Warum sich Hunderte Menschen vor dem Haus eines YouTubers versammelten

Am Montag gingen mehrere hundert Menschen auf die Straße, um gegen den als Drachenlord bekannten YouTuber zu demonstrieren. Wer ist dieser Mensch?

Am Montag gingen mehrere hundert Menschen auf die Straße, um gegen den als Drachenlord bekannten YouTuber zu demonstrieren. Wieso ist er so unbeliebt?

Die Menschen demonstrieren gegen den YouTuber Drachenlord. Foto: David Oßwald / NEWS5 / dpa

Der YouTuber Drachenlord, der mit bürgerlichem Namen Rainer W. heißt, wurde schon des Öfteren Opfer von Mobbing im Netz: User*innen belogen den 29-Jährigen, stellten ihn in der Öffentlichkeit bloß und machten sich unter anderem wegen seines Aussehens über ihn lustig. Diese Ablehnung nahm kürzlich ganz neue Züge an: Laut Spiegel Online kamen trotz eines Versammlungsverbots 600 bis 800 Personen in das beschauliche Altschauerberg, um gegen den YouTuber zu demonstrieren. Das Medium beruft sich auf einen Sprecher des Landratsamts, der von konkreten Hinweisen auf „geplante Straftaten bis hin zu Morddrohungen“ gegen den YouTuber spricht.

Wie die Nachrichten-Plattform T-Online berichtet, hatte die Polizei am Montag viel zu tun: Sie mussten den kleinen Ort zum Teil komplett absperren und versuchen, die Teilnehmenden aus dem Dorf zu drängen. Dabei wurden Feuerwerkskörper gezündet, eine kleine Fläche nahe des Waldes brannte ab und es mussten sogar Polizist*innen von einem DFB-Pokalspiel abzogen und nach Altschauerberg bestellt werden. Es sollen etwa 300 Platzverweise ausgesprochen worden sein.

Wer ist der Drachenlord?

Rainer W. ist 29 Jahre alt, lebt im Haus seiner Eltern in dem kleinen Dorf und veröffentlichte bis vor Kurzem noch regelmäßig unter dem Namen Drachenlord Videos auf seinem YouTube-Kanal. Dort präsentiert er sich als Metal-Fan, zum Teil ist seiner Sprache etwas derb, er scheut sich auch nicht vor Gewaltandrohungen auf seinem Kanal. In seinen Videos spricht er über unterschiedliche Themen, gibt unter anderem auch pikante Details über sein Privatleben Preis, redet offen über Sex mit Tieren oder Spielzeugen. Auch antisemitische Aussagen wie „Ja, Holocaust wäre mal ne richtig nice Sache“ waren dort zu finden.

Für all das erntet der Drachenlord im Netz jede Menge Kritik und Hass. Er wurde Opfer von Cyber-Mobbing, weil seine Hater*innen die Ansichten des Drachenlords nicht vertreten, sich über ihn oder sein Aussehen lustig machen oder einfach nur provozieren wollen. Der Drachenlord wurde Deutschlands erstes Swatting-Opfer: Im Juli 2015 rief ein Hater im Namen des YouTubers die Feuerwehr und meldete einen Brand in dessen Haus, den es gar nicht gab, woraufhin die Feuerwehr ausrückte. Es wurden auch schon häufig Gegenstände im Namen des YouTubers zu ihm nach Hause bestellt.

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Der Hass im Netz kam dann irgendwann auch in der Realität in Altschauerberg an. In einem Video, welches der Drachenlord vor einigen Jahren veröffentlichte, gab er seine Privatadresse bekannt. Jemand hatte versucht, seine Schwester einzuschüchtern, woraufhin er in einem Video darauf reagierte: „Wer auch immer das war: Traut euch! Kommt zu mir! Ich prügel die Scheiße aus euch raus“, wetterte der 29-Jährige damals in die Kamera. Seitdem sind tatsächlich unzählige Menschen seiner Aufforderung gefolgt und haben ihm einen Besuch abgestattet – einige aus Neugier, andere um das Mobbing fortzuführen, wieder andere, um ihm zu helfen. Doch Hilfe ist offenbar nicht gewünscht. Ein derartig großes Menschenaufgebot, wie es am Montag der Fall war, hatte es in der kleinen Ortschaft noch nicht gegeben.

Der Hass kommt aus dem Netz ins Dorf

Eine Dokumentation der Journalist*innen des Y-Kollektivs mit dem Titel Drachenlord vs. Hater – wenn Cyber-Mobbing Realität wird zeigt Mitschnitte von bisherigen Angriffen und Beleidigungen: Menschen dringen auf das Grundstück des YouTubers ein, er steht mit einer Waffe auf seinem Balkon, Prügelszenen sind zu sehen. Auch seine Nachbar*innen werden terrorisiert: Sie berichten von Besucher*innen, die in das Dorf kommen, um gegen den Drachenlord zu wettern, Eier gegen sein Haus schmeißen oder nachts Böller in seinen Garten werfen. „Alle sind am Ende, wir haben keine Lust mehr“, berichtet ein Anwohner.

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Eine Erklärung, wie der Drachenlord überhaupt in das Visier der Hater*innen geraten ist, liefert der Medienexperte Lutz Klaus im Interview mit dem Online-Portal nordbayern.de: „Er hat sich zunächst angeboten durch die Art, wie er aufgetreten ist, mit seinem Erscheinungsbild, seiner einfachen Sprache. Das Besondere ist, dass er das zum Format gemacht hat. In diesem Extremfall ist das einmalig. Ohne Schuldzuweisungen machen zu wollen, er hat an dem Rad auch mitgedreht.“ Lutz erklärt außerdem, welchen Ausweg er für den Drachenlord sieht: „Man braucht dringend Hilfe von außen. Es gäbe sicherlich einige, die bereit wären, sich auf die Seite des ,Drachenlord‘ zu stellen. Aber das muss er natürlich auch annehmen.“

Bisher hat sich der Drachenlord noch nicht zu der Demonstration am Montag geäußert. Aktuell sind keine Videos mehr auf dem Kanal des YouTubers zu finden: „Kanal auf unbestimmte Zeit pausiert“ ist dort zu lesen. Auch sein Twitter-Account wurde gesperrt.