Dieses Buch stellt Mansplainer mithilfe klassischer Gemälde bloß

Wenn Männer Frauen ungefragt die Welt erklären, spricht man von Mansplaining. In ihrem Buch Men to Avoid in Art and Life rechnet Nicole Tersigni mit diesen Typen ab.

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Immer diese Mansplainer! Fotos: Chronicle Books / Collage: ze.tt

Eine junge Frau sitzt im Zug. Ein Mann, sichtlich älter als sie, beugt sich über die Rückenlehne zu ihr herunter. In der Hand hält er eine qualmende Zigarre, durch seine Brille schaut er sie eindringlich an. „Wenn du mich fragst, ist Feminismus zu weit gegangen. Und ich habe einmal eine Frau gewählt“, sagt er zu der jungen Frau. Gelangweilt, fast leidend, schaut sie in Richtung des Betrachters. Bei dem Bild handelt es sich um Der lästige Kavalier, ein Werk des deutschen Malers Berthold Woltze. Das Original stammt aus dem Jahr 1874. Den Text hat Comedy-Autorin Nicole Tersigni eingefügt, mehr als 140 Jahre später.

Der lästige Kavalier ist eines von vielen Gemälden, das in Tersignis kürzlich erschienenem Buch Men to Avoid in Art and Life vorkommt. Das Buch ist eine Sammlung von Memes, bei denen die Autorin klassische Gemälde mit modernen Captions paart, um mit Humor das Phänomen des Mansplainings zu erklären.

Es begann mit einem Witz auf Twitter

Alles begann mit einem Tweet im Mai 2019. Nicole Tersigni scrollte durch ihren Twitter-Feed und entdeckte einen Post, in dem ein Mann einer Userin ihren eigenen Witz erklärte – etwas, das ihr selbst, wie Tersigni im Gespräch mit der New York Times erzählt, schon oft passiert war. Meistens habe sie die Erklärung stehen lassen, aber diesmal entschied sie sich, zurückzufeuern. Sie öffnete die Google-Bildersuche und gab die Worte “Frau umringt von Männern“ in die Suchleiste ein. Was aufploppte, war das Gemälde Christus und die Ehebrecherin von Jobst Harrich aus dem 17. Jahrhundert: Eine Frau, umringt von Männern, entblößt eine nackte Brust. Für Nicole Tersigni das perfekte Motiv für ihren Witz.

Mit dem Text “Maybe if I take my tit out they will stop explaining my own joke back to me” (auf Deutsch: Vielleicht, wenn ich meine Brust raushole, werden sie aufhören, mir meinen eigenen Witz zu erklären) postete die Comedy-Autorin das Bild auf Twitter. Und sie traf damit einen Nerv, innerhalb kürzester Zeit ging das improvisierte Meme viral.

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Weil so viele Menschen darüber lachten, machte Tersigni weiter. In den folgenden Tagen postete sie immer mehr Memes dieser Art in einen Twitter-Thread. Am Ende war es dann Tersignis Agentin, Rachel Sussman, die den Vorschlag für das Buch hatte.

Tersigni unterscheidet mehrere Arten von Mann, die Frauen die Welt erklären wollen

Jetzt lassen sich die von der Autorin neu interpretierten Werke im Buch Men to Avoid in Art and Life bewundern. Es ist ein Buch, das Mansplaining anschaulich erklärt – und zerstört. Mansplaining ist eine englische Sprachschöpfung, die die Worte „Man“ und „Explaining“ vereint: Es meint die Art und Weise, wie manch ein Mann Frauen die Welt erklärt, etwa zu Themen wie Periode, Sex und Schwangerschaft, die den weiblichen Körper direkt betreffen. Oder zu Bereichen, in denen die jeweilige Frau fachliche Expertise hat – etwa Nicole Tersigni als Comedy-Autorin, der ein Mann ihren Witz erklären will.

In Men to Avoid in Art and Life unterteilt Tersigni den Mann in verschiedene Kategorien: den Mansplainer, den Concern Troll, den Comedian, den Sexplainer und den Patronizer.

„Wissenschaftlich gesehen, genießen Frauen Sex einfach nicht. Das muss ich glauben, die Alternative wäre, dass ich einfach schlecht darin bin. Haha. Kannst du dir das vorstellen?“, sagt so ein typischer Sexplainer zu einer jungen Frau. Er steht halb verdeckt hinter ihr, sie hat den Hut tief ins Gesicht gezogen und liest ein Buch. Fast so, als wolle sie den Mann ignorieren.

Oder der Comedian auf dem Markt, der eine Dame mit einem Korb voller Einkäufe am Arm zurückhält, die sich gerade von ihm abwenden möchte. Er hält eine tote Taube in seiner Hand. „Ich glaube nicht, dass du meinen Witz verstanden hast. Es ist lustig, weil die Taube tot ist. Sie kann nicht – weißt du was? Ich erzähle ihn einfach noch mal. Hör diesmal wirklich zu.“

Die klassischen Bilder verdeutlichen, dass es Misogynie in dieser Form schon lange gibt

Es sind Situationen wie diese, die Nicole Tersigni wohl selbst gut kennt. Vielleicht nicht vom Markt, aber aus dem Internet. Sie verbindet die modernen Captions mit klassischen Bildern, um zu verdeutlichen, dass diese Art der Misogynie schon seit Jahrhunderten besteht, schreibt The Guardian. Und auch deshalb, weil die Bilder eher gemeinfrei zu finden sind, ohne Urheberrecht und zur freien Verwendung.

Wer jetzt Nicole Tersigni eine Nachricht schreiben will, um ihr zu erklären, dass nicht alle Männer Mansplainer sind, sollte vorher vielleicht das Vorwort ihres Buches lesen. Dort schreibt Comedian Jen Kirkman genau dazu: “Wenn du ein Typ bist, wirst du gerade vielleicht nervös, möchtest das Buch weglegen und Nicole tweeten ,Nicht alle Männer mansplainen!‘ Aber dann wärst du der Typ, der einer Frau, die offenkundig Männer kennt, mit Männern verwandt ist, mit Männern gearbeitet hat, mit Männern befreundet ist, mansplained, dass nicht alle Männer schlecht sind.“