Diese Werbungen sind so daneben, dass sie eine Rüge vom Werberat bekommen haben

Sexismus, Verharmlosung von Suizid und das Befeuern veralteter Rollenbilder: Gegen diese Werbeanzeigen und Videos hat der Werberat nun eine Rüge ausgesprochen.

Sexismus, Verharmlosung von Suizid und das Befeuern veralteter Rollenbilder: Gegen diese Werbeanzeigen und Videos hat der Werberat nun eine Rüge ausgesprochen.

Auch diese Werbung für Liquids für E-Zigaretten hat der Werberat gerügt. Screenshot: YouTube

Dass in der Werbung gerne mit viel nackter Haut gearbeitet wird, ist nicht Neues: Frei nach dem Motto „Sex Sells“ strahlen uns Six-Pack-Models oder Frauen in Bikinis von Werbeplakaten an. Der deutsche Werberat achtet jedoch darauf, dass die Werbung rechtlich und ethisch zulässig ist. Er ist eine Institution zur Selbstkontrolle und hat einen Werbekodex zusammengestellt, der als Leitfaden für die Werbeindustrie gilt. Jede Person, der eine Werbung auffällt, die ihrer Ansicht nach gegen den Werbekodex verstößt, weil sie zum Beispiel sexistisch oder rassistisch ist, kann mittels eines Formulars eine Beschwerde an den Werberat senden.

[Außerdem auf ze.tt: Diesen Sexismus erleben Menschen bei der Arbeit]

Wenn eine Beschwerde für begründet befunden wird, wird das entsprechende Unternehmen vom Werberat auf die Beanstandungen hingewiesen. Nach eigenen Angaben führt das in 96 Prozent aller Fälle zu einer Änderung oder Rücknahme der Werbeanzeigen. Nur in seltenen Fällen reagieren die Firmen nicht auf die Beanstandungen des Werberates, dann spricht dieser eine öffentliche Rüge aus. Das war auch nun wieder der Fall: Der deutsche Werberat rügte sieben Unternehmen „für rücksichtslose und herabwürdigende Werbung“. In einer Pressemitteilung heißt es, bei den Werbeanzeigen handele es sich unter anderem um „männer- bzw. frauendiskriminierenden Werbung“.

Sozialbetreuung „Lebensfreude“: Verharmlosung von Suizid

Screenshot: Facebook

In der Werbeanzeige der sozialen Betreuung „Lebensfreude“ aus Halle an der Saale wird das Foto einer Frau, die sich einen Strick um den Hals legt, mit dem Bild einer musikhörenden, älteren Frau verbunden. Der Werberat teilt mit: „Angedeuteter Suizid sei als Eyecatcher für ein Werbeplakat nicht akzeptabel. Das Leid alter Menschen sowie deren Angehöriger werde instrumentalisiert und das Leben ohne Nutzung des beworbenen Dienstes als perspektivlos dargestellt.“

Roofy’s: „Du magst es doch prall, rund und saftig!“

Screenshot: YouTube

Die Firma Roofy’s bietet Liquids für E-Zigaretten an. In einem Werbespot für unterschiedliche Geschmacksrichtungen der Liquids wird ein Mann von drei Frauen in Dessous begleitet. Die Frauen reichen ihm einen Bademantel, füttern ihn mit Müsli oder halten sich Wassermelonen vor die Brüste, was der Protagonist mit dem Satz „Du magst es doch prall, rund und saftig!“ quittiert. Der Werberat ist der Ansicht, der Spot reduziere die Frauen „auf ihre sexuellen Reize“.

Nomis e.K.: „Rohr verstopft?!“

Screenshot: Rohrreinigung Nomis

Die Rohrreinigung und -Sanierung Nomis e. K. wirbt für ihre Dienstleistungen mit einem nackten Mann, der sich ein Schild mit dem Firmennamen vor den Schritt hält. Außerdem ist darauf die Frage „Rohr verstopft?“ zu lesen. In einer Pressemitteilung des Werberates heißt es, die Nomis e. K. wolle damit eine „klassische Situation“ darstellen, in der man erst unter der Dusche bemerke, dass ein Rohr verstopft ist. Der Werberat urteilt jedoch: „Die Wort-Bild-Kombination spiele auf das männliche Genital an, auch wenn das humorvoll gemeint sein möge.“

Börmann GmbH: „Glatt und eben muss er sein – der Estrich“

Screenshot: EFB Erdmannsdorf

Die Börmann GmbH ist eigentlich Experte für Estrich- und Fußbodenbeläge – doch anscheinend auch für Sexismus. Eine Werbung des Unternehmens zeigt einen Frauenpo in einer knappen Hose, darüber der Schriftzug „Glatt und eben muß er sein – der Estrich.“ Der Werberat erklärt, dass durch die Verbindung von Text und Bild „Frauen und ihre Körper in herabwürdigender Art und Weise zur Schau gestellt, auf ihre Sexualität reduziert und als Eyecatcher für eine Handwerksleistung missbraucht“ werden.

Fleischeslust die Metzgerei und Feinkosteria e.K.: Sexy Rollladen?

Screenshot: YouTube
Screenshot: YouTube

In einem Werbespot der Metzgerei Fleischeslust ist eine Frau in Unterwäsche zu sehen, die sich in einem Bett räkelt. Parallel dazu werden die Bilder eines Metzgers eingeschnitten, der eine Fleischroulade zubereitet. Der Werberat sieht darin das Gleichsetzen der Frau mit dem Fleisch und eine Reduzierung auf ihre Sexualität. Dabei betont er, dass „Erotik in der Werbung selbstverständlich erlaubt“ sei, in diesem Fall wird die Frau jedoch als „reines Objekt sexueller Begierde“ dargestellt.

Gottfried Helfert: Nackte Frauen und Trucks

Screenshot: Werberat

Gottfried Helfert bietet eigentlich Verkehrsseminare an. Auf seiner Website wird jedoch mit fast nackten Frauen vor großen Trucks geworben. Laut Angaben des Werberats bezeichnet der Anbieter diese Darstellungen als „hochwertig künstlerische […] Fotografien“, doch der Werberat meint: „Die Darstellung diene voyeuristischen Zwecken ohne jeglichen sachlichen Zusammenhang.“

Sumi Agro Limited: „Sechs Mal spritzen!“

Screenshot: Werberat
Die Landwirtschaftsfirma Sumi Agro Limited wirbt für ein Anti-Pilz-Mittel bei Kartoffelplflanzen mit einer nackten, duschenden Frau, deren Intimbereich lediglich von Schilder verdeckt wird. Auf diesen Schildern ist unter anderem „Sechs Mal spritzen!“ zu lesen. Laut Werberat argumentierte das Unternehmen zwar, die Werbung mit dem Foto einer „sich pflegenden und duschenden Frau […] deute auf gepflegten Kartoffelbestand hin“. Der Werberat bezeichnet die Werbung jedoch als „sexistisch“ und das Wort „spritzen“ in diesem Zusammenhang als sexuelle Anspielung.