Restauration seines Geburtshauses. Diese und viele weitere Informationen sind in seinem Porträt eingebettet. Oder Biagio aus Sizilien: Seine beiden Leidenschaften gelten dem Radfahren und seinem Hund. Sein Porträt ist mit Souvenirs und Fotos von Familienmitgliedern ausgestattet.

© Mami Kiyoshi

Für ein Foto nimmt sich die Fotografin aus Japan insgesamt zwei Tage Zeit. Einen Tag für das Kennenlernen der Personen, einen weiteren Tag für das eigentliche Shooting. Die Ausrichtung der Gegenstände auf den Fotos dauert allein schon drei bis fünf Stunden. Die vielen Details im Bild seien mindestens genauso wichtig wie die Personen selbst, denn: „Alle Besitztümer sind Teil der individuellen Lebensgeschichte“, erklärt Kiyoshi.

Die Fotografin erhofft sich, dass ein Foto wie eine Biografie wirke. Selbst wenn Betrachtende die Personen auf den Fotos nicht kennen, sollen sie anhand der Motivgestaltung doch eine ganze Menge über sie erfahren.

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Kiyoshi startete ihr Langzeitprojekt New Reading Portraits bereits im Jahr 2003, und ein Ende ist nicht in Sicht. Noch immer besucht sie Menschen in ihrem Zuhause oder bei der Arbeit, um dort deren persönliche Geschichten in Form eines Fotos festzuhalten. „Ich möchte das Projekt so lange wie möglich weitermachen, vielleicht bis an mein Lebensende“, erklärt die Fotografin.

Making-of New Reading Portraits


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