Diese Zufälle sind fast zu schön, um wahr zu sein

So ein Zufall: In seiner Fotoreihe Coincidences zeigt der Fotograf Jonathan Higbee, wie beeindruckend zufällige Situationen sein können.

Es gibt Zufälle, die wir kaum für möglich halten: Wir begegnen plötzlich der Freundin auf der Straße, an die wir noch vor fünf Minuten gedacht haben. Wir sprechen mit anderen über eine Person, von der wir schon längere Zeit nichts mehr gehört haben: Kurz darauf klingelt das Telefon und eben diese Person ist am Apparat. Wir wollen ein ganz bestimmtes Kleidungsstück, hinter dem wir schon lange her sind, endlich kaufen – und genau an diesem Tag ist es auch noch im Angebot. Solche Zufälle ereignen sich ständig, manchmal fallen sie in unserem hektischen, vollgepackten Alltag zwischen Schule, Ausbildung oder Job gar nicht richtig auf. Dabei wohnt diesen kleinen, einzigartigen Momenten meist ein besonderer Zauber inne.

Diesen Zauber fängt der New Yorker Fotograf Jonathan Higbee mit seiner Kamera ein. In seinem Fotoprojekt Coincidences, also Zufälle, zeigt er zufällige Momente, die ihm in der Großstadt begegnen – ohne nachzuhelfen oder zu inszenieren. Jonathan ist einfach oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Die Idee zu dem Projekt kam ihm kurz nachdem er in die US-amerikanische Millionenstadt gezogen war und seine neue Nachbarschaft auf einem Spaziergang erkunden wollte. „Das ständige Brummen und das Chaos der Straßen waren anfangs etwas überwältigend, und als ich kurz eine Pause machte und das Leben um mich herum aus einem anderen Blickwinkel wahrgenommen habe, hat mich das inspiriert und ich habe fotografiert. Das hat mir dabei geholfen, ein Gefühl von Frieden und Verständnis zu bekommen“, sagt Jonathan.

Metropolen: Beunruhigend und aufregend zugleich

Dabei merkte er zwar, dass sich einige zufällige Situationen auf den Fotos ereigneten, dachte sich zunächst jedoch nicht allzu viel dabei. Doch schnell verstand er, dass die Fotos von Zufällen am besten geeignet waren, um Geschichten zu erzählen: „Coincidences erzählt die Geschichte, wie moderne Megastädte schnell unsere Psyche in Anspruch nehmen und die Sinne derer überwältigen, die in ihnen leben.“

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Coincidences, so führt Jonathan fort, zeige seine Erfahrungen im Umgang mit Kontrollverlust und Reizüberflutung in modernen Großstädten wie New York: „Ich kann mir keine bessere Möglichkeit vorstellen, die Angst und die Beklemmung, die ich beim Umzug in diese Stadt fühlte, in etwas Produktives zu verwandeln.“ Deshalb hofft er, dass die Betrachter*innen seiner Fotos die Orientierungslosigkeit und die Unwirklichkeit von Coincidences erleben. Das sei ein Hauptmerkmal der Serie und er habe daran sehr hart gearbeitet.

Manchmal wartet er Monate auf den perfekten Moment

Tatsächlich beschreibt er Coincidences als sein bisher schwierigstes Fotoprojekt: „Es kann Monate dauern, ein einzelnes Bild zu knipsen, wobei ich durchschnittlich zwei Wochen pro Aufnahme brauche. Wenn ich durch die Straßen von New York laufe, halte ich immer Ausschau nach Situationen, die vielleicht eine großartige Geschichte über die unbegrenzten Möglichkeiten dieser Stadt erzählen. Sobald ich etwas Faszinierendes gefunden habe – zum Beispiel eine Werbetafel, Street Art, eine Skulptur oder die Lichtreflexionen an Gebäuden – kehre ich zu diesen Orten zurück und fotografiere alles, was sich dort abspielt über viele Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate – so lange es eben dauert, den magischen Moment einzufangen.“


Weitere Arbeiten von Jonathan findet ihr auf seiner Webseite, auf Instagram, Facebook und Twitter.