Donald Trump hat jetzt doch beschlossen, John McCain die letzte Ehre zu erweisen

Statt den verstorbenen John McCain zu ehren, hüllte sich Donald Trump zwei Tage lang in Schweigen. Jetzt hat er ein vier Paragraphen umfassendes Statement veröffentlicht.

Der ehemalige Senator John McCain ist Samstag verstorben. Donald Trumps Trauer blieb überschaubar.

Der ehemalige Senator John McCain ist Samstag verstorben. Donald Trumps Trauer blieb überschaubar. Foto: William Thomas Cain/Getty Images

Der einflussreiche republikanische Senator und Kriegsveteran John McCain war am Samstag an einem Hirntumor verstorben. Viele Politiker*innen meldeten sich daraufhin mit Kondolenzschreiben zu Wort, vom Weißen Haus hörte man allerdings zunächst – nichts.

Erst am späten Montag kam ein kurzes offizielles Statement aus dem Weißen Haus – zwei Tage nach dem Tod des Senators. Und das, obwohl das Weiße Haus bereits vor einigen Tagen ein offizielles Kondolenzschreiben für den Fall des Todes McCains vorbereitet hatte, wie CNN berichtete. Das Weiße Haus entschied sich jedoch, dieses nicht zu veröffentlichen. Stattdessen veröffentlichte es ein vierparagraphiges Statement, in dem Trump McCain kurz ehrt und dann ausführlicher auf die logistischen Details der Trauerveranstaltungen eingeht. Erst am Montagabend wurde die Trauerbeflaggung wieder angeordnet. CNN berichtet, dass dies wohl aufgrund des anhaltenden Drucks von Trumps Mitarbeiter*innen geschehen sei.

McCain wollte Trump nicht auf seiner Beerdigung

Trump und McCain verband eine tiefe Abneigung, die beide für den jeweils anderen empfanden. Der erzkonservative McCain gilt in den USA als Vietnam-Kriegsheld. Er wurde in Kriegsgefangenschaft gefoltert und weigerte sich trotz der ihm zugefügten Schmerzen, an einem Gefangenenaustausch teilzunehmen, da sich andere Soldaten länger in Gefangenschaft befanden als er. Trump sagte einmal, dass er Kriegshelden, „die sich nicht gefangen lassen nehmen würden“ solchen wie McCain vorziehen würde. McCain veranlasste vor seinem Tod, dass nicht Trump, sondern die ehemaligen Präsidenten, George W. Bush sowie der Demokrat Barack Obama, auf seiner Beerdigung sprechen sollten.

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Kein Wunder also, dass Trump den Tod von McCain lediglich in einem knappen Tweet abhandelte.

Trotz dieser bekannten Abneigung war das politische Washington empört über die Stille und mangelnde Ehrbekundungen des Weißen Hauses nach dem Tod McCains. In den USA ist es üblich, die Flagge an offiziellen Gebäuden vom Todestag eines Kongressmitglieds bis zum Tag der Beerdigung auf Halbmast zu senken. Das Weiße Haus verordnete die Trauerbeflaggung für Samstag und Sonntag – am Montag waren die Flaggen jedoch zunächst wieder auf Vollmast. Anscheinend wollte der Präsident am Montag sein geplantes Tagesprogramm nicht aufgrund des Todes des Senators unterbrechen. CNN berichtet, dass Trump laut einer internen Quelle die mediale Berichterstattung über McCain anscheinend „over the top“ empfand.

Trump verkündete am Montag auf einer Presseveranstaltung, dass man sich mit Mexiko auf ein neues Handelsabkommen geeinigt hätte. Daraufhin befragten Reporter*innen den Präsidenten zu dem Tod McCains – und der Präsident entschloss, sämtliche Fragen hierzu zu ignorieren. Kein einziges Wort des Respekts oder der Anteilnahme.

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Barack Obama veröffentlichte übrigens bereits am Sonntag ein mitfühlendes Kondolenzschreiben – und dass, obwohl er Mitglied der Demokraten ist.