Dieser Fotograf hält die Vielfalt am Flughafen fest

Ein türkischer Fotograf fragt Menschen auf der Durchreise, ob er sie fotografieren darf, und sammelt die Bilder in seinem Fotoprojekt 100 Faces, 100 Countries.

Flughäfen sind etwas Faszinierendes: Menschen aus aller Welt landen, sind auf der Durchreise, fliegen in den Urlaub, kommen nach Hause, sind auf Geschäftsreise, holen Freund*innen ab, warten mit einem Kaffee auf den Anschlussflug … Kaum ein Mensch kommt dort regelmäßig hin – außer den Mitarbeiter*innen natürlich. Mustafa Çankaya ist einer von ihnen: Mustafa ist 40 Jahre alt und lebt in Istanbul. Er arbeitet am größten internationalen Verkehrsflughafen der Türkei, dem Atatürk Flughafen, als Reservierungs-Manager des Flughafenhotels und geht dort gleichzeitig seiner Leidenschaft, der Fotografie, nach.

Seit 2011 beschäftigt er sich nun schon professionell damit. Damals veranstaltete die Firma, für die Mustafa arbeitet, einen Fotografie-Workshop für ihre Mitarbeiter*innen. „Einer der besten Fotografen der Türkei, Muammer Yanmaz, war mein Lehrer. Ich habe diese Gelegenheit genutzt. Er half mir sehr dabei, mich weiterzuentwickeln. Wir sind noch immer in Kontakt“, erklärt er.

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Inspiriert von seiner Arbeitsstelle kam er dann auf die Idee zu dem Projekt 100 Faces, 100 Countries: „Ich wollte meine Leidenschaft für die Fotografie mit meiner Arbeitsstelle, dem Flughafen, verbinden. Ich sah jeden Tag tausende verschiedene Gesichter an mir vorbeiziehen, aus allen Kulturen. Für einen Fotografen ist das wie eine Schatztruhe.“ Sein Ziel ist es, insgesamt 100 verschiedene Menschen aus 100 verschiedenen Ländern zu fotografieren. Mustafa sagt: „Ich laufe fast jeden Tag den Durchreisebereich des Flughafens entlang, um das passende Gesicht für das Projekt zu finden.“

Regisseur*innen, Fotograf*innen und Bodybuilder*innen

Für lange Unterhaltungen bleibt ihm meist leider keine Zeit: Die meisten haben es eilig und müssen ihre Anschlussflüge erwischen. Oft findet Mustafa erst später raus, mit wem genau er es zu tun hatte: „Meist erfahre ich mehr über die Menschen, wenn wir über Social-Media in Kontakt bleiben. Ich habe dadurch herausgefunden, dass ich unter anderem Regisseure, Fotografen, Professoren und Bodybuilderinnen getroffen hatte.“ Meist braucht es keine Überzeugungsarbeit: Die meisten Personen, die Mustafa anspricht, machen mit. Er schätzt, dass nur knapp zehn Prozent ablehenen: „Ich erzähle zunächst immer ein bisschen vom Projekt und zeige die bisherigen Bilder, bevor ich dann ein neues mache. Die meisten Leute finden die Bilder interessant – und schon finden sie sich selbst im Projekt wieder.“

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Der Flughafen scheint genau der richtige Ort für Mustafas Vorhaben zu sein. Für ihn ist das ein besonderer Ort: „Hier vermischen sich Kulturen auf sehr kleinem Raum. Menschen mit traditionellen Kleidern, verschiedenen Sprachen und so weiter. Ich fühle mich hier sehr wohl, weil ich die Vielfalt gerne mag.“

Ich fühle mich hier sehr wohl, weil ich die Vielfalt gerne mag.“

Mustafa schießt immer zwei Bilder: Ein Bild in der Situation, in der Mustafa die Person angetroffen hat, und ein Porträtfoto. Momentan hat er bereits Reisende aus 51 Ländern abgelichtet. Sein Ziel ist es zunächst, die Fotos am Atatürk Flughafen auszustellen. Doch Mustafa denkt schon weiter: „Ich würde das Projekt dann gerne auch auf andere Flughäfen ausweiten – und letztendlich auch in einer echten Fotogalerie ausstellen“, erklärt er.


Alle bisherigen Bilder aus dem Projekt 100 Faces, 100 Countries und weitere Arbeiten von Mustafa findet ihr auf seiner Webseite und auf Instagram.