Dieser Schal zeigt, dass Männer in der Politik immer noch viel mehr reden als Frauen

Rot für Männer, grün für Frauen: Die kanadische Bezirksbürgermeisterin Sue Montgomery strickt gegen die ungleichen Redeanteile der Geschlechter in der Politik an.

Dieser Schal zeigt, dass Männer in der Politik immer noch viel mehr reden als Frauen

Ganz schön rot, ganz schön männlich. Screenshot: Twitter/@MontgomerySue

Sue Montgomery strickt gerne – und das auch auf der Arbeit. Montgomery sitzt in der kanadischen Stadt Montreal im Stadtrat und ist Bezirksbürgermeisterin. Monatlich muss sie dafür in einem Treffen des Exekutivkomitees sitzen. „Ich stricke dabei, weil es mir beim Konzentrieren hilft“, sagt sie.

Vergangene Woche hatte sie allerdings eine besondere Idee für ihren Schal: Sie strickte mit einem roten und einem grünen Faden. Den Grünen verwendete sie immer, wenn Frauen sprachen – den roten, wenn Männer redeten. Das Ergebnis, das sie auf Twitter veröffentlichte, ist vorallem eines: Sehr rot. „Es ist nicht so, als ob Frauen nicht reden würden, aber Männer reden zu viel und wiederholen alles mehrere Male und verschwenden die Zeit von allen Beteiligten“, ergänzte sie unter dem Bild. Und das, obwohl in diesem Treffen 31 Frauen und 34 Männer sitzen, die Geschlechter also nahezu gleichberechtigt vertreten sind.

Soziolog*innen der Universität Princeton in den USA stellten fest: Je größer eine Gruppe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Männer das Wort ergreifen. „Redezeit ist ein Statussymbol“, sagt Marianne Schmid Mast, Professorin für Organisationsverhalten der SZ. Montgomerys Beobachtung passt zu dieser Erkenntnis. Sie zeigt, dass eine zahlenmäßige Ausgeglichenheit noch lange keine gleichberechtigte Teilhabe bedeutet. Nur weil ebensoviele Frauen wie Männer in politischen Gremien sitzen, bedeutet das nicht, dass ihre Worte gehört werden und ihnen genauso viel Gewicht gegeben wird.

Stricken gegen gesellschaftliche Probleme

Es ist nicht das erste Mal, dass einem gesellschaftlichen Problem durch Strickkunst Ausdruck verliehen wird. Im Januar veröffentlichte die Journalistin Sara Weber ein Foto des selbst gestrickten sogenannten Bahn-Verspätungsschals ihrer Mutter: „Pro Tag zwei Reihen: Grau bei unter 5 Minuten, rosa bei 5 bis 30 Minuten Verspätung, rot bei Verspätung auf beiden Fahrten oder einmal über 30 Minuten.“

Im Sommer, in München traditionell Baustellenhochsaison, brauchte Webers Mutter statt der üblichen 40 Minuten knapp zwei Stunden in die Arbeit. „Jeden Tag. Sechseinhalb Wochen lang.“ Ihr MVV-Ticket kostet sie 175 Euro im Monat.