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Diese Pflanzen überleben auf deinem Nordbalkon

Keine Sonne, keine Pflanzen, alles verloren? Nicht so voreilig. Kresse, Wicken, Gurken und sogar Tomaten gedeihen auch mit wenig Licht.

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Ihr braucht keine pralle Sonne, um schöne Pflanzen auf dem Balkon zu haben. Ein bisschen Licht und gute Erde reichen meist schon aus. Foto: Bildersommer / photocase.de

Ja, es gibt Wege, wie du deinen Nordbalkon für mehr als nur für Getränkekisten und Rauchpausen nutzen kannst. Silvia Appel aus Würzburg hat ihr Hobby Gärtnern zum Beruf gemacht, betreibt das Blog „Gartenfräulein“ und teilt auf Instagram nicht nur die Früchte ihrer Arbeit, sondern auch Tipps und Tricks.

Schritt eins: Lichtverhältnisse beobachten

„Wenn man neu in eine Wohnung eingezogen ist oder sich noch nie mit dem Balkon beschäftigt hat, dann sollte man erst mal genau beobachten“, sagt Silvia im ze.tt-Interview. „Man hat ja meist doch ein paar Stunden am Tag Sonne.“

Ein kurzer Blick nach draußen reicht da übrigens nicht – das Licht entwickelt und verändert sich. Nicht nur im Laufe des Tages, sondern auch im Jahresverlauf. „Im März und April steht die Sonne noch etwas flach – dann kann es so wirken, als wenn ein Balkon kaum Licht abbekommt“, sagt Silvia. „Aber ab Mai fängt die Sonne an, höher zu stehen und kommt über die Häuser hinweg.“

Auch wichtig: Das Licht fällt nicht gleichmäßig an alle Stellen auf deinem Balkon; es gibt hellere und schattigere Flecken. Also ab Mai mal ein, zwei Tage den ganzen Tag über immer mal wieder genau hinschauen. Morgens, vormittags, mittags, nachmittags, abends.

Erst dann siehst du, wie viel oder wenig Licht dein Nordbalkon wirklich hat. Und kannst mit dem Bepflanzen anfangen. Nur wirklich komplett ohne Licht wird es etwas schwierig – zumindest mit essbaren Pflanzen.

Schritt zwei: Es kommt auch auf die Erde an

Aufgeben gilt nicht, auch nicht beim Nordbalkon. „Klar ist Sonne wichtig, aber es kommt auch auf andere Faktoren an als nur das Licht“, sagt Silvia. Dazu gehört zum Beispiel, wo genau dein Zuhause sich befindet: „In einer warmen Innenstadtlage sind die Umstände anders als komplett ungeschützt weiter außerhalb.“ Da weht nämlich zuweilen ein ziemlich raues Lüftchen. Und das mögen manche Pflanzen gar nicht. Klarer Vorteil Stadtbalkon.

Auch indirektes Licht kann laut Silvia wichtig sein und helfen: „Hell kann es auf einem Balkon nicht nur durch direkten Sonneneinfall sein, sondern zum Beispiel auch, wenn rundherum helle Häuser die Sonne reflektieren.“

Und nachdem du deinen Balkon ja bereits genau auf Licht und Schatten im Tagesverlauf untersucht hast, kannst du dir die besten Orte für die einzelnen Gewächse aussuchen. Schlau ist es logischerweise, Pflanzen nicht auf den Boden zu stellen, sondern so hoch und nahe am Licht wie möglich zu positionieren – also eher ans Balkongeländer.

Am besten ist Kräutererde oder Bio-Kübelpflanzenerde. Die ist leicht und fluffig und bleibt schön durchlässig.

Silvia Appel, Gartenexpertin

Nicht zu vergessen ist die andere große Nahrungsquelle für Pflanzen neben der Sonne – die Erde. Sie spielt eine erhebliche Rolle beim Gedeihen von Kräutern und Konsorten auf dem Nordbalkon. „Am besten ist Kräutererde oder Bio-Kübelpflanzenerde. Die ist leicht und fluffig und bleibt schön durchlässig“, sagt die Expertin.

Schritt drei: Pflanzen aussuchen

Entscheidend ist außerdem die Auswahl der Pflänzchen selbst. Silvia Appel: „Pflanzen gedeihen bis zu einem gewissen Grad auch ohne optimale Bedingungen und gehen nicht sofort kaputt. Die Tomaten werden dann vielleicht nicht so aromatisch, aber es geht. Trotzdem gilt: Je besser der Standort zur Pflanze passt, desto gesünder und robuster bleibt sie.“

Auf einem Nordbalkon mit weniger als vier Stunden Sonne am Tag kannst du es zum Beispiel mit Pflücksalat und Spinat probieren. „Aber auch mit Walderdbeeren“, rät Silva, „die kommen, wie der Name sagt, aus einem schattigen Umfeld“.

Im Halbschatten, also mit etwa vier bis fünf Sonnenstunden, gibt es ein paar weitere Möglichkeiten: „Zum Beispiel Bärlauch, Mangold, Schnittlauch, Zitronenmelisse oder Minze.“ Vor allem Minze sei laut Silvia Appel super, weil es so viele verschiedenen Sorten gebe: „Da kann man dann mehrere unterschiedliche auf den Balkon stellen.“ Und der Mojito-Nachschub ist stets gesichert.

Wer ein Rankgerüst hat, kann dort auch Kapuzinerkresse anbauen. Die zieht in manchen Fällen zwar ordentlich Blattläuse an – aber die bleiben dann eher von den anderen Pflanzen fern. Außerdem sind sie eine Nahrungsquelle für andere Insekten und schlicht Teil der Natur.

Wenn du es unbedingt mit Tomaten versuchen willst, nur keine Scheu. „Aber besser kleine Züchtungen verwenden, die heißen meist Nasch- oder Buschtomaten“, erklärt Silvia.

Doch es gibt beim Nordbalkon gewisse Grenzen. Mediterrane Kräuter wie Rosmarin oder Lavendel packen es dort einfach nicht, sie brauchen zu viel Sonne. Das gilt auch für Obstsorten, zum Beispiel Säulenäpfel. Auf einen Südbalkon neidisch sein musst du trotzdem nicht: „Im Hochsommer wird’s da oft unerträglich heiß, die Pflanzen brauchen größere Kübel und sehr viel Wasser. Arbeit hat man mit einem Südbalkon auch“, sagt Silvia Appel.

Es lebe der Nordbalkon

Letztlich musst du ein bisschen ausprobieren, was auf deinem Nordbalkon funktioniert. „Nicht jeder Tipp passt zu jedem Balkon“, meint auch Silvia. „Bei den einen klappt dieses, bei den anderen jenes.“

Aber es lohnt sich in jedem Fall: „Die Sachen aus dem eigenen Anbau schmecken einfach anders. Und man lernt, Gemüse und Kräuter richtig wertzuschätzen, weil man weiß, wie viel Aufwand darin steckt“, sagt die Gartenbloggerin.

Auch die Seele blüht auf: „Die Beschäftigung mit Pflanzen beruhigt und hilft gegen Stress. Das tut auf allen Ebenen gut“, so Silvia. „Ich weiß gar nicht, warum es Gartenarbeit heißt. Für mich ist das keine Arbeit, sondern Erholung und Ruhe.“

Also mach aus deinem Nordbalkon einfach ein weiteres Zimmer deiner Wohnung; einen Ort, an dem du dich erholen und runterkommen kann – mit oder ohne Tomaten.

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