Diese queeren Menschen leben in Polen in sogenannten LGBT-freien Zonen

Über 80 Gemeinden haben sich in Polen als „frei von der LGBT-Ideologie“ erklärt. Der Aktivist Bart Staszewski hat queere Menschen vor Ort fotografiert.

Die Menschen auf Bart Staszewskis Fotos leben gefährlich. Sie sind queer und wohnen in Polen in kleinen Orten und Städten, die sich zu sogenannten LGBT-freien Zonen erklärt haben. Seit Anfang 2019 gibt es im Land über 80 solcher Fälle, in denen Regional- und Kommunalverwaltungen unter der rechten Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sich per Resolution von einer vermeintlichen LGBTQIA-Ideologie „befreit“ haben wollen. Die PiS unter Jarosław Kaczyński hetzte im Wahlkampf vor den Parlamentswahlen im Oktober 2019 gegen die LGBTQIA-Community, bezeichnete sie in ihrer Kampagne als Feindbild und vermeintliche Gefahr für die polnische Nation. Die Partei regiert in Polen mit absoluter Mehrheit.

Bart Staszewski nennt das Propaganda. Der Aktivist und Dokumentarfilmer erhielt bereits Morddrohungen für sein Engagement für die Rechte von LGBTQIA in Polen. Doch in der Hauptstadt Warschau, wo er lebt, sei es vergleichsweise sicher für ihn. „Die wahren Helden sind die Menschen auf meinen Fotos“, sagt Staszewski gegenüber ze.tt. Die Orte, vor deren Einfahrtsschildern sie fotografiert wurden, haben teils nicht mehr als 2.000 Einwohner*innen. Die gelben Schilder mit dem Verweis „LGBT-free“ sind jedoch keine offiziellen Schildern, sondern Teil des Fotoprojekts.

Das EU-Parlament verurteilt die sogenannten LGBT-freien Zonen

Im Dezember 2019 wurde das Europäische Parlament tätig. In einer Resolution verurteilten die Abgeordneten die sogenannten LGBT-freien Zonen und forderten die EU-Kommission dazu auf, zu prüfen, ob EU-Fördergelder in den Mitgliedsstaaten für diskriminierende Zwecke eingesetzt würden.

So lasse sich Druck auf die polnische Regierung aufbauen, glaubt auch Bart Staszewski. Er hofft, mit seinen Fotos mehr Aufmerksamkeit auf die zunehmende Homophobie in seinem Land zu lenken und damit eine Debatte anzustoßen. Einen Teilerfolg kann er schon vorweisen: Ein polnisches Gericht entschied, dass die Sticker mit der Aufschrift „LGBT-free zone“, die die PiS-nahe Zeitung Gazeta Polska vertreiben wollte, nicht verteilt werden dürfen. Es war Bart Staszewski, der dagegen geklagt hatte.

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