Diese Schulleiterin verbietet Designerjacken, um armutsbetroffene Kinder nicht zu benachteiligen

Eine Highschool-Leiterin in England möchte sicherstellen, dass Armut nicht den Lernerfolg beeinflusst. Designerrucksäcke und -schuhe sind schon verboten, nun folgen Luxusjacken. Die Reaktionen sind überwiegend positiv.

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Rebecca Phillips leitet seit zehn Jahren die Woodchurch High School und hat nun Luxusjacken auf dem Schulgelände verboten. Illustration: © ze.tt, Elif Kücük / Foto: Getty Images

Die Kleidervorschriften der Woodchurch High School in der Nähe von Liverpool sind streng. Unter dem Menüpunkt School Uniform finden sich auf der Webseite genaue Angaben, welche Kleidung an der Schule geduldet ist und welche nicht. „Röcke, die zwei Zoll über den Knien enden, dürfen nicht aus Stretchmaterial sein“, heißt es dort unter anderem. Sogar die Farbe der Socken ist vorgegeben oder dass die Schulkrawatte täglich zu tragen ist.

Vor Kurzem hat Schulleiterin Rebecca Phillips einen weiteren Punkt hinzugefügt. Schulkinder, die von Januar an in Jacken der Firmen Canada Goose, Monclair oder Pyrenex auf dem Schulgelände auftaucht, müssen damit rechnen, dass die Leher*innen sie nach Hause schicken. „Diese Jacken verursachen Ungleichheit zwischen unseren Schüler*innen“, sagt Phillips zu ze.tt. Jacken der drei genannten Firmen kosten bis zu 1.000 Euro. Außerdem verwenden die Hersteller teilweise echte Pelze für die Jacke. „Es war auch eine ethische Frage“, sagt die Schulleiterin.

46 Prozent der Schulkinder sind von Armut betroffen

„In den vergangenen Jahren sind diese Jacken immer populärer geworden und Eltern haben sich in E-Mails an uns gewandt“, sagt Rebecca Phillips. Darin hätten sie geschrieben, dass ihre Kinder sie darum baten, ihnen auch solche Jacken kaufen. Das habe vor allem armutsbetroffene Familien unter großen Druck gesetzt. Nach Angaben der Schulleiterin sind 46 Prozent der knapp 1.500 Schülerinnen zwischen elf und 16 Jahren von Armut betroffen.

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Leitet seit 10 Jahren die Woodchurch High School: Rebecca Phillips. Foto: © Woodchurch High School

Schon länger sucht Phillips nach Wegen, die Aufmerksamkeit der Schüler*innen auf den Unterricht zu lenken – und armutsbetroffenen Kindern nicht das Gefühl von Benachteiligung zu geben. „Wir wollen unseren Schüler*innen zeigen, dass es im Leben nicht darum geht, materialistisch zu sein“, sagt sie.

Da die Schuluniform Pflicht ist, werden andere Kleidungsstücke und Gegenstände zu Statussymbolen: Schuhe, Rucksäcke, Jacken. Nach und nach reglementierte die Schule dann auch diese Gegenstände. Seit zwei Jahren bietet die Schule nun eigene Rucksäcke an, die 15 Pfund (knapp 17 Euro) kosten. Markenschuhe von Firmen wie Ugg oder Timberland sind ebenfalls nicht mehr gestattet. Die Schuhe müssen schwarz sein und dürfen keine Logos haben. Während der Schulzeit mit einem teuren iPhone zu protzen, ist nicht möglich. Die Schüler*innen dürfen zwar Smartphones bei sich haben, diese müssen jedoch während der gesamten Schulzeit im Rucksack bleiben. „Wer es rausholt und gesehen wird, bekommt eine Verwarnung“, sagt Phillips.

Nach dem Verbot der Luxusjacken überlegt Phillips nun, für das kommende Jahr eigene Jacken anzubieten. Bislang seien die Reaktionen auf ihr Luxusjackenverbot meist positiv, sagt sie. Eine örtliche Zeitung hatte seine Leser*innen befragt, was sie vom Verbot der Luxusjacken hielten. Gut 1.200 Menschen hatten mitgemacht und 80 Prozent von ihnen hielten die Maßnahmen für eine gute Idee.

All diese Maßnahmen sind Teil eines größeren Plans. Phillips möchte ihre Schule poverty proof machen. Die Nachteile von Schüler*innen aus armutsbetroffenen Familien sollen so gering wie möglich sein. Darum stellt die Schule auch Binden und Tampons zur Verfügung. Die Schulleitung hatte festgestellt, dass es in immer gleichen Abständen Schwankungen in der Anwesenheit bei den Mädchen gab.

Phillips hofft auf Nachahmer*innen

Nicht gehänselt zu werden, weil man keine Markenkleidung trägt, sei ein wichtiger Schritt zu gleichberechtigtem Lernen, sagt die Schulleiterin. Ihr ist bewusst, dass ihr Einfluss am Eingang zur Schule endet. „Ich kümmere mich um das, worauf ich Einfluss habe“, sagt sie – und hofft, dass andere Schulen im Land ihrem Beispiel folgen.