Diese Stickereien in sächsischen Polizeipanzern erinnern an die Nazizeit

Die sächsische Polizei hat neue Panzer bestellt, deren Sitze außergewöhnlich bestickt sind. Das Innenministerium wiegelt ab, doch Politiker*innen und Twitter-Nutzer*innen haben weiterhin Fragen.

Der neuen Panzer "Survivor R" Photo: Hendrik Schmidt / dpa

Die sächsische Polizei rüstet auf: Vergangene Woche wurde bereits einer der beiden Panzerwagen vom Typ Survivor R mit einem Stückpreis von 1.500.000 Euro präsentiert. Die beiden circa 13 Tonnen schweren Fahrzeuge wurden von dem Rüstungskonzern Rheinmetal und dem LKW-Hersteller MAN entwickelt und sollen Sachsen laut Spiegel Online dabei helfen, auf Amok- und Terrorsituation zu reagieren.

Der zweite Panzer soll noch vor Weihnachten geliefert werden – auch die Berliner Polizei hat den Survivor R bereits bestellt, so Rheinmetal. Das Spezialfahrzeug beherbergt ein interessantes Detail, welches momentan für hitzige Debatten im Internet sorgt: Auf den Sitzbezügen prangen die Worte „Spezialeinsatzkommando Sachsen“ – in gebrochener Schrift* und verziert mit Lorbeerkranz. Viele Personen erinnert das an Nazi-Symbolik.

Um diesen Schriftzug geh es. Screenshot: Twitter

So empört sich ein Nutzer auf Twitter: „Hübsches Logo! Fast wie früher […] fehlen nur Adler und Kreuz. Frage mich, wer sich so was ausdenkt heutzutage im Freistaat #Sachsen? Und wer hat entschieden, dass so ein Logo da reinkommt?“

Viele User*innen echauffieren sich über die Auswahl der Schriftart und der Stickerei.

Andere hinterfragen, wozu die sächsische Polizei überhaupt einen Panzer benötige.

Das Sächsische Staatsministerium des Innern reagierte am Sonntag via Twitter auf die Vorwürfe und präsentierte eine merkwürdige Erklärung: „Das Fahrzeug wurde mit dieser Bestickung der Sitze vom Hersteller so ausgeliefert. Auch wenn die vom Hersteller gewählte Schriftart nicht dem Markenhandbuch entspricht: Darin ein Indiz für rechte Attitüde zu sehen, weisen wir entschieden zurück.“ Im Markenbuch wird das Erscheinungsbild des Freistaates Sachsen festgelegt.

Kleine Anfrage und Reaktionen

Viele Nutzer*innen hinterfragen diese Aussage, wonach irgendjemand bei Rheinmetal beschlossen haben muss, die Sitze auf diese Art zu besticken.

Auch in der Politik sorgt der Schriftzug für Aufsehen. So stellte Valentin Lippmann, innenpolitischer Sprecher der sächsischen Grünen, bereits eine kleine Anfrage, in der er wissen möchte, wer die Sitze veranlasst beziehungsweise freigegeben habe. Denn auch wenn die Symbolik und die Schriftart nicht verboten sind, erinnern sie stark an die rechte Szene.

Laut Der Westen gab das Innenministerium jedoch bereits zu verstehen, dass man nun mit der verantwortlichen Person Rücksprache halten müsste. Es gilt also zu hoffen, dass die Wahl der Schriftart beim zweiten Fahrzeug anders ausfällt.

 


Anmerkung: Wir haben irrtümlich die Schrift als „Keilschrift“ beschrieben. Dies ist nun zu „gebrochener Schrift“ korrigiert worden.