Dieser selbst gestrickte Schal zeigt, wie sehr sich die Erde in 138 Jahren erwärmt hat

Vom dunklen Blau für das kälteste Jahr bis zum dunklen Rot für das wärmste. Der Klimaschal ist ein erschreckendes und schönes Stück Handarbeit zugleich.

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Mit dem Klimaschal soll die Erderwärmung der letzten Jahre verdeutlicht werden. Bild: Screenshot: Twitter / @EvaStegen / Collage: ze.tt

Es ist kühl geworden die letzten Tage. Die Vorweihnachtszeit ist eingeläutet und Menschen packen sich wieder dick in Jacke und Mütze ein. Wenn draußen ein eisiger Wind weht und die Temperaturen in den Minusbereich fallen, sollte allerdings ein Kleidungsstück beim Verlassen der Wohnung auf keinen Fall fehlen: der Schal.

Es ist kalt, doch die Erde schwitzt

Bei den eisigen Temperaturen im Winter fällt es manchmal schwer daran zu denken, dass sich die Erde in den vergangenen Jahren immer mehr erwärmt hat. Bereits jetzt stellen Wissenschaftler*innen einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 1,0 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau fest. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren.

Um diese erschreckende Entwicklung zu visualisieren, erfand die Klimawissenschaftlerin Ellie Highwood eine gehäkelte Babydecke, die die globalen Durchschnittstemperaturen der letzten 138 Jahre als farbige Streifen vom dunklen Blau für das kälteste Jahr der Aufzeichnungen, bis zum dunklen Rot für das wärmste zeigt. Die deutsche Klimaexpertin und Energiereferentin Eva Stegen übernahm das Prinzip anschließend und übertrug den Klimawandel ebenso einfach wie verblüffend in einen gestrickten Schal.

Bunt und furchteinflößend

Dabei machte sie sich die von Ellie Highwood entwickelten Farbskala zunutze, die Anhand der Daten des US-amerikanischen Instituts für Ozeanographie und Atmosphärenkunde von 1880 bis heute die Entwicklung der Erderwärmung mit 15 Farben visualisiert. Jede der Farben repräsentiert dabei ein Temperatur-Intervall von einem Zehntel Grad – vom dunklen Blau für das kälteste Jahr der Aufzeichnungen bis zum dunklen Rot für das wärmste. Die Skala stellt eine Weiterentwicklung der als Warming Stripes bekannten Visualisierung des Klimaforschers Ed Hawkins da, der wie Highwood an der britischen University Reading tätig ist. Hawkins hatte darin die Temperaturwerte der zurückliegenden Jahrzehnte in farbige Striche umgewandelt.

Wie Eva Stegen erklärt, geben die letzten Dunkel-Lila-Reihen 1992/93 den Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen – einen der folgenschwersten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts – wieder. Der El Niño von 1997/98 markiert nicht nur die Geburtsjahre vieler Klima-streikender Studierender in rot und orange, sondern gilt auch als extremstes Wetterphänomen der letzten Jahre. Das unregelmäßig im Pazifikraum auftretende Phänomen brachte nicht nur das globale Wettergeschehen und die pazifischen Ökosysteme durcheinander, sondern verursachte Schätzungen zufolge auch 33 Milliarden US-Dollar an Schäden und kostete rund 23.000 Menschen weltweit das Leben. Nach Angaben von Forscher*innen wird der nächste El Niño mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2020 auftreten. Den 1976 geborenen Eltern der schulstreikenden Kinder ist der letzte dunkelblaue Streifen in der Zeitreihe gewidmet. Das war das letzte Jahr, dessen globale Durchschnittstemperatur unter dem langjährigen Mittel (1900-2000) lag.

Klimaschal Foto - Strickanleitung

So strickt ihr euren eigenen Klimaschal

Wenn ihr selber ein kuscheliges Zeichen für die Bekämpfung der Klimakrise setzen wollt, hat die Bloggerin Carina aka Häkelmonster die passende Anleitung und Farbtabelle für euren eigenen Klimaschal.

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Die Farbtabelle für den Klimaschal. © Haekelmonster.de

Material:  

Jeweils 1 Knäuel:

in den Farben
Violett: Clematis und Aubergine
Blau: Enzian, Royal und Capri
Grün: Smaragd und Malachit
Gelb: Löwenzahn, Honig, Marakuja und Orange
Rot: Kirsche, Zyklam, Weinrot und Burgund.

Rundstricknadel 4,0 mm (alternativ 4,5 mm)

Wollnadel zum Vernähen der Fäden

Größe des Schals: je nach Muster
2re/2li = ca. 18 cm breit (ungedehnt) und 210 cm lang
1re/1li = ca. 20 cm (ungedehnt) und 210 cm lang

Maschenprobe:  

1re/1li: 32 Maschen x 28 Reihen (10 x 10 cm,  ungedehnt gemessen)
2re/2li: 36 Maschen x 28 Reihen (10 x 10 cm, ungedehnt gemessen)

Je nach gewünschtem Rippenmuster (1re/1li oder 2re/2li):

1re/1li:    60 Maschen anschlagen
1 Masche rechts, 1 Masche links im Wechsel stricken
Achtung: beide Randmaschen im Muster arbeiten, also die erste Masche rechts, die letzte Masche einer Reihe links stricken

2re/2li:     60 Maschen anschlagen
2 Maschen rechts, 2 Maschen links im Wechsel stricken
Achtung: Die letzte Masche jeder Reihe immer abheben, mit dem Faden vor der Nadel; die erste Masche einer Reihe immer rechts stricken.

Bei beiden Varianten:

Beginnend im Jahr 1880 die Farben wie in der Liste gezeigt wechseln. Dabei entspricht ein Jahr vier Reihen. Das heißt also:
1880 = 4 Reihen in der Farbe „royal“ (Farbnummer: 151) stricken
1881 = 4 Reihen in der Farbe „capri“ (Farbnummer: 168) stricken usw.

Schließlich für das Jahr 2018 nur drei Reihen stricken und dann alle Maschen im Musterrhythmus abketten.

Die Fäden vernähen und den Schal tragen.