Donaulied: Erste Stadt verbietet Stück, das sexualisierte Gewalt beschönigt

Etwa 35.000 Unterschriften sammelte die Onlinepetition von Corinna Schütz zum Verbot des Donaulieds in Passauer Bierzelten. Die Stadt Montabaur ist nun die Erste, die dieser Forderung nachkommt.

Oktoberfest 2018
Oktoberfest in München. Auf vielen Volksfesten in Deutschland wird das Donaulied gesungen Foto: © Angelika Warmuth / dpa

In der kleinen Stadt Montabaur in Rheinland-Pfalz, die rund 12.000 Einwohner*innen hat, wird künftig das Donaulied nicht mehr in Bierzelten gesungen. Das äußerte Bürgermeisterin Gabriele Wieland gegenüber der dpa. Damit reagierte sie auf eine Passauer Initiative, die die Studentin Corinna Schütz ins Leben gerufen hat. Sie hatte im Mai die Petition #Bierzeltsexismus – Aktion gegen das Donaulied gestartet.

In der Petition forderte sie die Stadt Passau dazu auf, ein Verbot einer Version des Donaulieds auszusprechen, in der explizit die Vergewaltigung eines schlafenden Mädchens verharmlost wird. Die Petition erhielt großflächige Zustimmung. Etwa 35.000 Menschen unterstützen die Studentin bei ihrem Vorhaben mit einer Signatur. Durch die Aktion wollte Corinna Schütz nicht nur auf den gewaltvollen Text des Liedes aufmerksam machen, sondern auch eine allgemeine Debatte über „jegliche Form des Bierzeltsexismus“ anstoßen, wie sie selbst schreibt. Der Passauer Bürgermeister Jürgen Dupper hatte ihr bereits seine Unterstützung bei der Umsetzung des Vorhabens zugesichert. In einer Stellungnahme auf Instagram erklärte er, dass er zuversichtlich sei, dass bei gutem Willen aller Beteiligten in Zukunft die Passauer Dulten ohne dieses Lied gefeiert werden könnten.

Ein deutschlandweites Verbot?

Bürgermeisterin Gabriele Wieland erklärte im Gespräch mit der dpa, dass sie auf Initiative eines Stadtratsmitglieds hin beschlossen hätten, bei Vertragsabschluss mit Bands zu vereinbaren, dass sie das Donaulied nicht spielen dürften. Damit wollen sie versuchen, das Lied nach und nach vom Volksfest zu verbannen.

Eine ähnliche Petition wie die von Corinna Schütz ist in Regensburg von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Regensburg initiiert worden. Diese hat zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: 10.07.2020) etwa 1000 der erhofften 1500 Unterschriften sammeln können. Auch Stimmen, die einem Verbot widersprechen, melden sich zu Wort. So hat die Gegenaktion #RettetdasDonaulied inzwischen (Stand: 10.07.2020) etwa 5.000 Unterschriften sammeln können.

Corinna Schütz erklärt im Gespräch mit der Zeitung Passauer Neue Presse, dass die Initiative gegen Bierzeltsexismus auch nach der Petition weitergehen wird. Sie würden aber erst mal keine anderen Lieder angreifen, sondern auf das Problem von Bierzeltsexismus insgesamt aufmerksam machen wollen.

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