Diesen Sexismus erleben Menschen bei der Arbeit

„Wenn es beruflich nichts wird, dann werd einfach schwanger – das ist auch eine Karriere!“ Wir haben unsere Leser*innen nach ihren Erfahrungen gefragt.

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Die Gedanken kreisen um den einen Satz, die eigene Reaktion und warum man erst zu Hause, längst zu spät, realisiert hat, dass man sich hätte wehren müssen. Ja: Manchmal ist sofort klar, dass der Spruch von Kolleg*innen sexistisch war. Manchmal aber dauert es etwas, bis uns bewusst wird, was und warum jemand etwas zu uns gesagt hat. Und dass es sich dabei um kein Kompliment handelte, keine nette Geste, sondern um Machtausübung.

Seit einiger Zeit wird Sexismus am Arbeitsplatz durch Geschichten, die durch #MeToo und #TimesUp ans Licht kamen, intensiv in der Gesellschaft diskutiert. Wir haben Menschen gefragt, welchen Sexismus sie in ihrem Job erleben.

Das sind ihre anonymen Erfahrungsberichte:

Als DJane: „Hör mal Mädchen, weißt du eigentlich, was du da spielst? Das ist von 1973!“ oder „Du tust so, als wärst du ein Mann – du hast ja sogar einen Hut auf!“

„Am Telefon werde ich ziemlich oft für eine Sekretärin gehalten, nur weil ich eine Frau bin.“

Ich habe in einem Kindergarten gearbeitet und durfte die unter dreijährigen Kinder nicht wickeln, da ich ein Mann war. Wobei sogar die Praktikantinnen das durften.“

„Auf einer Feier eines Geschäftspartners smalltalke ich (weiblich, 27) mit einem Mann (über 50) am Büfett. Er fragt mich, warum ich da bin, ich antworte, meine Kolleg*innen, die direkt mit dem Geschäftspartner zu tun haben, hätten gefragt, ob ich mitkommen will. Er zu mir: ,Die sehen eben, dass du hübsch bist und nehmen dich deshalb auf Partys mit.‘ Später drückt er mir ungefragt einen Kuss auf die Backe und meint, ich solle mich auf solchen Partys nicht von alten Männern anmachen lassen.“

„Ich habe mich zweimal für eine feste und mit umfangreicheren Aufgaben verbundene Stelle in meiner Firma beworben, beide Male hörte ich von den – jeweils unterschiedlichen – Verantwortlichen: Bitte überlassen Sie diese Stelle doch einem Kollegen, der das Geld wirklich nötig hat, denn Sie haben ja einen Ehemann, der Sie versorgen kann.“

„Die Männer im Büro meinen ständig, meine Kleidung kommentieren zu müssen.“

„Architekt, Meeting mit der Auftraggeberin, sie zu mir: ,Na wow, welch sexy Erscheinung zur tiefen Telefonstimme!'“

Wenn es beruflich nichts wird, dann werd einfach schwanger. Das ist auch eine Karriere!“

„Bei meiner Arbeit in einem sehr technischen Umfeld werde ich oft zur Praktikantin heruntergestuft, auf Einsätze überdurchschnittlich oft begleitet und dort auch spontan besucht und kontrolliert, ob ich alles richtig mache. Außerdem wird mir verboten, schwer zu heben, und auch das Autofahren wird mir gerne untersagt. Am schlimmsten sind die Klienten, die sich über ein ,so hübsches junges Mädel im Dienst‘ sehr freuen und mir alle Kompetenz absprechen. All das passiert mir täglich.“

„Das wird stressig, lass das mal Kerle machen!“

„Eine Kollegin kam mit Löchern an den Knien in der Hose in die Arbeit. Ein Kollege sagte: ,Die Frauen sind heutzutage viel auf den Knien unterwegs, mh?'“

[Außerdem auf ze.tt: #MeToo: Drei Schauspielerinnen beschuldigen Regisseur Dieter Wedel der sexuellen Nötigung]

„Nebenjob in der Eisdiele: Alle weiblichen Mitarbeiter mussten Röcke tragen.“

„Für ’ne Frau hast du echt viele Muskeln und kannst gut Auto fahren.“

Jetzt kannst du den Kuchen ja essen, bist ja eh schon verheiratet.“

„Chefin zu mir, als ich krank war, aber trotzdem gearbeitet habe: Schmink dich bitte, du siehst so krank aus.“

„Dass zwei Frauen hier einen Patienten hochtragen müssen, das sollten eigentlich die Männer machen.“

[Außerdem auf ze.tt: Sexuelle Gewalt: Warum wir einen anderen Täter-Opfer-Dialog brauchen]

„Zu einer repräsentativen Veranstaltung trage ich den Button meiner Institution an der Bluse. Kommentar vom Chef: ,Oh, sie bräuchten ja zwei Buttons! Für jede Brust einen.'“